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Brandenburgs Wirtschaftsminister im Interview : „Tesla macht die ganze Region attraktiver“  

Jörg Steinbach erläutert die Bedeutung von Tesla für die Mark. Und warum die Verhandlungen schwierig waren.

Jörg Steinbach (SPD), Wirtschafts- und Energieminister von Brandenburg.
Jörg Steinbach (SPD), Wirtschafts- und Energieminister von Brandenburg.Foto: picture alliance/dpa

Jörg Steinbach, Wirtschaftsminister in Brandenburg, erwartet keine Probleme bei der Fachkräftesuche für das geplante Tesla-Werk in der Nähe Berlins. „Ich bin optimistisch, dass junge Menschen aus ganz Deutschland und weit darüber hinaus an diesem Projekt teilnehmen möchten. Tesla kann die ganze Region attraktiver machen“, sagte Steinbach dem Tagesspiegel.

Dazu gehöre es auch, „gute Löhne zu zahlen und attraktive Arbeitsbedingungen anzubieten. Das ist dann auch eine wunderbare Werbung für unseren Wirtschaftsstandort Brandenburg“, sagte der Minister.

In den mehrmonatigen Verhandlungen mit dem US-amerikanischen Elektroautohersteller sei es stets fair zugegangen und er habe nie das Gefühl gehabt, trotz der geplanten Großinvestition mit bis zu 10.000 Arbeitsplätzen erpressbar zu sein. „Ich sehe uns als eine Art Beutegemeinschaft: Tesla will in Deutschland und Europa Autos verkaufen, wir wollen neue, zukunftsfähige Arbeitsplätze haben“, sagte der SPD-Politiker. „Das bedeutet nicht, über jedes Stöckchen zu springen.“

Die Verhandlungen seien aber auch deshalb schwierig gewesen, weil sich Tesla „bestimmte Start-up-Charakterzüge“ erhalten habe: „Man will sich nur ungern einschnüren oder einschränken lassen.“ Beim Thema Fördermittel zum Beispiel hätte es die Tesla-Manager als Einschränkung empfunden, „weil sie sich festlegen müssen und im Prozess nicht mehr viel ändern können“.

Dafür gebe es klare, von der EU vorgegebene, gestaffelte Fördersätze. „Für die ersten 50 Millionen Euro sind es 20 Prozent, für die nächsten 50 Millionen zehn Prozent und für alles jenseits von 100 Millionen Euro gibt es noch 6,8 Prozent“, sagte Steinbach.

Angst vor Umweltaktivisten 

Eine Rolle gespielt habe in den Ansiedlungsgesprächen auch der Ruf Deutschlands „in Sachen Umweltschutz und Umweltaktivisten“. „Vorgänge wie im Hambacher Forst werden in der ganzen Welt registriert“, sagte der Wirtschaftsminister.

„Ungefähr sechs Wochen vor der Standortentscheidung wurden wir gefragt, mit welcher Mentalität Tesla hier zu rechnen habe. Während der Chef unserer Wirtschaftsförderung die Industriefreundlichkeit Brandenburgs mit Beispielen belegt hat, habe ich mein I-Pad hochgehalten mit der Homepage von ,Welcome Tesla‘, der in der Lausitz organisierten Taschenlampenaktion, um das Unternehmen auf uns aufmerksam zu machen. Das kam gut an“, sagte Steinbach.

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