Coronavirus durch Bargeld übertragbar? : China zieht wegen COVID-19 Geldscheine ein

Kaum ein Gegenstand wechselt so oft den Besitzer wie Banknoten. Jetzt fragt sich, was passiert, wenn der Schein in Händen eines Infizierten war.

Chinesische Banknoten. (Symbolbild)
Chinesische Banknoten. (Symbolbild)Foto: picture alliance / dpa

Im Kampf gegen das Coronavirus schickt China nicht nur Menschen in Quarantäne, sondern auch Geldscheine. Mitte Februar kündigte der Vize-Chef der Zentralbank, Fan Yifei, an, Banken würden ab sofort gebrauchte Banknoten desinfizieren, versiegeln und sie dann für sieben bis 14 Tage einlagern. Erst danach kämen sie wieder in den Gebrauch.

Tatsächlich wechselt kaum ein Gegenstand den Besitzer so häufig wie Geldscheine. Und mit der Erkenntnis, dass COVID-19 auch auf Oberflächen tagelang überleben und ansteckend bleiben kann, wächst angesichts der Ausbreitung in Europa auch hierzulande die Sorge vor dem Geld.

Zahlreiche Einzelhändler haben Desinfektionsmittel an ihren Kassen bereitgestellt und ihre Mitarbeiter, die täglich hunderte Scheine und Münzen in die Handnehmen müssen, angewiesen, häufig die Hände zu waschen oder sogar Einweghandschuhe anzuziehen. Doch ist die Sorge begründet?

Banken sehen Verantwortung beim Kunden

Die Europäische Zentralbank geht nicht davon aus, dass die Gefahr eine Infizierung mit dem Coronavirus beim Kontakt mit Bargeld besonders groß ist. "Bislang gibt es keinerlei Belege dafür, dass das Coronavirus über Banknoten übertragen wurde", teilt eine EZB-Sprecherin auf Tagesspiegel-Anfrage mit.

Das bestätigt wortgleich auch die Bundesbank auf Nachfrage und verweist zudem darauf, dass das Eurosystem regelmäßig Untersuchungen dazu durchführe, ob die Produktion oder der Umlauf von Euro-Banknoten Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben können - auch im Zusammenhang mit Viren.

Auch beim Geld gelten die Vorsichtsmaßnahmen zur Handhygiene

"Für den Bürger werden im Umgang mit Banknoten und Münzen die gleichen Maßnahmen bezüglich der Handhygiene empfohlen wie bei allen anderen Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs auch, wie zum Beispiel Türklinken, Einkaufswagen oder Zahlungsterminals", heißt es von der Bundesbank weiter.

Auch die Publikumsbanken sehen sich nicht in der Verantwortung. "Geldautomaten lassen sich meines Wissens nicht gegen Infektionen schützen", sagt ein Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) stellvertretend für die gesamte deutsche Kreditwirtschaft. "Vielmehr muss sich der Mensch davor schützen, sich nicht anzustecken. Das ist im Bus, im Supermarkt, im Fitness Center oder am Arbeitsplatz nicht anders als am Geldautomaten."

Übertragung über trockene Oberflächen unwahrscheinlich

Bei der Frage, wie hoch aber die Wahrscheinlichkeit für eine Übertragung durch Bargeld ist, verweisen die Geldinstitute auf Forschungseinrichtungen wie das Robert Koch Institut (RKI). Dort teilt man auf Anfrage mit, eine Übertragung über unbelebte Oberflächen sei bisher nicht dokumentiert. "Eine Infektion mit SARS-CoV-2 über Oberflächen, die nicht zur direkten Umgebung eines symptomatischen Patienten gehören, wie zum Beispiel importierte Waren, Postsendungen oder Gepäck, erscheint daher unwahrscheinlich."

Allerdings könnte man durchaus einwenden, ein Geldschein gehört auch durchaus zur "direkten Umgebung" eines Infizierten. Für diese Nachfrage wiederum erklärt das RKI das Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) für zuständig. Hier bestätigt man, dass auch für andere Coronaviren keine Berichte über Infektionen durch den Kontakt mit trockenen Oberflächen bekannt sind.

Theoretisch seien Übertragungen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden, allerdings durch Schmierinfektionen denkbar. "Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt ist dies aber nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich", heißt es weiter.

Coronaviren können bis zu neun Tage infektiös bleiben

Wissenschaftler der Universität Greifswald und Ruhr-Universität Bochum hatten Anfang Februar Erkenntnisse veröffentlicht, wonach sich Coronaviren bei Raumtemperatur bis zu neun Tage lang auf Oberflächen halten und infektiös bleiben können. Im Schnitt überleben sie demnach zwischen vier und fünf Tagen, Kälte und hohe Luftfeuchtigkeit steigerten ihre Lebensdauer.

Das BfR verweist auch bei der Frage nach Banknoten auf diese Studien. Allerdings waren hier andere Coronaviren wie Mers oder Sars der konkrete Betrachtungsgegenstand. Die Wissenschaftler gehen allerdings davon aus, dass die Ergebnisse auf COVID-19 übertragbar sind.

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