Debatte über Klimaschutz : Eon-Chef fordert C02-Preis für alle Wirtschaftsbereiche

Ein nur sektorweiter Preis für den CO2-Ausstoß sei Flickwerk, sagt Eon-Chef Teyssen. Eine Ausweitung des europäischen Emissionshandels lehnt er ab.

Jakob Schlandt Christian Schaudwet
Der CO2-Preis muss für jede ausgestoßene Tonne CO2 bezahlt werden.
Der CO2-Preis muss für jede ausgestoßene Tonne CO2 bezahlt werden.Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Der Chef des Energiekonzerns Eon spricht sich für einen CO2-Preis über alle Sektoren aus, hält die Ausweitung des europäischen Emissionshandels dabei aber für den falschen Weg. „Wenn wir es mit dem Klimaschutz ernst meinen, brauchen wir einen wirtschaftsweiten – und nicht nur sektorweiten – CO2-Preis. Alles andere ist Flickwerk und in Wirklichkeit teurer“, sagte der Eon-Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen dem Tagesspiegel. Der CO2-Preis muss für jede Tonne CO2 bezahlt werden, die ausgestoßen werden soll.

Die Ausweitung des Emissionshandels (EU-ETS) zum Beispiel auf den Verkehrssektor, wie sie in Teilen der Union diskutiert und von der FDP vorgeschlagen wird, lehnt Teyssen ab. „Eine grundsätzliche Reform des ETS bedarf struktureller Mehrheiten in Brüssel. So etwas fordern häufig Leute, die es in Wirklichkeit gar nicht wollen“, sagte er.

Man solle stattdessen pragmatisch anfangen mit nationalen Abgabenlösungen. „Wir schlagen einen sektorenübergreifenden Preis von 30 Euro im kommenden Jahr vor, der dann langsam über einige Jahre auf 35 Euro ansteigt. Das wären Preise, mit denen man etwas bewirken kann“, erläuterte Teyssen den bestehenden Vorschlag seines Unternehmens.

„Dabei werden wir beispielsweise im Verkehrssektor den elektrischen Weg gehen müssen. Der Strom wird grüner, und die entsprechenden Kosten müssen von allen Sektoren getragen werden. Sonst hätten wir die absurde Situation, dass sauberer Strom immer teurer wird und nicht zum Einsatz kommt, weil fossile Energie billiger ist.“ Mit 35 Euro über alle Sektoren ließen sich die kompletten Kosten der Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) refinanzieren.

Außerdem solle die Stromsteuer auf den europäischen Mindestsatz gesenkt werden. „Das würde den Strompreis senken, und die kleinen Haushalte würden am meisten profitieren. Soziale Ausgewogenheit ist wichtig, sonst findet der notwendige Klimaschutz keine Akzeptanz“, sagte er.

Eon-Chef Johannes Teyssen.
Eon-Chef Johannes Teyssen.Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Den zuletzt von der deutschen Industrie hart kritisierten Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nahm Teyssen in Schutz. Vorwürfen, Altmaier tue zu wenig, schließe er sich nicht an, „weil es überzieht. Herr Altmaier hat durchaus sperrige und schwierige Themen befriedet.“ Den Weg zur Lösung der Kernenergiethemen habe er vom Kanzleramt entscheidend begleitet. Und weiter: „Er hat jetzt einen sehr guten Energiestaatssekretär gefunden. Insgesamt hat die große Koalition seit der letzten Wahl noch nicht viel bewegt, aber das trifft auf viele Ministerien zu, nicht nur auf das Bundeswirtschaftsministerium.“

Eon war bei seiner Entstehung und der Übernahme der Ruhrgas 2002 als „nationaler Champion“ bezeichnet worden, Altmaier hatte sich zuletzt für international starke Großunternehmen eingesetzt. Diese Rolle lehnt Teyssen für Eon klar ab. „Ob wir jemals ein nationaler Champion waren? Heute haben wir jedenfalls nicht den Ehrgeiz, ein solcher zu sein oder zu werden.“ Als er Altmaiers Liste möglicher Unternehmen für diese Rolle gesehen habe, „war ich ganz froh darüber, nicht drauf zu stehen. Ich will gar nicht viel Hilfe von der Politik.“

Der vollständige Beitrag erschien zuerst im Tagespiegel-Fachdienst Background Energie & Klima“. Das Team veröffentlicht täglich Newsletter mit höchster Relevanz für Top-Entscheider, Kommunikationsprofis und Fachexperten. Hier können Sie die Newsletter vom Tagesspiegel Background abonnieren.

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