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Schon wieder ausgeliefert: Delivery Hero wird seine Quick-Commerce-Marke Foodpanda in Deutschland weitgehend einstellen.
© Reuters

Schnelles Aus für Foodpanda: Delivery Hero bläst Deutschland-Comeback überraschend ab

Nach nur einem halben Jahr beendet der Berliner Dax-Konzern die Expansion im Heimatmarkt. Enorm gewachsene Konkurrenz erschwerte die Rückkehr.

Das Comeback hielt nicht lange: Vor gerade einmal einem halben Jahr kehrte Delivery Hero auf den deutschen Heimatmarkt zurück. Mit der Marke Foodpanda wollte Niklas Östberg, CEO des Unternehmens, den Zehn-Minuten-Lieferdiensten Gorillas und Flink Konkurrenz machen. Doch nun ist überraschend schon wieder Schluss. Der Berliner Dax-Konzern gibt seine Expansion hierzulande vorerst auf und zieht sich aus allen Städten außer Berlin zurück.

„Wir haben nicht unendlich Geld“, sagte Östberg der F.A.Z. zur Begründung. „Wir müssen bei der Auswahl unserer Gelegenheiten wählerisch sein.“ Zwar sei er weiter überzeugt, dass sein Lebensmittel-Lieferdienst sich in Deutschland langfristig durchsetzen könne. Zunächst seien aber andere Märkte aussichtsreicher, etwa in Asien oder Osteuropa.

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In Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart nimmt Foodpanda schon ab Donnerstag keine Bestellungen mehr an. In Berlin sollen nur noch Kund:innen in den Stadtteilen Mitte und Prenzlauer Berg bedient werden. Die Hauptstadt will Delivery Hero künftig vor allem als „Innovation Hub“ nutzen, beispielsweise um die Lieferung mit Robotern zu testen.

Liefermarkt härter umkämpft als je zuvor

Am Aktienmarkt kam der Schritt gut an. Delivery Hero machte einen Kurssprung von mehr als fünf Prozent. Seit der Ankündigung des Deutschland-Comebacks im Juni hatte das Papier 14 Prozent verloren, während der Dax in dieser Zeit fast unverändert blieb.

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Dass Delivery Hero es nach der Rückkehr hierzulande schwer haben würde, war abzusehen. Der Liefermarkt ist härter umkämpft als je zuvor. Neben dem Branchenprimus und alten Rivalen Lieferando, an den Delivery Hero 2019 sein Deutschlandgeschäft abtrat, und heimischen Start-ups wie Gorillas und Flink gibt es immer mehr internationale Konkurrenz. Dazu gehören Uber Eats, die Liefersparte des Fahrdienstes, und der US-Marktführer Doordash, der vor Kurzem in Stuttgart startete, in Flink investiert hat und den finnischen Lieferdienst Wolt schlucken will. Mit Gopuff hat außerdem die amerikanische Mutter aller superschnellen Lebensmittel-Lieferdienste angekündigt, nach Deutschland zu kommen.

„Mit einer ganz anderen Realität konfrontiert“

Ein Plus fürs Konzernergebnis erhoffe er sich aus Deutschland erst in fünf Jahren, sagte Östberg noch im November nach Bekanntgabe der Quartalsergebnisse. Marktführer könne man angesichts der Stärke von Lieferando frühestens in zehn Jahren sein. Nun räumt der CEO jedoch ein: „Wir sehen uns jetzt mit einer ganz anderen Realität konfrontiert als bei unserem Eintritt in diese Märkte und müssen daher schweren Herzens andere Wachstumsmöglichkeiten mit größerem Potenzial verfolgen.“

Als solche sieht er statt der Eigenmarke Foodpanda offenbar den Berliner Quick-Commerce-Dienst Gorillas. Im Oktober finanzierte Delivery Hero den Konkurrenten mit 200 Millionen Euro und erwarb acht Prozent der Firmenanteile. Gorillas-Gründer Kagan Sümer steht im Konflikt mit seinen Ridern, wie die Lieferfahrer:innen genannt werden, die mit Streiks gegen schlechte Arbeitsbedingungen protestierten und einen Betriebsrat gründen wollen.

Konflikt mit deutschem Arbeitsrecht

Auch Östberg hat sich seit dem Deutschlandstart von Foodpanda wiederholt kritisch zum deutschen Arbeitsrecht geäußert. Vor der Bundestagswahl hatte er eine Liberalisierung gefordert und feste Arbeitsverträge für Fahrer:innen als Nachteil für den Standort bezeichnet. Deutschland drohe bei „logistischen Innovationen“ zurückzufallen, warnte er. Der Delivery-Hero-Chef wollte die Rider lieber als Freiberufler:innen beschäftigen. Doch die Ampel beschloss das genaue Gegenteil. Die Bundesregierung will laut Koalitionsvertrag eine Initiative der EU-Kommission unterstützen, die die Rechte von Beschäftigten digitaler Plattformunternehmen stärken soll. Diese Beschäftigten sollen den Vorschlägen zufolge in Zukunft generell als festangestellte Arbeitnehmer:innen mit Anspruch auf Mindestlohn und Arbeitsschutz einstuft werden. Flink und Gorillas haben zuletzt die Löhne ihrer Fahrer:innen auf zwölf Euro erhöht. Damit kamen sie einer gesetzlichen Neuregelung zum Mindestlohn zuvor, die die neue Bundesregierung im Koalitionsvertrag beschlossen hat.

Nicht unerheblich dürfte dabei auch gewesen sein, dass es durch den harten Konkurrenzkampf auf dem deutschen Liefermarkt mittlerweile einen Mangel an Kurierfahrer:innen gibt. Die Start-ups müssen um Personal buhlen. Fündig werden könnten sie bei Delivery Hero und Foodpanda: 300 Mitarbeiter:innen des deutschen Lieferdienstes sind hier laut F.A.Z. von der Entlassung bedroht sein und Abfindungen bekommen.

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