Deutsche Bahn : Längere Fahrtzeiten auf der ICE-Strecke zwischen Berlin und Hannover

Ab Mitte Januar sind Bahnreisende zwischen 20 und 30 Minuten länger unterwegs. Verkehrsminister Scheuer fordert eine Trendwende im kommenden Jahr.

Laurin Meyer
Eine Lücke klafft bei der Bahn nicht nur zwischen Zug und Gleis, auch Anspruch und Wirklichkeit liegen weit auseinander.
Eine Lücke klafft bei der Bahn nicht nur zwischen Zug und Gleis, auch Anspruch und Wirklichkeit liegen weit auseinander.Foto: Friedrich Bungert/dpa

Es war nicht das Jahr der Deutschen Bahn. Stundenlange Verspätungen, Personalmangel und zuletzt auch noch der Ärger mit Ticketbetrügern brachten dem Konzern viel Kritik und teilweise auch Spott ein. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat die Bahn deshalb nun aufgefordert, im kommenden Jahr endlich die Trendwende zu schaffen. Sein Ziel: eine „Bürgerbahn“ mit besserem Service und mehr Pünktlichkeit.

„Wir brauchen eine Bürgerbahn, die den Namen verdient“, sagte Scheuer. Er mahnte dabei vor allem Verbesserungen bei der Wartung von Zügen und im Baustellenmanagement an. „Das System Schiene ist an die Grenzen gekommen.“ Es gebe hohe Investitionen in große Baustellen, die zu Störungen führen. „Wir müssen das besser koordinieren“, sagte Scheuer, damit die Qualität beim Bahnfahren im neuen Jahr schnellstens wieder steige.

Baustelle zwischen Berlin und Hannover

Eine Nachricht dürfte den Verkehrsminister da gar nicht erfreuen: Gleich zu Jahresbeginn, nämlich vom 12. Januar bis zum 17. Mai, müssen sich Bahnkunden vor allem zwischen Berlin und dem Rheinland auf längere Fahrtzeiten einstellen. Rund 20 bis 30 Minuten soll es hier zusätzlich dauern, heißt es bei der Bahn. Denn auf der so wichtigen Verbindung zwischen der Hauptstadt und Hannover wird gebaut. Züge in Richtung Köln starten und enden zudem nicht mehr in Berlin-Gesundbrunnen, sie fahren stattdessen ab und bis Ostbahnhof. Auch halten diese teilweise nicht mehr im Bahnhof Spandau. Betroffen ist auch die Route in Richtung Frankfurt, die über Braunschweig führt.

Geänderte Abfahrtszeiten

Und auch Reisende nach Amsterdam müssen mit – allerdings kleiner – Verspätung rechnen. Hier soll sich die Fahrtzeit der IC-Züge zwischen Berlin und der niederländischen Hauptstadt um fünf Minuten verlängern.
„Die Arbeiten sind langfristig geplant worden und dementsprechend in der Fahrplanauskunft berücksichtigt“, teilt das Unternehmen mit. So hat die Bahn auch die Abfahrt- und Ankunftszeiten angepasst: Züge in Richtung Köln fahren im Berliner Hauptbahnhof planmäßig 30 Minuten früher ab, in Richtung Frankfurter Flughafen/Basel-Interlaken geht es 25 Minuten früher los als bislang üblich.

Der Grund für die Verzögerungen sind veraltete Anlagen zur Linienzugbeeinflussung, kurz LZB, die die Bahn erneuern will. Über diese bekommt der Zugführer Informationen wie etwa die Soll-Geschwindigkeit und die Entfernung zum nächsten Ziel. Während die LZB-Anlagen abgeschaltet sind, muss die maximale Geschwindigkeit in den betroffenen Abschnitten auf 160 Kilometer pro Stunde herabgesetzt werden.

Aufsichtsratschef mahnt zur Umsicht

Verkehrsminister Scheuer nahm beim nötigen Konzernumbau die Führung um Bahnchef Richard Lutz in die Pflicht: „Das ist eine riesige Aufgabenstellung für die Spitze der Bahn.“ Bahn-Aufsichtsratschef Michael Odenwald mahnt aber zur Umsicht. „Vor einer Strukturdebatte sollte die Analyse der Probleme stehen“, sagte er dem „Handelsblatt“. Die habe der Vorstand ausführlich in der Klausursitzung des Aufsichtsrates dargelegt. „Jetzt geht es darum, die Finanzierung der notwendigen Maßnahmen zu sichern.“ Es gebe „durchaus Reformbedarf in der Konzernorganisation“. Doch: „Wir müssen die Bahn erst einmal wieder auf Kurs bringen.“

Das „Handelsblatt“ berichtete, die Bahn werde bis 2022 etwa 3,1 Milliarden Euro weniger Gewinn machen als bislang erwartet. Die Kosten stiegen schneller als der Umsatz. Die Bahn stelle „über Bedarf“ Personal ein und wolle verstärkt in neue Fahrzeuge investieren. Außerdem könne die Auslandstochter Arriva verkauft werden. Der Konzern verspreche sich davon mindestens vier Milliarden Euro. (mit dpa)

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