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Der damalige Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn posiert im Januar 2008 vor dem ersten Containerzug aus China.
© Sebastian Widmann/dpa

Von Chongqing nach Hamburg: Die Bahn setzt verstärkt auf Güterzüge aus China

Auf der Schiene lassen sich Waren aus Asien schneller transportieren als per Schiff - allerdings teurer und in kleineren Mengen. Dennoch wächst das Geschäft.

Der Bahn-Chef, der damals noch Hartmut Mehdorn hieß, sprach von einem „Produkt der Zukunft“. Nach 15 Tagen erreichte im Januar 2008 ein Test-Güterzug den Güterbahnhof Alte Süderelbe in Hamburg. Losgefahren war er in Peking. Neun Monate später, am 6. Oktober, traf der erste reguläre Containerzug aus Xiangtang kommend und mit Computern beladen in Hamburg ein.

Was damals mit vielen Unwägbarkeiten begann, hat sich zu einem regen Geschäft entwickelt. Inzwischen werden täglich Kleidung, Elektronikgeräte, Autoteile, Papier sowie Konsumgüter zwischen China und Europa über die Schiene transportiert. Von diversen Terminals fahren die Frachtzüge mindestens einmal wöchentlich ab, aus den Industriezentren Chongqing, Chengdu, Zhengzou, Wuhan und Xian sogar vier- bis fünfmal. Der 10.000 bis 12.000 Kilometer lange Weg führt entweder über Sibirien und nördlich der Mongolei entlang oder über die Südroute durch Kasachstan, Russland und Weißrussland.

14 bis 16 Tage dauert der Transport. Viel Zeit geht an den Grenzen verloren: Zweimal müssen die Container umgeladen werden, weil die Spurbreite der Eisenbahnen in Weißrussland, Russland, der Mongolei und in Kasachstan größer ist als in Europa und China. Das kostet jeweils sechs bis 24 Stunden. Auch die Loks müssen mehrmals gewechselt werden. Die Hauptstrecken sind elektrifiziert, aber in den Grenzabschnitten werden Dieselloks benötigt.

Gerade einmal 900 Container wurden im Jahr 2011 über die Strecke bewegt. 2018 werden es nach Schätzung der Deutschen Bahn etwa 90.000 Container sein, verteilt auf 3600 Züge. 2020 will die Bahn auf der China-Route 100.000 Standardcontainer befördern, „aber auch darüber hinaus sehe ich eine Perspektive“, sagt der Konzernvorstand für Güterverkehr und Logistik, Alexander Doll.

Güterzüge sind fast doppelt so schnell wie Schiffe, die Frachtkosten sind auf der Schiene aber auch bis zu 50 Prozent höher. Schiffe haben einen unschlagbaren Vorteil: Die größten von ihnen können mehr als 20.000 Container laden, ein Zug 40 bis 50. So überrascht es nicht, dass beim Warenaustausch zwischen Europa und China der Transport per Schiff mit mehr als 90 Prozent dominiert.

„Für unsere Kunden sind Zeit und Kosten wichtige Faktoren, sie wollen mit dem Bahntransport aber auch ihre Logistikketten absichern“, sagt Doll. Die neue DB Cargo Eurasia soll mit Angeboten für den Transport von Tür zu Tür werben. Da kommt der Bahnspediteur Schenker ins Spiel, der sowohl in Asien als auch in Westeuropa die Waren per Lastwagen weiterbefördert. Von diesem Herbst an testet die Bahn zudem eine Seeverbindung von Kaliningrad nach Rostock. „Mit ihr werden wir Waren vom Ostseehafen weiter in Europa flexibel und schnell verteilen können“, kündigt der Bahn-Manager an. (dpa)

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