Die Games-Branche wächst : Hamburg gegen den Rest der Welt

Unter den Games-Entwicklern herrscht große Konkurrenz. Die Hansestadt gilt als deutschlandweiter Vorreiter.

Bei Branchenmessen vernetzen sich nicht nur Spieler miteinander.
Bei Branchenmessen vernetzen sich nicht nur Spieler miteinander.Foto: NELSON ALMEIDA / AFP

Schwedisch sprechen muss keiner bei Playa Games oder in den Goodgame Studios. Die beiden Hamburger Firmen haben zwar seit einigen Monaten ein Mutterunternehmen, das in Stockholm zu Hause ist, die Stillfront Group, deren Konzernsprache aber ist Englisch. Noch gibt es in Hamburg, der Metropole der deutschen Gamesbranche, gut 2.000 Mitarbeiter in rund 120 Betrieben, die PC- und Mobile-Spiele entwickeln, designen, vertonen und vertreiben.

Aber ausländische Konzerne sind zunehmend an den Firmen in der Hansestadt interessiert. Zudem versuchen Nordrhein-Westfalen und Berlin, mit Geld und guten Worten der Hansestadt den Rang abzulaufen.

Rund 34 Millionen Deutsche spielen Computer- oder Videogames. 2018 wurden für dieses Hobby hierzulande etwa 3,3 Milliarden Euro ausgegeben, 95 Prozent davon allerdings für Produkte aus dem Ausland. Die knapp 520 deutschen Unternehmen mit etwa 11.500 Mitarbeitern, die sich um Entwicklung und Vertrieb digitaler Spiele kümmern, müssen sich mit einem deutlich kleineren Umsatz zufriedengeben. Laut dem Verband der deutschen Gamesbranche in Berlin setzen neun von zehn dieser Betriebe jährlich weniger als fünf Millionen Euro um. 2016 arbeiteten in Deutschland noch fast 13.000 Menschen im Games-Segment.

Laschet will NRW zum Games-Standort Nummer 1 machen

Michael Zillmer vom Spieleanbieter Innogames führt den Rückgang „auf bessere staatliche Rahmenbedingungen“ in Ländern wie Kanada und Großbritannien zurück. Auch Innogames ist nicht mehr in Deutschland daheim, das schwedische Medienhaus MTG hat die Firma übernommen. „Wir kommen gut mit unserer Mutter zurecht“, sagt Zillmer. Auch der chinesische Softwarekonzern Youzu Interactive hat mittlerweile ein Hamburger Unternehmen übernommen, die Firma Bigpoint. Gründer Heiko Hubertz hatte zuvor überhastet expandiert und den Trend zu Smartphone-Spielen verschlafen. Folgen: Umsatzeinbruch und ein von 400 Millionen auf 80 Millionen Euro gesunkener Unternehmenswert.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet will sein Bundesland zum Games-Standort Nummer 1 in Deutschland machen. Obwohl in Köln die Branchenmesse Gamescom stattfindet (370.000 Besucher), spielt NRW bisher als Entwicklungsstandort nur eine Nebenrolle. Laschet will das ändern, sieht Computer- und Videospiele als Schlüsselbranche der Wirtschaft seiner Region „mit enormem Potenzial“.

Hamburg hatte das schon 2003 erkannt und die Brancheninitiative gamecity:Hamburg gegründet. Die geriet zehn Jahre später ins Schlingern, verlor an Bedeutung. Erst Ende 2018 hat der Senat wieder neue Fördergelder und der städtischen „Hamburg Kreativ Gesellschaft“ drei neue Jobs bewilligt. Ausgeschrieben sind die Leitung der gamecity:Hamburg, eine Stelle für die Organisation von Veranstaltungen und eine für die Kommunikation. Mit neuem Personal soll die Games-Szene an der Elbe neuen Schwung bekommen.

Computerspiele sollen im Bund gefördert werden

Und Berlin? Die Hauptstadt will aufholen, erhofft sich Rückenwind von der Gamesweek und der Bundesregierung, die erstmals im Haushalt eine Förderung der deutschen Gamesbranche festgeschrieben hat. 50 Millionen Euro sind für einen Fonds vorgesehen, mit dem die Computerspiel-Entwicklung auf Bundesebene gefördert werden soll. Optimisten erwarten, dass bei den Gamesfirmen erste Gelder Ende des Jahres ankommen werden, Pessimisten gehen eher von 2020 aus.

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