Dürre in der Landwirtschaft : Julia Klöckner will erst einmal abwarten

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ist zurückhaltend, wenn es angesichts der Dürre um zusätzliche Zahlungen an Bauern geht.

Zurückhaltend: Agrarministerin Julia Klöckner.
Zurückhaltend: Agrarministerin Julia Klöckner.Foto: AFP

Eines ist Julia Klöckner wichtig: „Nah bei de Leut“ zu sein. Egal ob es um Ernährung geht, den ländlichen Raum oder die Dürrekatastrophe in der Landwirtschaft, Klöckner sieht sich stets bei den Menschen. Auch jetzt, wo die Landwirte im Norden und Osten Deutschlands vor vertrockneten Feldern stehen. Für viele Landwirte geht es um die „blanke Existenz”, weiß die Agrarministerin. „Von der Ernte lebt eine ganze Familie.” Das Mitgefühl tut den Bauern, die schon Wochen vor dem normalen Erntetermin ihr Getreide vom Feld holen mussten, und den Milchbauern, die auf ihren braunen Wiesen kein Grünfutter für ihre Tiere mähen können, in der Seele gut. Beweist die CDU-Politikerin doch, dass sie eine von ihnen ist.

Doch deutlich zurückhaltender wird die gebürtige Winzerstochter, wenn es um die vom Bauernverband geforderten Hilfen geht. Eine Milliarde Euro wollen die Bauern vom Bund und den Ländern, um über die Runden zu kommen. Eigentlich sind die Länder zuständig. Brandenburg will fünf Millionen Euro mobilisieren. Damit der Bund helfen kann, müsste Klöckner den nationalen Notstand ausrufen. 2003 – bei der letzten Dürre – ist das schon einmal geschehen und 2013 beim großen Hochwasser. Doch jetzt zögert die 45-Jährige. Sie will sich erst ein detailliertes Bild der Lage machen und den Erntebericht abwarten. Am Dienstag trafen sich Vertreter des Bundes und der Länder, um auf einem Arbeitstreffen eine erste Bilanz der Schäden zu ziehen, an diesem Mittwoch will Klöckner ihre Kollegen im Kabinett informieren.

Die Bauern wünschen sich schnelleres Handeln

Die Bauern wünschen sich ein schnelleres Krisenmanagement. Auch die Länder machen Druck. Der Agrarminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), fordert rasche Finanzhilfen des Bundes, genauso wie sein Kollege aus Baden-Württemberg, Peter Hauk. „Das Futter für die Kühe fehlt jetzt, und da muss man jetzt auch Entscheidungen fällen, was zu tun ist“, drängelt Klöckners Parteifreund. Doch vielleicht ist es gerade ihre Nähe zur Familie, die sie zögern lässt. Denn für die Winzer wird 2018 wohl ein gutes Jahr. Und so betont die Ministerin, dass nicht alle Regionen und nicht alle Bauern Opfer der Dürre sind – und lässt sich Zeit.

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So wie auch bei anderen Problemen. Ein staatliches Tierwohllabel wird es erst 2020 geben. Dem Handel ist das zu spät. Die Ketten schaffen jetzt ihre eigenen Kennzeichnungssysteme. Dasselbe gilt für den Kampf gegen zu viel Zucker und Salz im Essen. „Ich halte nichts von isolierten plakativen Einzelschritten“, erklärte Klöckner im Tagesspiegel-Interview. Eine nationale Ernährungsstrategie mit neuen gesünderen Rezepturen lässt auf sich warten – während die großen Supermärkte bei ihren Eigenmarken bereits fleißig Zucker, Salz und Fett sparen. „Ich will keine Ernährungspolizei und keinen Nanny-Staat“, sagt Klöckner. Vielen Leuten ist sie damit nah. Vielen aber auch nicht.

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