Eine Lufthansa auf Schienen : Von Berlin nach München mit dem ICE in nur 3 Stunden und 13 Minuten

Strecken bis zu vier Stunden müssten ohne Halt von der Bahn bedient werden - in Kooperation mit der Lufthansa. Denn auch die würde profitieren. Ein Gastbeitrag.

Matthias Gastel Daniela Wagner
Vom Berliner Hauptbahnhof bis München in gut drei Stunden - theoretisch angeblich möglich.
Vom Berliner Hauptbahnhof bis München in gut drei Stunden - theoretisch angeblich möglich.Paul Zinken/dpa-Zentralbild/dpa

Während die Flieger der Lufthansa coronabedingt am Boden bleiben, fährt die Deutsche Bahn (DB) zuverlässig, jedoch mit weit unterdurchschnittlicher Auslastung weiter. Beide Unternehmen fordern nun jeweils rund zehn Milliarden Euro Staatshilfen, um wieder auf die Beine zu kommen. Vielleicht eine Chance, beide Systeme zusammenzudenken?

Wir Grünen fordern seit Langem die Verlagerung von Flugverkehr auf die Schiene. Eine Rettung in Form von staatlichen Milliardenhilfen ohne Mitspracherecht kommt für uns nicht infrage. Ähnlich wie bei den Konditionen für die Air-France-Rettung sollen die Staatshilfen für die Lufthansa und alle weiteren deutschen Fluggesellschaften an ökologische Bedingungen geknüpft sein.

Die Lufthansa muss ihren CO2-Ausstoß auf innerdeutschen Flügen demnach bis 2024 um 50 Prozent reduzieren. Hierfür muss zum einen das Angebot auf der Schiene stimmen, zum anderen braucht es Anreize für Reisende, die auf bestimmten Relationen im Kurzstreckenbereich bislang geflogen sind.

Nonstopverbindungen in Deutschland

Wie wäre es, wenn die Deutsche Bahn in Kooperation mit der Lufthansa künftig innerdeutsche Nonstopverbindungen zwischen den großen Metropolen anbietet, die deutlich schneller sind als die heutigen ICE- und sogar noch flotter als die derzeitigen ICE-Sprinter-Verbindungen?

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Die Strecke Berlin–München als die nachfragestärkste innerdeutsche Flugbeziehung hat besonders großes Potenzial und ist noch längst nicht voll ausgelastet. Felix Berschin von der Nahverkehrsberatung Südwest hat für uns errechnet, dass die Strecke in nur drei Stunden und 13 Minuten bewältigt werden kann, sobald alle Ausbaumaßnahmen abgeschlossen sind. Dies könnte 2030 der Fall sein.

Auf dem Boden ist die Lufthansa derzeit meist schon, nur auf der Schiene noch lange nicht.
Auf dem Boden ist die Lufthansa derzeit meist schon, nur auf der Schiene noch lange nicht.Foto: Christof STACHE / AFP

Heute schon wäre eine Fahrzeit von etwa drei Stunden und 35 Minuten ohne Zwischenhalte und unter Nutzung des bestehenden Streckenpotenzials möglich. Aktuell braucht der ICE-Sprinter vier Stunden mit drei Zwischenhalten (beziehungsweise vier mit Berlin-Südkreuz) und etwas Puffer für Verspätungen.

Seit die Neubaustrecke Halle–Erfurt–Nürnberg in weiten Teilen fertiggestellt ist, hat das Passagieraufkommen auf der Schiene deutlich zugenommen. Allerdings hat es in der Luft nicht abgenommen, die gewünschte Verlagerung fand bislang nicht statt.

Kein ruinöser Wettbewerb

Wie erreichen wir also die Kunden der Airlines, die oft mit der DB fremdeln? Eine Aufteilung „Lufthansa-Flieger auf mittleren und langen Distanzen, Lufthansa in Kooperation mit der Deutschen Bahn auf der Kurzstrecke mit bis zu vier Stunden Fahrzeit“ würde einen ruinösen Wettbewerb vermeiden und den Klimaschutz voranbringen.

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Denn die Kunden können bei ihrer Marke, dem gewohnten Ticketing, dem Service oder den Lounges bleiben. Der Bahnsektor profitiert insgesamt von einem neuen Service- und Geschwindigkeitsniveau.

Ein Anreiz für Airlines, ihre Verkehre tatsächlich auf die Schiene zu verlagern, könnte die Anrechenbarkeit von „Flügen auf Schienen“ auf ihre CO2-Bilanz sein. Bei Schnellzügen, auf denen neben dem DB- auch das Kranich-Logo prangt, dürfte es Landesherren vermutlich leichter vermittelbar sein, dass einzelne, den D-Takt ergänzende Fernzüge in ihrer Landeshauptstadt nicht halten. Denn die Lufthansa-Flieger von Berlin nach München, die der DB-Lufthansa-Sprinter dann ersetzt, machen ja heute auch keine Zwischenlandung in Erfurt.

Daniela Wagner ist Sprecherin für Stadtentwicklung der Grünen-Bundestagsfraktion. Matthias Gastel ist bahnpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion.

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