Flugbegleiterin wegen Krankheit gekündigt? : SPD lässt Ryanairs deutsche Arbeitsverträge prüfen

Eine Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete verschärft ihren Streit mit der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair. Anlass ist die Kündigung zweier Flugbegleiter.

Cansel Kiziltepe, SPD Bundestagsabgeordnete aus Berlin Kreuzberg, mit Ryanair-Flugbegleiter Alehandro aus Berlin bei einem Besuch der Ryanair-Zentrale in Dublin am 13. November 2018.
Cansel Kiziltepe, SPD Bundestagsabgeordnete aus Berlin Kreuzberg, mit Ryanair-Flugbegleiter Alehandro aus Berlin bei einem Besuch...Foto: privat

Die Sozialdemokraten wollen noch in diesem Jahr das Betriebsverfassungsgesetz dahingehend ändern, dass auch Fluggesellschaften für ihr Kabinenpersonal eine Betriebsratswahl ermöglichen müssen. Für die gilt bisher eine Ausnahme.

Treiberin der Initiative ist die Kreuzberger Abgeordnete Cansel Kiziltepe, die unter anderem von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) unterstützt wird. Kiziltepe betreut als ehrenamtliche Patin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi Berliner Ryanair-Mitarbeiter, die sich an der Basis in Schönefeld an Streikaktionen beteiligt hatten. Drei davon begleitete sie vergangene Woche, wie berichtet, auch zu einem Personalgespräch in der Ryanair-Zentrale in Dublin.

Mittlerweile hat einer dieser Flugbegleiter freiwillig gekündigt. Zwei Mitarbeitern stellte Crewlink, eine Firma, die Personal für Ryanair rekrutiert und betreut, in dieser Woche die Kündigungsschreiben zu. Bei einer Flugbegleiterin begründete Crewlink den Schritt ausdrücklich mit Krankmeldungen von insgesamt neun Werktagen innerhalb der halbjährigen Probezeit, die in zwei Wochen abgelaufen wäre.

„Diese Begründung wäre nach deutschem Recht definitiv unzulässig. Daher würden wir die Mitarbeiterin bei einer Klage unterstützen, sollte sie sich dafür entscheiden“, sagte die Abgeordnete Kiziltepe dem Tagesspiegel. Sie vermutet, dass Ryanair eigentlich die Streikaktivitäten bestrafen will – und Mitarbeiter loswerden will, die später als Betriebsräte kandidieren könnten.

Die Flugbegleiterin, die ihren Namen nicht veröffentlicht sehen will, sagte, sie sei „geschockt“ über den Umgang mit ihr selbst – und der Belegschaft insgesamt. So zahle das Unternehmen zum Beispiel Lohn für acht Stunden Arbeit am Tag, obwohl man tatsächlich mitunter auch mal zwölf Stunden am Arbeitsplatz sei und diesen auch nicht verlassen könne – zum Beispiel, wenn ein Flug Verspätung hat. Diese Wartezeit erkenne der Arbeitgeber nicht als Arbeitszeit an.

Ryanair-Partnerfirma ist sparsam - auch mit Auskünften

Eine Reihe von Fragen zu den Vorgängen und Vorwürfen beantworte eine Personalverantwortliche der Ryanair-Partnerfirma Crewlink in Dublin am Freitag nur mit dem Satz: „Aus Datenschutzgründen kommentieren wir keine Fragen zu Einzelpersonen“.

„Der Fall zeigt, dass man bei Arbeitgebern wie Ryanair ganz genau hinschauen muss, will man dort etwas verändern“, sagte Kiziltepe. Sie führe derzeit auch Gespräche mit den SPD-geführten Bundesministerien für Finanzen und Arbeit, um klären zu lassen, inwieweit Ryanair und Crewlink überhaupt Mitarbeiter hierzulande nach irischem Recht beschäftigen dürfen.

Zugleich könnten einige der Initiativen der Politikerin ins Leere laufen. Denn Ryanair hat sich bereits mit Verdi erstmals auf Grundzüge einer Zusammenarbeit verständigt. Bestandteil des Vertrages ist eine Zulassung von Betriebsräten, auch Arbeitszeiten werden natürlich darin geregelt werden. Auch mit der deutschen Pilotenvereinigung Cockpit kommen die Gespräche voran.

Die Flugbegleiterin glaubt derweil nicht an eine gütliche Einigung oder Rückkehr zu Ryanair. Sie hat sich bereits in Schönefeld bei der Konkurrenz-Airline Easyjet beworben. Diese hatte dieser Tage einer Werbekampagne gestartet, in der sie offensiv behauptet, ihre Leute „fair“ zu behandeln.
 

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