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Der Netzausbau schreitet voran – die Zahl der aktiven Anschlüsse hängt hinterher.

© dpa/Matthias Balk/Bearbeitung Tagesspiegel

Glasfasernetz in Deutschland: Kommt der Ausbau bald entscheidend voran?

Die ausgebauten Anschlüsse werden mehr – doch die Zahl der aktiven Anschlüsse ans Glasfasernetz wächst nur gering. Woran hakt es? Was muss sich verbessern?

Die Geschwindigkeiten von VDSL- und Kabel-Anschlüssen werden künftig nicht mehr ausreichen. Doch die Mehrheit der Deutschen lehnt einen teuren Glasfaseranschluss weiter ab. Während in Schweden der Ausbau des Glasfasernetzes quasi abgeschlossen ist, befindet sich Deutschland noch am Anfang.

Woran hakt es? Was muss sich verbessern? Drei Fachleute geben einen Ausblick. Alle Folgen unserer Serie „3 auf 1“ finden Sie hier.


Akzeptanz muss gesteigert werden

Die digitale Transformation erfordert eine leistungsfähige Infrastruktur. Streaming-, Cloud- und Gaming-Anwendungen führen zu einem steigenden Datenvolumen von 30 bis 40 Prozent pro Jahr.

Für den Transport der Daten kommt mittel- bis langfristig nur eine Infrastruktur infrage: Glasfaser.

Der Ausbau von Glasfaser ist in Deutschland später gestartet als in anderen Ländern. Während in Schweden der Ausbau quasi abgeschlossen ist, befindet sich Deutschland noch am Anfang. So betrug die Glasfaserquote Mitte 2023 etwa 36 Prozent. Das heißt, Glasfaser ist bei 36 Prozent aller Haushalte, Unternehmen und Behörden zunächst „in der Straße“ verlegt.

Etwa 18 Prozent aller Wirtschaftseinheiten sind bereits an das Glasfasernetz angeschlossen und können sich für einen Glasfaseranschluss entscheiden. Die Herausforderung: Die Kunden müssen von der Vorteilhaftigkeit von Glasfaser überzeugt werden. Hier sind die Politik und Telekommunikationsindustrie gemeinsam gefordert, den Mehrwert herauszustellen, um die Akzeptanz dieser Zukunftstechnologie zu steigern.


Ausbau von Gebäudenetzen muss effizienter werden

Der Glasfaserausbau in Deutschland hat deutliche Fortschritte gemacht und Mitte des Jahres 15 Millionen Homes Passed erreicht – und diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Allerdings sind heute nur knapp die Hälfte dieser Haushalte ohne weitere Investitionen anschließbar und von diesen haben nur etwa die Hälfte tatsächlich einen Anschluss gebucht – in den wenigsten Fällen mit einer Gigabitbandbreite.

Es bleibt ein Marathon mit Herausforderungen: Einen deutlich höheren Take-up wird es nur mit einem geringeren Preisaufschlag für Gigabitbandbreiten geben. Es müssen Maßnahmen zum effizienteren Ausbau von Gebäudenetzen ergriffen werden. Die schnelle Auslastung der Netze kann nur durch eine Öffnung der Netze über einen einheitlichen Open-Access-Marktstandard erreicht werden.

Positive Anreize für Ausbau und Auslastung sowie einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit könnte ein verbindlicher wettbewerbsfreundlicher Migrationsplan von Kupfer auf energieeffizientere Glasfasernetze setzen, der Transparenz und Planungssicherheit schafft.


Investieren Unternehmen weiterhin Milliarden?

Die Zahl der ausgebauten Anschlüsse steigt – und das wird sie auch im kommenden Jahr. Aber: Die Zahl der aktiven Anschlüsse wächst nur gering. So haben 2023 nur rund ein Viertel der Menschen im Land, die einen Glasfaseranschluss haben können, auch einen entsprechenden Vertrag.

Die Mehrheit sieht die Notwendigkeit für einen teuren Glasfaseranschluss noch nicht – kein Wunder, momentan reichen günstigere VDSL- und Kabel-Anschlüsse, um komfortabel streamen und surfen zu können. Doch die Geschwindigkeiten werden über kurz oder lang nicht mehr ausreichen – es braucht Glasfaser.

Problematisch ist, dass die Unternehmen an ausgebauten Anschlüssen nichts verdienen. Erst, wenn die Anschlüsse genutzt und bezahlt werden, kommt ein Teil der Investitionen zurück. Nur dann sehen die Investoren hinter den ausbauenden Unternehmen eine Rendite. Es ist fraglich, ob sie bereit sind, weiterhin Milliarden in den deutschen Glasfaserausbau zu stecken – vor allem in Zeiten steigender Zinsen.

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