IAA nach München : Söder in der Schlüsselrolle

Der bayerische Ministerpräsident hat im Wettbewerb um die IAA den Widerstand von VW aufgelöst und Münchens Sieg ermöglicht.

Zeigt, wie es geht: Mit Geld und anderen Zusagen hat Markus Söder die IAA nach München geholt. Foto: Christof Stache/AFP
Zeigt, wie es geht: Mit Geld und anderen Zusagen hat Markus Söder die IAA nach München geholt. Foto: Christof Stache/AFPFoto: AFP

Jeder der großen Drei sagte ein paar Worte, und dann war die Telefonkonferenz auch schnell vorbei: Nachdem VW-Konzernchef Herbert Diess sowie die Vorstandsvorsitzenden von Daimler und BMW, Ola Källenius und Oliver Zipse, für München als neuen IAA-Standort plädiert hatten, gab es im Kreis der 20 Vorstandsmitglieder des Autoverbandes VDA nicht mehr viel zu diskutieren. Die Hauptgeschäftsführung des Verbandes, die in den vergangenen Monaten Dutzende Verhandlungsrunden mit den Bewerberstädten absolviert hatte und Berlin favorisierte, spielte keine Rolle mehr. Nicht das beste Konzept für eine neue IAA hat schließlich den Standortwettbewerb gewonnen, sondern der beste Strippenzieher: Markus Söder.

VW-Chef plötzlich für München

„Der Ministerpräsident hat sehr engagierte Gespräche geführt“, sagt Klaus Dittrich, Chef der Messe München, die nun im September 2021 erstmals die Internationale Autoausstellung ausrichtet. Zusätzlich zu den 15 Millionen Euro, die aus dem Haushalt des Freistaats offiziell für die IAA bereitgestellt werden, hat es wohl weitere Zusagen gegeben. Die neue IAA „muss erlebbar, anfassbar, ansprechbar für Bürgerinnen und Bürger sein. Deshalb finde ich das Konzept von München sehr überzeugend.“ Das sind die Worte von VW-Chef Diess am Dienstagabend. Damit hat er viele überrascht, denn Diess respektive Volkswagen und vor allem die VW-Töchter Audi und Porsche wollten keinesfalls in die Heimatstadt von BMW. Doch dann kam Söder ins Spiel. Mit geldwerten Versprechungen soll der Landesvater auf Audi in Ingolstadt zugegangen sein. Diess gab angeblich daraufhin den Widerstand gegen München auf.

IAA kurz vor dem Oktoberfest

Dass BMW das eigene Logo an der Firmenzentrale für den Zeitraum der Messe abdeckt, soll auch Söder zu verdanken sein. Schließlich hat sich der CSU-Ministerpräsident gut ergänzt mit der Stadtpolitik des von einem SPD-Mann regierten München: Der Stadtrat stimmte mit großer Mehrheit für die Nutzung wichtiger Plätze (Odeonsplatz, Königsplatz, Wittelsbacherplatz, Opernplatz) durch die Industrie während der IAA. Die Messe dauert zwar nur von Dienstag bis Sonntag, doch inklusive An- und Abbau können ein paar Wochen zusammenkommen. Zeitgleich zum Oktoberfest in der zweiten Septemberhälfte ist das für München eine schwere Belastung. Und dennoch stimmten selbst die Münchener Grünen zur Großteil für die Umnutzung der Plätze für die IAA.

Die Bayern haben Power

In der Summe hat die politische und fiskalische Power der Bayern den Ausschlag gegeben. Berlins grüne Wirtschaftssenatorin Ramona Pop wollte sich am Mittwoch nicht zu ihrer umstrittenen Rolle im Wettbewerb äußern. Anders als grüne Politiker in anderen Bewerberstädten – ursprünglich hatten sich sieben große deutsche Messestädte für die IAA beworben – war Pop auf Distanz gegangen und nicht Mitglied des Berliner Bewerberteams geworden. Nachdem sich ein Landesparteitag der Grünen Ende vergangenen Jahres gegen die IAA ausgesprochen hatte, ging die Senatorin in Deckung. Am Dienstag hatte Pop kurz vor der IAA-Entscheidung getwittert, für eine „moderne, innovative und klimafreundliche Mobilität gibt es keinen besseren Ort als Berlin“. In der Berliner Wirtschaft und in Kreisen der Berliner Bewerbungsmannschaft wurde das als „Heuchelei“ bewertet.

Pop beim VDA

Pop hatte sich dem Vernehmen nach in der vergangenen Woche mit dem VDA-Hauptgeschäftsführer Martin Koers inoffiziell zu einem Vier-Augen-Gespräch getroffen. Das war jedoch ohne Belang, denn Koers favorisierte ohnehin Berlin als neuen IAA-Standort. Gravierender war vielmehr der Eindruck in weiten Teilen der Autoindustrie, dass der Senat zerstritten ist und die Grünen eine autofreie Stadt anstreben. „Berlin ist total autofeindlich“, sagte dazu, wie berichtet, ein Vorstandsmitglied des VDA.

Berlin will sein Konzept trotzdem umsetzen

Bei der unterlegenen Messe Berlin hieß es am Mittwoch, man werde nun versuchen, Teile des eigenen IAA-Konzeptes in einer anderen Veranstaltung umzusetzen. Womöglich immer in den geraden Jahren, wenn es keine IAA in München gibt. Die Bayern wiederum freuen sich über den „riesigen Reputationsgewinn“, wie der Münchener Messechef Dittrich sagt. Markus Söder hat es am Ende möglich gemacht, indem er eine „sehr aktive Rolle“ (Dittrich) spielte.

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