Infinera-Werksschließung : Droht ein neues Datenleck?

Der US-Telekomkonzern Infinera will seinen Berliner Standort schließen und die Produktion nach Asien verlagern. Gewerkschafter fürchten um die Datensicherheit.

Lena Paetsch
Foto: Arno Burgi/dpa

Das US-amerikanische Telekommunikationsunternehmen Infinera will seinen Standort in Siemensstadt schließen. Das kostet nicht nur 400 Mitarbeitern den Arbeitsplatz. Jetzt beginnt auch eine Diskussion über Datensicherheit.

Erst im Oktober hatte Infinera das Hochtechnologieunternehmen Coriant, ein ehemaliger Ableger von Siemens mit Sitz in Spandau, gekauft. Bereits drei Monate später, am 8. Januar,  verkündete das amerikanische Management seinen Berliner Mitarbeitern die Schließung des Werks zum 30. September diesen Jahres. Die Produktion soll dann nach Thailand verlegt werden. Die Belegschaft, der Betriebsrat und die IG Metall fordern seither die Erhaltung der Arbeitsplätze in Berlin.

Mögliche Lücken in der Datensicherheit

Der Gewerkschaft IG Metall geht es aber nicht nur um die Arbeitsplätze in Berlin. Weil Infinera in der Hauptstadt optische Übertragungssysteme, sogenannte Datenautobahnen, produziert und diese Fertigung nach Thailand verlagern will, fürchtet die IG Metall Lücken in der Sicherheit digitaler Infrastruktur in Deutschland. Wie die IG-Metall-Bevollmächtigte Birgit Dietze am Mittwoch sagte, würden auch  die Bundesregierung und die Bundeswehr die in Berlin gefertigten Datennetze von Infinera nutzen. Deshalb müsse, neben der Zukunft der Arbeitnehmer in Berlin, auch die Datensicherheit bei der Umsetzung von Infineras Plänen beachtet werden. Schließlich sei nicht gesichert, dass eine Fertigung der Datentechnik in Thailand auch nach den deutschen  Sicherheitsstandards erfolgen könne. Bei mangelnden Sicherheitsvorkehrungen könne es sogar passieren, dass Daten bei der Übertragung abgefangen werden, befürchtet die Gewerkschaft.

Bundesregierung soll sich einschalten

Sicherheitsbedenken werden auch vom Berliner CDU-Bundestagsabgeordneten Kai Wegner ins Feld geführt. Er sprach sich für einen Erhalt des Hochtechnologie-Standortes aus und kritisierte die Pläne der amerikanischen Firma. Wegner fordert, die „sicherheitsindustriellen Schlüsseltechnologien in Deutschland“ zu erhalten und hat offenbar  die Bundesregierung um Unterstützung beim Erhalt des Werkes in Siemensstadt gebeten. 

Am Freitag stehen erste Verhandlungen zum Interessensausgleich zwischen der Geschäftsführung und dem Betriebsrat an. Die IG Metall hat für acht Uhr eine Kundgebung am Siemensdamm angekündigt, bei der auch Siemensmitarbeiter ihre Solidarität bekunden wollen. Mehr als 2000 Unterschriften hat die Gewerkschaft bereits in einer Petition gegen die Schließung des Infinera-Werkes gesammelt.

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