Update

Insgesamt 850 Jobs fallen weg : Clevershuttle muss sich aus Berlin zurückziehen

Das Berliner Start-up fällt laut einem Medienbericht dem Sparkurs der Bahn zum Opfer. Im Unternehmen reagiert man überrascht auf die Pläne.

Fahrzeuge des Fahrdienstes CleverShuttle stehen an der Station des Unternehmens auf dem Hauptbahnhof Leipzig.
Fahrzeuge des Fahrdienstes CleverShuttle stehen an der Station des Unternehmens auf dem Hauptbahnhof Leipzig.Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Das Berliner Start-up Clevershuttle fällt offenbar dem Sparkurs der Deutschen Bahn zum Opfer. 850 der insgesamt 1100 Jobs sollen gestrichen werden, wie das „Manager Magazin“ berichtet. Zudem soll sich das Unternehmen aus Berlin zurückziehen – sowie auch aus Dresden, Kiel und München. Damit bliebe der Dienst nur in Düsseldorf und Leipzig erhalten.

Das Start-up hat von den Plänen der Deutschen Bahn offenbar nichts gewusst und über die Medien davon erfahren. Von der Bahn hieß es, „bislang wurden keine abschließenden Entscheidungen dazu getroffen.“ Mit den Mitarbeitenden vor Ort sollen Gespräche geführt werden, danach werde über weitere Weichenstellungen beraten. Falls das Anpassungen nötig machen sollte, würde die DB den Mitarbeitern von Clevershuttle Beschäftigungsangebote machen, so die offizielle Stellungnahme.

Clevershuttle wurde 2014 in Berlin gegründet. Das Start-up bietet einen per App bestellbaren Fahrdienst mit Elektroautos an. Ein Algorithmus führt Reisende mit einer ähnlichen Route zusammen, die sich dann ein Fahrzeug teilen. In der Berliner Zentrale beschäftigt das Unternehmen rund 170 Mitarbeiter und knapp 450 Fahrerinnen und Fahrer.

[212.000 Abos und konkret aus Ihrem Kiez: unsere Tagesspiegel-Newsletter für die 12 Berliner Bezirke - kostenlos hier leute.tagesspiegel.de]

Das Berliner Start-up wurde 2014 gegründet. 2015 beteiligte sich die Bahn mit 20 Prozent, seit zwei Jahren besitzt der Konzern die Mehrheit. Im vergangenen Herbst hatte Clevershuttle nochmals frisches Geld bekommen, sich aber wegen dem hohen Wettbewerb aus einigen Städten zurückgezogen.  An dem Expansionskurs wollte das Unternehmen dennoch grundsätzlich festhalten. Mitte März war der Dienst in Düsseldorf an den Start gegangen.

Für die Bahn war das Start-up offenbar ein Verlustgeschäft. Die Kosten sollen sich laut „Manager Magazin“ zuletzt auf 100 Millionen Euro belaufen haben. Im Zuge der Corona-Pandemie hat der Staatskonzern mit hohen Umsatzausfällen und Belastungen zu kämpfen – das Defizit wird auf mindestens elf Milliarden Euro geschätzt. Zuletzt hatte der Bundesrechnungshof gefordert, das von der Bundesregierung in Aussicht gestellte Hilfspaket für die DB an strenge Auflagen zu knüpfen.

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!