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Mehr als 2000 Jobs bei Schiffbauer in Gefahr : MV Werften und Lloyd-Werft melden Insolvenz an

Durch die Pandemie geriet die angeschlagene Unternehmensgruppe Genting ins Schlingern. Nun scheiterten Verhandlungen über weitere Staatshilfen im Norden. 

Die MV Werften in Wismar. Weitere Betriebe befinden sich in Stralsund und Rostock.
Die MV Werften in Wismar. Weitere Betriebe befinden sich in Stralsund und Rostock.Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Schlechte Nachrichten für den deutschen Schiffbau zu Jahresbeginn: Am Montag haben die MV Werften in Mecklenburg-Vorpommern und die Bremerhavener Lloyd-Werft Insolvenz angemeldet.

Beide Unternehmen gehören zum Mischkonzern Genting Hongkong, der in Schwierigkeiten steckt. Der Handel mit Genting-Aktien an der Börse in Hongkong war am vergangenen Freitag ausgesetzt worden und wurde seither auch nicht wieder aufgenommen. Bei den MV Werften geht es um rund 1900 Beschäftigte, bei dem Bremerhavener Schiffbaubetrieb um etwa 300 Arbeitsplätze.

MV Werften mit dem Insolvenzantrag die Konsequenzen aus der anhaltenden Finanzkrise, die das Unternehmen seit Beginn der Corona-Pandemie in eine Schieflage gebracht hat. Die Verhandlungen zwischen Bund und Land auf der einen sowie MV Werften und dem Eigner Genting Hongkong auf der anderen Seite hatten zu keinem positiven Ergebnis geführt. Wie es mit den Mitarbeitern nun weitergeht, ist offen.

Den MV Werften war es nicht gelungen, die Finanzierung des zu 75 Prozent fertigen und rund 1,5 Milliarden Euro teuren Neubaus des Kreuzfahrtschiffes „Global Dream“ zu sichern. Es gilt als eines der größten je gebauten Kreuzfahrtschiffe und war ausschließlich für den asiatischen Markt gedacht.

Der Bund hatte immer wieder versichert, rund 600 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) zur Verfügung stellen zu wollen. Es sei selbstverständlich, dass sich die Bundesregierung für den Erhalt der Arbeitsplätze einsetze. Das Schiff sollte dafür als Sicherheit verwendet werden.

Beim Eigenbeitrag der Eigentümer sei es um einen Beitrag von 60 Millionen Euro plus Garantien für die in Rede stehenden Bundesmittel gegangen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur: „Als Bundesregierung haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Insolvenz der MV Werften zu vermeiden und so die Arbeitsplätze zu retten. Allerdings haben die Eigentümer unser Hilfsangebot ausgeschlagen; die Anmeldung der Insolvenz ist die Folge.“

Dies sei nach Wochen des Bangens eine „bittere Nachricht“ für die Beschäftigten der Werft und für die Region, so Habeck. „Gerade als jemand, der in einer Werftenstadt lebt, weiß ich, welche Bedeutung das hat. Selbstverständlich werden wir in den nächsten Wochen weiter in einem engen Austausch mit der Landesregierung bleiben, was die Zukunft der MV Werften anbetrifft.“

Corona führte in wirtschaftliche Katastrophe

Der Präsident von Genting Hongkong, Colin Au, hatte dagegen zuletzt gesagt, dem Bund vier Angebote zur weiteren Finanzierung vorgelegt zu haben. Diese seien aber alle abgelehnt worden.

Auch sei im vergangenen Dezember die Auszahlung des fälligen Betrags beim Erreichen eines Bau-Zwischenstands, dem sogenannten Meilenstein F, blockiert worden.

Genting habe nun keine weiteren Kompromisse mehr machen können. „Wir haben uns abgearbeitet an den Auflagen des Bundes“, sagte MV-Werften-Geschäftsführer Carsten Haake am vergangenen Sonntag.


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Colin Au hatte darauf verwiesen, dass Genting seit der Übernahme mehr als zwei Milliarden Euro in die MV-Standorte aus eigener Tasche investiert habe, die Zahl der Mitarbeiter sei verdoppelt worden. „Ohne Covid-19 hätten wir die Regierung nie um einen Euro gefragt.“

Der WSF der Bundesregierung hatte erst im vergangenen Jahr grünes Licht für 300 Millionen Euro an Staatshilfen gegeben. Danach wollten die MV Werften ihre Restrukturierung angehen. Die Werften in Wismar, Rostock und Stralsund gehören seit 2016 dem börsennotierten Glücksspiel- und Kreuzfahrtkonzern Genting. (dpa, Reuters)
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