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Der Flugverkehr genießt in Deutschland noch immer zu große Privilegien.
© dpa/Boris Roessler

Allianz von Bahn und Lufthansa: Schafft die Inlandsflüge ganz ab!

Die Bahn will mehr Passagiere zu den Flughäfen befördern – und kooperiert mit dem Flugverband Star Alliance. Aber das ist bloße Symbolpolitik. Ein Kommentar.

Ein Kommentar von Caspar Schwietering

Eins muss man der Verkehrswirtschaft lassen: Marketing kann sie. Von den besonders klimaschädlichen Wirtschaftssektoren ist es nur dem Verkehr seit 1990 nicht gelungen, seine CO2-Emissionen zu reduzieren.

Doch das hält die wichtigsten deutschen Mobilitätsanbieter, Deutsche Bahn und Lufthansa, nicht davon ab, sich als Klimaretter und Öko-Vorreiter aufzuspielen. So auch diesen Montag. Am Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens präsentierte die Bahn ihre neue Kooperation mit der von der Lufthansa dominierten Star Alliance.

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Für das Airline-Bündnis wird die Deutsche Bahn Zubringerfahrten zu dem internationalen Drehkreuz übernehmen. Das soll Inlandsflüge überflüssig machen. Das intermodale Angebot ist ein richtiger Schritt, nur nicht wirklich neu.

Bereits seit 2001 kann man mit Lufthansa-Tickets in ICE-Zügen zum Flughafen Frankfurt fahren – aus inzwischen 24 deutschen Städten. Diese Lufthansa-„Flüge“ auf der Schiene können seit jeher auch Star-Alliance-Partner in ihren Flugplan aufnehmen. Nun wird die Bahn selbst zum Mitglied des Bündnisses. Viel mehr ändert sich nicht.

Kein glaubwürdiger Klimaschutz

Die „neue“ Kooperation ist mithin billige Symbolpolitik. Ein glaubwürdiger Schritt für mehr Klimaschutz wäre die Zusammenarbeit, wenn zugleich die meisten deutschen Inlandsflüge abgeschafft würden.

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Der Frankfurter Flughafen liegt perfekt, um den innerdeutschen Zubringerverkehr für Transkontinentalflüge vollständig auf die Schiene zu verlagern. Fast alle deutschen Städte sind von dem viel frequentierten Flughafenbahnhof per ICE in drei Stunden oder weniger zu erreichen. Das macht Flüge überflüssig. Aber dennoch fliegt die Lufthansa Passagiere von Frankfurt weiter selbst in nahegelegene Städte wie Düsseldorf, Stuttgart und Nürnberg.

Kurzstreckenflüge beuten Umwelt und Personal aus

Diese 200-Kilometer-Flüge sind schon lange nicht mehr zeitgemäß. Wirtschaftlich lohnen sich die Ultrakurzstrecken nur durch Ausbeutung – von Personal und Umwelt. Dass die Airlines auf Kerosin keine Energiesteuer zahlen, ist ein mit jedem Jahr unfassbarerer Anachronismus. Hier ist die Politik gefragt, ebenso wie beim Schienenausbau. Mit ihrer schlechten Performance macht es die Bahn Lufthansa-Chef Carsten Spohr leider leicht, auf Kurzstreckenflügen zu beharren.

Dennoch sind in den letzten Wochen viele Passagiere vom Inlandsflieger auf den ICE umgestiegen, weil Flüge wegen Personalmangels ausgefallen sind. Die Airline-Chefs sollten daraus lernen: Die Personalprobleme werden in den nächsten Jahren kaum verschwinden. Und auch die Zeit der finanziell günstigen Umweltzerstörung ist bald vorbei. In den Flieger sollten Menschen nur noch steigen, wenn es unbedingt nötig ist. Nach der Coronakrise darf die Luftfahrt nicht weitermachen wie zuvor.

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