Nachhaltiger Konsum : Öko-Bauern kritisieren Neuland-Fleisch bei Aldi

Bei dem Discounter gibt es Fleisch von Neuland zu kaufen, das beim Großproduzenten Tönnies geschlachtet wurde. Das irritiert viele.

Kein schöner Gedanke, dass diese Ferkel bald bei Aldi verkauft werden könnten.
Kein schöner Gedanke, dass diese Ferkel bald bei Aldi verkauft werden könnten.Foto: imago/Raimund Müller

Bereits seit August dieses Jahres kann man in vier Bundesländern Schweinefleisch des artgerechten Anbieters Neuland bei Aldi kaufen. Geschlachtet werden die Tiere zuvor bei dem Großproduzenten Tönnies. Doch nun ist um die Zusammenarbeit ein offener Streit in der Branche entbrannt. In einem Leserbrief der Mitglieder-Zeitschrift der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) „Unabhängige Bauernstimme“ distanziert sich die Hälfte des AbL-Bundesvorstands sowie fünf Mitglieder von Landesvorständen von der Kooperation. Sie fürchten einen Ausverkauf der Ideale des Neuland-Vereins.


Einer der Unterzeichner ist der Berliner Landwirt Phillip Brändle aus dem Bundesvorstand. Er sieht durch die Zusammenarbeit langfristig die Existenz kleiner Bauernhöfe in Gefahr. „Der Verkauf über einen Händler wie Aldi fördert Strukturen, die bäuerliche Betriebe erwiesenermaßen schwächen“, sagt Brändle und fügt an: „Tönnies legt die Preise fest, die zum Teil noch unter dem Marktpreis liegen - immer zulasten der Bauern.“ Zudem mache Tönnies durch seinen Export Landwirten in anderen Teilen der Welt das Leben schwer.

Ebenso wie die anderen Autoren des Leserbriefs fürchtet Brändle eine strukturelle Abhängigkeit. „Was, wenn Neuland seine Produktionskapazitäten in den nächsten Jahren so ausgeweitet hat, dass es keine andere Wahl mehr hat, als Aldi oder eine vergleichbare Struktur zu bedienen?“, heißt es in dem Brief. Weiter beklagen die Unterzeichner Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter und die Tierhaltung bei Tönnies.


Die AbL ist Gründungsmitglied und einer von drei Trägern des Vereins Neuland. Dieser hat sich 1988 gegründet und ein sogenanntes Markenfleischprogramm aufgelegt. Die Neuland-Bauern verpflichten sich zu strengen Kriterien mit Blick auf Tierhaltung und Umweltschutz. Eine Abkehr von Neuland steht für die AbL aber trotz der jüngsten Kooperation nicht zur Debatte. Der Bundesvorstand verabschiedete einstimmig eine Erklärung, die besagt, man werde sich „weiterhin bei Neuland engagieren und einbringen sowie die neue Zusammenarbeit von Neuland mit Tönnies und Aldi kritisch begleiten“. In den Berliner Filialen des Discounters ist das Neuland-Fleisch derzeit nicht erhältlich.

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