Neue Tarife in der Autoversicherung : Berliner zahlen am meisten

Die neue Regionalstatistik zeigt: Nirgendwo ist die Autoversicherung so teuer wie in der Hauptstadt. Was Sie dagegen tun können.

Unfallwagen: Die Schadensbilanz ist sehr unterschiedlich in Deutschland.
Unfallwagen: Die Schadensbilanz ist sehr unterschiedlich in Deutschland.Foto: picture alliance / dpa

Manchmal entscheidet eine Hausnummer über 142 Euro im Jahr. In der Landsberger Allee in Berlin ist das so. Je nachdem, wo man wohnt, zahlt man unterschiedlich hohe Beiträge für die Autoversicherung. Zwischen 783 und 925 Euro im Jahr variieren die Versicherungsprämien für ein- und denselben Fahrer und ein- und dasselbe Auto, hat das Vergleichsportal Check 24 ausgerechnet. Sechs verschiedene Prämien gibt es etwa bei der Axa-Versicherung allein für die Landsberger Allee. Wie viel man zahlt, hängt von der Hausnummer ab.

Es kommt auf die Schäden an

Was verrückt klingt, hat einen Grund: Für die Versicherer ist es wichtig, wie viele Schäden in einer Region passieren. Je mehr es sind, desto teurer werden die Beiträge in der Haftpflicht-, der Voll- und der Teilkaskoversicherung. Einmal im Jahr teilt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die rund 400 Zulassungsbezirke in Deutschland in Regionalklassen ein.

Je besser die Schadensbilanz vor Ort ist, desto niedriger ist die Regionalklasse und desto günstiger ist die Versicherung. Für die Haftpflichtversicherung, die Schäden des Unfallgegners zahlt, gibt es zwölf, für die Vollkaskoversicherung, die für Schäden am eigenen Auto aufkommt, existieren neun und für die Teilkaskoversicherung, die im Vergleich zur Vollkasko einen abgespeckten Versicherungsschutz bietet, 16 Regionalklassen. Je nachdem, ob es sich um die Haftpflicht- oder die Kaskoprämie handelt, kann ein Autofahrer in unterschiedliche Regionalklassen eingestuft werden.

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Neue Tarife für neun Millionen

Nach der am Dienstag veröffentlichten neuen Regionalstatistik verändern sich die Beiträge für neun Millionen Autofahrer. 4,5 Millionen zahlen weniger, 4,8 Millionen mehr. Die veränderten Tarife gelten ab sofort für neue Verträge und ab dem 1. Januar 2021 für bestehende Policen. Wer eine Beitragserhöhung bekommt, hat ein Sonderkündigungsrecht.

Wo es billig und wo es teuer ist

Besonders gute Schadensbilanzen haben Brandenburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Den besten Wert in der Haftpflichtversicherung erzielt die Prignitz in Brandenburg, hier liegen die Schäden um 30 Prozent unter dem bundesweiten Durchschnitt. Anders sieht es in Bayern und in den Großstädten aus.

In Großstädten wie Berlin sind die Autoversicherungen teurer.
In Großstädten wie Berlin sind die Autoversicherungen teurer.Foto: imago images/Schöning

Ein ganz besonders teures Pflaster ist Berlin. Die Hauptstadt hat in der Haftpflichtversicherung „die schlechteste Schadensbilanz wie schon in den Vorjahren“, berichtet der Verband. An der Spree liegen die Schäden um mehr als ein Drittel über dem Bundesschnitt.
Auch bei der Vollkaskoversicherung müssen Berliner besonders tief in die Tasche greifen, in der Teilkasko ist es dagegen andernorts noch teurer. Das betrifft etwa das Ostallgäu in Bayern, das mit der Regionalklasse 14 den schlechtesten Wert bundesweit hat. Die noch höheren Regionalklassen 15 und 16 hat derzeit kein Zulassungsbezirk erreicht. Berliner könnten einiges sparen, wenn sie ihr Auto in einem günstigeren Bezirk anmelden – etwa bei Verwandten in der Prignitz.


Während der Versicherungsverband das gesamte Berlin Stadtgebiet über einen Kamm schert, differenzieren die Versicherungsunternehmen weiter. Das betrifft nicht nur Berlin und die Landsberger Allee, sondern auch andere Großstädte. In der Frankfurter Straße in Köln liegen 145 Euro zwischen den verschiedenen Postleitzahlgebieten, in Hamburg sind es 118, in Essen bis zu 110 Euro, hat Check 24 ermittelt.

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SUVs sind teurer als Kleinwagen

Die Regionalklassen sind ein wichtiger Bestandteil der Versicherungsprämie, der Autotyp ein zweiter. SUVs sind teurer als Kleinwagen, jedes Jahr gibt der GDV eine Typklassenstatistik heraus, in der jedes Modell eingestuft wird. Die neue Statistik wird wahrscheinlich im September veröffentlicht.

Mit Monatskarte billiger: Wer regelmäßig Bus und Bahn fährt, spart Beiträge in der Autoversicherung.
Mit Monatskarte billiger: Wer regelmäßig Bus und Bahn fährt, spart Beiträge in der Autoversicherung.Foto: Doris Spiekermann-Klaas TSP

Wie Sie sparen können

Neben dem Zulassungsbezirk und dem Automodell spielen auch persönliche Merkmale eine Rolle. Dazu zählt der Schadenfreiheitsrabatt für unfallfreie Versicherungsjahre. Rabatte gibt es zudem, wenn das Auto nicht an der Straße geparkt wird, sondern in einer Garage. Hausbesitzer kommen generell oft billiger davon, vor allem, wenn sie beim selben Versicherer auch eine Wohngebäudeversicherung abgeschlossen haben.

Wenigfahrer zahlen ebenfalls weniger für die Versicherung, auch für bestimmte Berufsgruppen wie Beamte oder Landwirte gibt es günstige Angebote. Und auch wer eine Bahncard hat oder eine Monatskarte für Bus und Bahn, kann Rabatte bekommen. Dahinter steckt die Überlegung, dass solche Fahrer das Auto häufiger mal stehen lassen. Auch wer den Kreis der Fahrer einschränkt, kann bei der Versicherungsprämie sparen.

Welche Versicherung ist nötig?

Eine Haftpflichtversicherung braucht jeder Autofahrer, sie ist Pflicht. Eine Kaskoversicherung lohnt sich dagegen nur für neuere, teure Autos.
Eine Vollkaskoversicherung wird für Neuwagen in den ersten drei bis fünf Jahren empfohlen, danach ist eine billigere Teilkasko sinnvoller. Diese deckt Schäden durch Unwetter, Unfälle mit Haarwild und Diebstahl ab. Eine Vollkaskoversicherung übernimmt darüber hinaus auch Schäden durch selbstverschuldete Unfälle und Vandalismus.

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