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Nicht mehr nur Dosenbier und Plastikflaschen : Warum Aldi jetzt auch Bier in Glasflaschen verkauft

Der Discounter stellt sein Getränkesortiment um. Grund ist wohl eine Zielvorgabe im Verpackungsgesetz. Die dürfte dem gesamten Handel noch Probleme bereiten.

Aldi muss sich Gedanken machen, wie sie die gesetzlich geforderte Mehrwegquote einhalten wollen.
Aldi muss sich Gedanken machen, wie sie die gesetzlich geforderte Mehrwegquote einhalten wollen.Foto: picture alliance/dpa

Bei Aldi wurde schon so manches ehemals eiserne Prinzip aufgehoben. War frische Milche früher noch Mangelware bei dem Discounter, gibt es sie hier inzwischen so alltäglich wie in jedem Supermarkt. Mussten sich die Kunden ihre Ware einst aus den Großhandelskartons unter kaltem Neonlicht förmlich herausklauben, locken die Filialen heute mit Holzdesign und üppigen Obstregalen.

Und bald könnte ein weiteres Merkmal von Aldi der Vergangenheit angehören. Denn Aldi Süd wagt sich bei seinem Getränkesortiment an Mehrweg-Glasflaschen heran. Wie das Unternehmen dem Tagesspiegel bestätigte gibt es in einigen Filialen im Raum Bingen und Eschweiler erstmals Mehrwegflaschen aus Glas, etwa Bier von Krombacher und Bitburger oder Wasser von Gerolsteiner und Hochwald.

70 Prozent Mehrwegquote als Ziel

Bisher hatte Aldi komplett auf Dosen und PET-Flaschen gesetzt; Einwegflaschen mit 25 Cent Pfand. Kein Wunder, bedeutet Mehrweg doch erheblichen logistischen Aufwand für die Händler. Das Bier aus Plastikflaschen war manch Bier-Connoisseur allerdings durchaus ein Grund, dem Discounter fernzubleiben.

Nun ist jedoch zu vermuten, dass nicht der Geschmack der Kunden, sondern strengere Umweltauflagen Aldi zu diesem Schritt bewogen haben. So sieht das seit Anfang 2019 geltende Verpackungsgesetz eine Mehrwegquote von 70 Prozent als Ziel vor. Noch ist der Getränkehandel davon aber weit entfernt. Laut dem Bundesumweltamt lag der Wert 2017 bei 42 Prozent - Tendenz sogar sinkend.

Der Test von Aldi Süd dürfte damit als Entgegenkommen gewertet werden, um mögliche Sanktionen - die im Gesetz nicht näher definiert sind - zu vermeiden. Tatsächlich ist Bier hier für den Anfang wohl der organisatorisch einfachste Schritt, denn in diesem Segment liegt die Mehrwegquote bei rund 82 Prozent. Aldi Nord teilte auf Tagesspiegel-Anfrage mit, kein ähnlichen Testlauf zu planen. Sowohl Aldi Nord als auch Süd betonen zudem, dass die Umweltbilanz ihrer PET-Flaschen sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert habe. So sei das Gewicht und damit der CO2-Ausstoß des Transports gesunken. Auch seien die Flaschen zum allergrößten Teil aus recyceltem Plastik.

Ist Mehrweg wirklich umweltfreundlicher?

Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatte Ende vergangenen Jahres ermittelt, dass Mehrwegverpackungen für Getränke zunehmend aus den Regalen verschwinden. Die Verbraucherschützer machten darauf aufmerksam, dass nicht nur die Discounter die gesetzlich geforderte Quote verfehlen, sondern auch höherpreisige Anbieter. So lag der Mehrweg-Anteil Ende 2019 laut vzbv in Edeka-Märkten bei 21 Prozent und bei Rewe bei 35 Prozent. Selbst Bio-Supermärkte kamen nur auf 57 Prozent - weit weniger als es das Gesetz will. Bei Lidl und Aldi notierte der vzbv eine Mehrwegquote von null Prozent.

Allerdings weisen Mehrwegsysteme nicht zwangsläufig eine besser Umweltbilanz auf als Einwegsysteme mit Pfand. Laut dem Naturschutzbund Nabu sind Mehrwegsysteme dann vorteilhaft, "wenn die Flaschen vielfach gespült und wiederverwendet werden und die Transportwege gering sind". Ab welcher Lieferentfernung der ökologische Vorteil von Mehrwegflaschen aus PET oder Glas gegenüber PET-Einwegflaschen schwindet, sei schwer zu bestimmen. In einer Studie der Unternehmensberatung PwC für die Deutsche Umwelthilfe wird davon ausgegangen, dass Mehrwegsysteme bis zu einer Transportdistanz von 600 km vorteilhaft sind.

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