Rüstung : Bundesregierung sucht Nachfolger für Tornado-Kampfjet

Auf der Luftfahrtschau ILA konkurrieren europäische und amerikanische Hersteller um den Nachfolger des Tornado-Kampfjets.

Auf der ILA wird der F-35-Kampfjet als möglicher Nachfolger für den Tornado präsentiert.
Auf der ILA wird der F-35-Kampfjet als möglicher Nachfolger für den Tornado präsentiert.Foto: Reuters/Axel Schmidt

An diesem Donnerstag besucht Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gemeinsam mit ihrer französischen Amtskollegin Florence Parly die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin. Dabei dürfte auch ein europäisches Rüstungsprojekt auf die nächste Stufe gehoben werden. Im Rahmen der Visite ist die Unterzeichnung eines Kooperationsvorhabens beider Länder geplant. Im Zentrum steht die Entwicklung eines gemeinsamen europäischen Kampfjets.

Auch die europäischen Flugzeughersteller Airbus und Dassault Aviation beschlossen am Mittwoch eine grundsätzliche Zusammenarbeit in dieser Frage. „Wir sagen unseren Verteidigungsministerinnen, unseren politisch Verantwortlichen: Wir sind bereit“, sagte Dassault-Aviation- Chef Eric Trappier bei einer Pressekonferenz mit Airbus-Rüstungsvorstand Dirk Hoke. Vor 2040 dürfte ein neuer europäischer Kampfjet jedoch kaum abheben.

2025 wird der Tornado aussortiert

Bis dahin drängen allerdings andere Fragen: So sucht die Bundesregierung derzeit einen Nachfolger für den veralteten Tornado-Kampfjet. Seit 1980, als Helmut Schmidt noch Bundeskanzler war, nutzt ihn die Bundeswehr. Im Jahr 2025 soll für das veraltete Modell aber endgültig Schluss sein.

Im Vorfeld der ILA verkündete das Bundesverteidigungsministerium nun, dass die Informationsbeschaffung zu einem Nachfolger abgeschlossen sei. Noch in diesem Jahr könnte somit eine Entscheidung fallen. Vier Modelle werden als mögliche Nachfolger näher betrachtet. Primär, so heißt es aus dem Ministerium, setze man auf eine Weiterentwicklung des Eurofighters. Aber auch die Anschaffung der amerikanischen F-35 des Herstellers Lockheed Martin wird erwogen.

Inmitten der Sonora-Wüste am Stadtrand von Phoenix liegt die Luke Air Force Base. Das gleißende Licht der Sonne Arizonas spiegelt sich in den Cockpits dutzender F-35 Lighting II. Die Verantwortlichen von Lockheed Martin werden nicht müde, die Vorzüge dieses Jets anzupreisen: Er ist ein Mehrzweckkampfflugzeug mit Tarnkappeneigenschaften, unsichtbar für moderne Radare. Die „digitale Revolution des Kampfjets“, vollgepackt mit leistungsfähigen Sensoren und Benutzerschnittstellen. So werden über Außenkameras Bilder in das Helmsystem des Piloten übertragen, wodurch dieser einen 360-Grad-Blick hat.

Das teuerste Rüstungsprojekt aller Zeiten

In der Zentrale der Lockheed Martin Aeronautics Company in Fort Worth ist auf den ersten Blick erkennbar, welche Bedeutung das mit 400 Milliarden Dollar teuerste Rüstungsprojekt aller Zeiten für den Konzern hat: Riesige Wandbilder, wahlweise mit F-35-Jets im Sonnenuntergang oder unter einem doppelten Regenbogen. Allein die US-Streitkräfte planen den Kauf von bis zu 2 500 Maschinen und investieren mehr als eine Billion Dollar in Anschaffung und Wartung.

Das sanfte Türkis der abertausenden Flugzeugteile in der Fertigungshalle kann leicht darüber hinwegtäuschen, dass am Ende der kilometerlangen Produktionsstrecke die modernste Kriegsmaschine der Welt steht. Steve Over, zuständig für die internationale Vermarktung, zeigt sich überzeugt: „Wenn es in Zukunft irgendwo auf der Welt zu einem Luftkampf kommen wird, ist eine F-35 involviert.“

In Toulouse und Hamburg ist man über das deutsche Interesse an der F-35 irritiert. Airbus, als direkter Konkurrent zu Lockheed Martin, setzt auch für die Tornado-Nachfolge auf eine Weiterentwicklung des Eurofighters. Viele europäische Nato-Partner haben sich dagegen für die F-35 entschieden, darunter Großbritannien, Italien, Niederlande, Norwegen und Dänemark.

"Todesstoß für europäische Lösung"

Airbus-Sprecher Florian Taitsch warnt, dass sich die Fähigkeiten und das Fachpersonal für die Entwicklung eines europäischen Kampfjets in einigen Jahrzehnten nicht mehr ohne weiteres abrufen lassen werden. „Das Knowhow wäre dann unwiederbringlich verloren.“

Taitsch rechnet auch vor, dass bis zu 100 000 Arbeitsplätze in Europa von einer Fortsetzung des Eurofighter-Projektes abhängig seien. Neben den wirtschaftlichen Argumenten würde der Vorzug der amerikanischen Lösung auch ein politisches Signal sein, denn es gehe um die Frage der europäischen Souveränität. Mit dem Einkauf des F-35 Lightning II mache man sich auf Grund der komplexen Wartung und Instandhaltung des Jets, die vielfach nur von amerikanischem Personal durchgeführt werden dürfe, langfristig abhängig von den USA.

Durch die Übertragung der Fähigkeiten des Tornados auf den Eurofighter könne auch die nukleare Teilhabe, das Abschreckungskonzept der Nato, das Deutschland beim Einsatz von Atomwaffen miteinbezieht, gesichert werden.Die Bundeswehr benötige dafür lediglich geeignete Trägersysteme. Größere Umschulungsmaßnahmen müssten somit nicht stattfinden. Eine Entscheidung für den F-35 wäre hingegen ein „Todesstoß für eine europäische Lösung“.

Die Recherche wurde durch eine Pressereise von Lockheed Martin unterstützt.

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