Spitzengehälter : Wie viel die Bahn-Chefs 2018 verdienten

Mit 1,8 Millionen Euro bleibt Bahn-Chef Lutz Spitzenverdiener im Konzern. Insgesamt sanken die Bezüge der Manager im Jahresvergleich aber.

Spitzenverdiener: Bahn-Chef Richard Lutz kassierte 2018 rund 1,8 Millionen Euro.
Spitzenverdiener: Bahn-Chef Richard Lutz kassierte 2018 rund 1,8 Millionen Euro.Foto: dpa

Bahnchef Richard Lutz erhält für seine Arbeit im abgelaufenen Jahr insgesamt 1,809 Millionen Euro, das sind 100.000 Euro weniger als 2017. Damit ist der Vorstandsvorsitzende der Spitzenverdiener im größten Staatskonzern. Sein Stellvertreter, der frühere Kanzleramtschef Ronald Pofalla, hat 1,241 Millionen Euro verdient. Das geht aus vertraulichen Unterlagen zur heutigen Aufsichtsratssitzung der Deutschen Bahn AG hervor, die dem Tagesspiegel exklusiv vorliegen.

Der DB-Konzernvorstand, dem sechs Manager angehören, bekommt für 2018 insgesamt 6,498 Millionen Euro. Im Jahr zuvor lag die Summe mit 8,521 Millionen Euro deutlich höher. Darin waren aber 2,328 Millionen Euro für Ex-Chef Rüdiger Grube enthalten, der Anfang 2017 im Streit ausschied und eine hohe Abfindung erhielt, obwohl er nur noch 30 Tage im Amt war.
Im Vergleich zu anderen Branchen sind die Topgehälter bei der Bahn mit ihren fast 319.000 Beschäftigten dennoch relativ niedrig. Daimler-Chef Dieter Zetsche kassierte 2017 rund 13 Millionen Euro. 2018 bekam der Automanager 8,6 Millionen Euro und damit ganz allein mehr als der gesamte Bahnvorstand.

Gut die Hälfte der DB-Spitzengehälter besteht aus fixen Zahlungen, für 2018 sind es insgesamt 3,3 Millionen Euro. Lutz hat eine feste Vergütung von 900.000 Euro, das sind 56.000 Euro mehr als 2017. Pofalla und Personenverkehrschef Berthold Huber erhalten je 650.000, Personalvorstand Martin Seiler und Technikchefin Sabina Jeschke je 400.000. Der neue Finanzchef und frühere Banker Alexander Doll gibt sich mit 300.000 Euro zufrieden.

Früher verdienten die Bahn-Manager mehr

Hinzu kommen die variablen Vergütungen, die erfolgsabhängig sind und die der Aufsichtsrat noch beschließen muss. Lutz ist auch hier Spitzenverdiener mit 892.000 Euro. 2017 waren es noch 1,045 Millionen. Pofalla und Huber erhalten je 560.000 Euro, Seiler und Doll je 394.000 Euro. Für den Gesamtvorstand kommen noch 143.000 Euro geldwerte Vorteile hinzu.

In den Zahlen nicht enthalten sind 1,049 Millionen Euro an langfristigen variablen Vergütungen. Zudem erhalten alle DB-Topmanager eine üppige Altersvorsorge. Die Pensionsrückstellungen betrugen 2017 mehr als 23 Millionen Euro für aktive Vorstände und weitere 149 Millionen für frühere Mitglieder und ihre Hinterbliebenen.

Im Vergleich zu den Vorjahren sind die Vergütungen der DB-Spitze deutlich gesunken. 2017 kassierten die Topmanager laut Geschäftsbericht noch 4,9 Millionen Festgehalt. 2016 waren es 6,9 Millionen und 2015 sogar mehr als acht Millionen Euro. Die gesamten Zahlungen beliefen sich 2017 nach den internationalen Bilanzvorschriften (IFRS) auf 10,8 Millionen Euro und 2016 auf 14,7 Millionen Euro.

Auch die variablen Vergütungen lagen in den Vorjahren deutlich höher. 2017 waren es knapp 3,7 Millionen Euro und 2016 fast 6,6 Millionen Euro. Selbst im Verlustjahr 2015, als die DB ein Minus von mehr als 1,3 Milliarden Euro einfuhr, gab es noch zwei Millionen extra. Danach wuchs jedoch die Kritik, dass die Kennziffern für die Erfolgsbeteiligung zu niedrig seien. Dazu gehören Kundenzufriedenheit, Pünktlichkeit und Rentabilität, die schon seit vielen Jahren teils weit unter den Zielwerten liegen.

Der Gewinn geht zurück

Dennoch kassierten frühere Bahnchefs deutlich höhere Summen. Hartmut Mehdorn erhielt zeitweise mehr als drei Millionen Euro pro Jahr und als Abfindung rund sechs Millionen Euro, nachdem er wegen des Daten- und Spitzelskandals abtreten musste. Sein Nachfolger Rüdiger Grube verdiente 2016 rund 2,6 Millionen, obwohl sein McKinsey-Sanierungskonzept „Zukunft Bahn“ kaum zündete, die Gewinne sanken und die Verschuldung wuchs.

Auch 2018 gab es enttäuschende Ergebnisse, da der Staatskonzern seine Qualitätsprobleme nach jahrelangen Versäumnissen nur sehr schleppend in den Griff bekommt. Laut internen Unterlagen lag die Kundenzufriedenheit im Fernverkehr nur bei unverändert 77 Prozent. Die Pünktlichkeit der ICE-Züge sackte gar von 78,5 auf 74,9 Prozent ab. Zudem schrumpfte der Jahresüberschuss drastisch um 29,2 Prozent auf nur noch 542 Millionen Euro, wie aus aktuellen Unterlagen für den Aufsichtsrat hervorgeht, die unserer Redaktion vorliegen. Die Zahlen wird die DB-Spitze am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz veröffentlichen, nachdem der Aufsichtsrat den Jahresabschluss genehmigt hat. Der bereinigte Konzernumsatz ist demnach um 3,1 Prozent auf 44,024 Milliarden Euro gestiegen.

Der ehemalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn erhielt damals rund drei Millionen Euro pro Jahr.
Der ehemalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn erhielt damals rund drei Millionen Euro pro Jahr.Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank leicht um 1,9 Prozent auf 2,111 Milliarden Euro. Angepeilt war zuvor ein Zuwachs. Doch die Ertragsziele bis 2023 musste Lutz in der Mittelfristplanung vor einigen Monaten weit nach unten korrigieren. Nun werden bis dahin insgesamt fast drei Milliarden Euro weniger EBIT erwartet, was die Finanzprobleme des Staatskonzerns enorm verschärft. Auch die Kapitalrendite (ROCE) ging 2018 weiter von 6,1 auf 5,8 Prozent zurück, wie aus den vertraulichen Dokumenten hervorgeht.

Stuttgart 21 verschlingt Milliarden

Alarmierend ist die Entwicklung der Nettoverschuldung, die bis Ende 2018 um fünf Prozent auf 19,549 Milliarden Euro weiter gestiegen ist. Als „adjustierte“ Summe werden sogar bereits 23,794 Milliarden Euro angegeben. Als rote Linie gelten bisher 20 Milliarden Euro, auch Regierung und Bundestag sehen den wachsenden Schattenhaushalt bei dem bundeseigenen Unternehmen kritisch.
Vor allem das drastisch verteuerte Großprojekt Stuttgart 21, für das der Staatskonzern mehr als vier Milliarden Euro Eigenanteil finanzieren muss, wird zur schweren Bürde. Denn höhere Investitionen kann die Bahn mangels ausreichender Erträge seit Jahren nur mit wachsender Verschuldung stemmen. In der aktuellen Investitionsplanung klafft eine Finanzlücke von mehr als vier Milliarden Euro. Deshalb will – wie berichtet – der Aufsichtsrat beschließen, dass die britische DB-Tochter Arriva mit 60.000 Mitarbeitern möglichst bis Dezember verkauft wird.

Zum Jahreswechsel beschäftigte der DB-Konzern weltweit 318.528 Mitarbeiter. Allein 2018 gab es mehr als 20.000 Neueinstellungen, um den Personalmangel im Personen- und Güterverkehr zu lindern, der auch entsteht, weil viele ältere Beschäftigte in Rente gehen. Deshalb läuft eine Einstellungsoffensive. In diesem Jahr soll die Zahl der Mitarbeiter um mehr als 12.000 auf 330.890 steigen.

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