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Stiftung Warentest : Fast alle alkoholfreien Biere enthalten Glyphosat

Stiftung Warentest findet Spuren des umstrittenen Pflanzenschutzmittels in nahezu allen Produkten. Dennoch schneiden von 20 Bieren neun "gut" ab.

Vier Maß Bier im Münchner Hofbräuhaus.
Vier Maß Bier im Münchner Hofbräuhaus.Foto: imago/JOKER

Eigentlich klingt alles gut: Neun von 20 alkoholfreien Bieren, die die Stiftung Warentest getestet hat, sind gut. Und auch frühere Probleme damit, dass die vermeintlich alkoholfreien Biere doch Alkohol enthalten, scheinen überwunden zu sein. Die Vorgabe, maximal 0,5 Prozent Restalkohol zu schaffen (und damit weniger als Traubensaft), halten die Brauer ein, fanden die Verbraucherschützer in ihrem am Mittwoch veröffentlichten Test heraus. Dennoch gibt es ein Problem: "In den meisten Bieren fanden wir Spuren oder geringe Gehalte des umstrittenen Pflanzenschutzmittels Glyphosat", schreiben die Tester.

Zur Erinnerung: Das umstrittene Pflanzenschutzmittel hatte zu Verwerfungen in der letzten Bundesregierung geführt. Der damalige Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hatte auf EU-Ebene zugestimmt, dass das Mittel für weitere fünf Jahre zugelassen wird, gegen die ausdrückliche Ablehnung seiner damaligen Kabinettskollegin, Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Schmidts Nachfolgerin Julia Klöckner (CDU) will den Einsatz des Mittels eindämmen und hat kürzlich entsprechende Eckpunkte vorgelegt. Danach soll Privatleuten die Verwendung von Glyphosat verboten werden, für die Landwirtschaft soll es strengere Vorgaben geben.

Das Mittel schadet der Artenvielfalt

Glyphosat tötet alles, was grün ist. Das Mittel, das ursprünglich von Monsanto vertrieben worden ist, schadet damit der Artenvielfalt. Zudem wird darüber gestritten, ob Glyphosat auch für den Menschen schädlich ist. Einen von der Weltgesundheitsorganisation geäußerten Krebsverdacht hält das Bundesinstitut für Risikobewertung jedoch für unbegründet.

Dennoch dürfte niemand den Stoff in seinem Bier haben wollen. Die Stiftung Warentest fordert daher alle Brauereien auf, die Gehalte zu senken. Dass das möglich ist, zeigen zwei Bio-Biere, die frei von Glyphosat sind: Neumarkter Lammsbräu und Riedenburger. Dagegen enthalten Flensburger und Holsten vergleichsweise viel davon.

Bereits vor zwei Jahren hatte das Münchner Umweltinstitut Alarm geschlagen. Die Forscher hatten 14 der beliebtesten Biermarken untersucht und in allen Glyphosat gefunden, teilweise in hohen Konzentrationen. Umweltschützer gehen davon aus, dass das Mittel über die Braugerste ins Bier gelangt. "Der neue Test zeigt einmal mehr, wie allgegenwärtig der Pflanzenvernichter inzwischen ist", sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner am Mittwoch. „Glyphosat hat in Bier nichts zu suchen." Ebner forderte, dass die Bundesregierung den versprochenen Glyphosat-Ausstieg endlich angehen müsse und warf der Regierung vor, den Ausstieg "klammheimlich" zu verwässern. Allerdings hatte eine Nachfolgetest der Umweltinstituts im vergangenen Jahr einen Rückgang der Werte um 80 Prozent ergeben. Auch bei der jüngsten Untersuchung der Stiftung Warentest fanden sich keine gesundheitsbedenklichen Konzentrationen.

Das sind die besten Biere

Wer alkoholfreies Bier trinken möchte, ist nach Meinung der Tester besonders mit Clausthaler Extra Herb und dem hopfigeren Clausthaler Original gut bedient. Wer es eher süß mag, sollte Warsteiner Alkoholfrei kaufen, den besten Schaum liefert Krombacher Alkoholfrei. Geschmackssieger war ein Craft Bier: das fruchtige Indian Pale Ale von Kerhrwieder, allerdings fanden die Tester ein Vielfaches an Nitrat im Bier. Auch hier besteht keine Gesundheitsgefahr. Dennoch schnitt das Bier am Ende nur "Befriedigend" ab. Übrigens: Ein Bier schmeckte den Verbraucherschützern offensichtlich nicht: Das nur „ausreichende“ Holsten schmecke „leicht muffig“ und „leicht gealtert“.

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