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„Unangebracht und falsch“ : Schalke-Chef Tönnies entschuldigt sich für rassistischen Spruch

Schalke-Aufsichtsratschef Tönnies verbreitet rassistische Stereotypen über Afrikaner. Die Kritik ist heftig. Der Verein nennt sein Bedauern „wichtig“.

Clemens Tönnies
Clemens TönniesFoto: imago images / Sportfoto Rudel

Der Fleischproduzent und Fußballfunktionär Clemens Tönnies hat mit einer rassistischen Äußerung über Afrikaner für Empörung gesorgt. Beim Tag des Handwerks in Paderborn hatte er am Freitag laut „Neuer Westfälischer“ Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert. Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, Kinder zu produzieren“, sagte Tönnies.

Nachdem vor allem auf Twitter viele Menschen diese Äußerung als rassistisch kritisierten, reagierte Tönnies mit einer Entschuldigung: „Ich möchte meine Aussage zum Thema Auswirkungen beim Klimawandel richtigstellen. Ich stehe als Unternehmer für eine offene und vielfältige Gesellschaft ein. Meine Aussage zum Kinderreichtum in afrikanischen Ländern tun mir leid. Das war im Inhalt und Form unangebracht und falsch“, ließ er per Twitter und über einen Unternehmenssprecher mitteilen.

Die Reaktionen im Saal direkt bei der Veranstaltung waren laut "Neuer Westfälischer" "Irritation – und dann doch Beifall" gewesen.

Tönnies ist Mitgesellschafter beim größten deutschen Schlachtbetrieb gleichen Namens. Die Tönnies-Gruppe mit weltweit rund 16.000 Mitarbeitern hat 2018 mit dem Schlachten von Schweinen und Rindern einen Umsatz von 6,65 Milliarden Euro erzielt. Zudem ist Tönnies seit vielen Jahren Aufsichtsratschef des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04.

Auch auf der Website des Vereins entschuldigte sich Tönnies am Freitag. „Als Vorsitzender des Aufsichtsrats des FC Schalke 04 stehe ich 1000-prozentig hinter unseren Vereinswerten. Dazu gehört der Einsatz gegen Rassismus, Diskriminierung und Ausgrenzung“, hieß es. Seine Aussage sei „falsch, unüberlegt und gedankenlos“ gewesen.

Verein nennt Entschuldigung „richtig und wichtig“

Schalke-Sportvorstand Jochen Schneider nahm Tönnies nach dessen umstrittenen Äußerungen in Schutz. „Ich kenne Clemens Tönnies seit zehn Jahren. Er ist ein Mensch, der zu hundert Prozent die Werte von Schalke 04 vertritt“, sagte Schneider am Rande des Trainingslagers des Fußball-Bundesligisten im österreichischen Mittersill. Schneider zufolge habe Tönnies eine „unbedachte Äußerung getätigt und sich heute Morgen prompt entschuldigt. Unsere Gesellschaft funktioniert so, dass sich ein Mensch entschuldigen kann und es danach weiter geht.“

Der Verein reagierte am Freitag mit einer vom Vorstand gezeichneten Erklärung, in der es hieß: „Wir haben Clemens Tönnies in den langen Jahren der Zusammenarbeit nie anders erlebt als jemanden, der mit vollem Einsatz für den FC Schalke 04 und unsere Werte einsteht. Seine Aussage steht natürlich in deutlichem Widerspruch zu unserem Leitbild, daher war seine Entschuldigung richtig und wichtig.“

Tönnies soll sich nach seinen umstrittenen Äußerungen über Afrikaner vor dem Ehrenrat des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 erklären. „Der Ehrenrat wird sich in diesem Fall zeitnah des Themas annehmen und in seiner nächsten, in der kommenden Woche anstehenden, Sitzung damit befassen“, teilte der Verein mit.

Demnach habe der Ehrenrat bereits mit Tönnies Kontakt aufgenommen. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates habe unverzüglich seine Bereitschaft erklärt, sich auch in der Sitzung zu dem Vorgang zu äußern.

„Weltbild erinnert an Kolonialzeit“


Die Reaktionen auf die Äußerungen des 63-Jährigen waren heftig. Auf Twitter nannte etwa der Cartoonist Ralph Ruthe Tönnies Äußerung „rassistische Kackscheiße“. Schauspieler Marcus Mittermeier sprach von „rassistischem Dreck“.

Der frühere Schalke-Spieler Hans Sarpei bescheinigte auf Facebook Tönnies ein „Weltbild, das an die Kolonialzeit erinnert“. Vom Verein forderte er Konsequenzen: „Als Mitglied und Ex-Spieler wünsche ich mir, dass der Ehrenrat hier ganz klar Position bezieht und über Konsequenzen berät.“ Als Deutscher afrikanischer Herkunft fühle er sich angewidert.

Die Klimaaktivisten von Fridays For Future wiesen auf einen Fehler in der Argumentation von Tönnies hin: „Die Industrienationen sind historisch gesehen fast alleine für diese Klimakrise verantwortlich.“ Die Aussagen von Tönnies seien „nicht nur rassistisch, sondern zeugen auch von absoluter Ignoranz den Fakten“.

Auch aus der Politik kam Kritik. Sahra Philipp, parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen, nannte die Tönnies-Äußerung „unfassbar“. Zudem zeigte sie sich empört darüber, dass er dafür Applaus bei dem Handwerkstag bekommen hat.

Der Linken-Politiker Jules el-Khatib wies darauf hin, dass Tönnies selbst im CO2-intensiven Fleischgeschäft tätig sei. „Statt rassistische Ressentiments aufzufahren, sollte er mal lieber den CO2-Ausstoß seiner Betriebe senken“, schrieb der stellvertretende NRW-Chef der Linken.

Tatsächlich stößt die Fleischbranche besonders viel Treibhausgas aus. Laut einer Studie des „Institute für Agriculture and Trade Policy“ kommen die fünf größten Fleisch- und Milchkonzerne der Welt auf mehr CO2-Emissionen als Ölmultis wie Shell und ExxonMobil. Laut UN ist die Viehwirtschaft für etwa 15 Prozent der klimarelevanten Emissionen verantwortlich. (mit dpa)

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