Veränderte Einkaufsgewohnheiten : Ist Online-Shopping im Homeoffice erlaubt?

Laut dem Bezahldienst Klarna nehmen die Online-Käufe tagsüber zu. Die Coronakrise sorgt für verschiedene Nachfrage-Veränderungen. Etwa bei Sex-Spielzeug.

Online-Shopping hat in der Coronakrise eine neue Bedeutung gewonnen.
Online-Shopping hat in der Coronakrise eine neue Bedeutung gewonnen.Foto: Getty Images/iStockphoto

Kein gemeinsames Essen mehr, keine Zigarette mit den Kollegen: In Zeiten der Coronakrise müssen Berufstätige im Homeoffice ihre Mittagspause oft allein verbringen. Viele Daheimgebliebene wissen offenbar, wie sie diese Lücke füllen können: mit Onlineshopping. Während die deutschen Onlinekäufer früher meistens in den Morgen- oder Abendstunden bestellt haben, kaufen sie zu Quarantänezeiten deutlich häufiger tagsüber ein.

Das zeigt zumindest eine Auswertung des schwedischen Bezahldienstes Klarna, die dem Tagesspiegel vorliegt. Für die Auswertung hat Klarna die Shoppingzeiten seiner 30 Millionen Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus den vergangenen beiden Märzwochen mit denen aus dem Vorjahreszeitraum verglichen. Demnach ist vor allem die Mittagszeit für den Onlinekauf deutlich beliebter geworden.

So gibt es in der Zeit von zwölf bis 14 Uhr einen Anstieg von mehr als elf Prozent, von 14 bis 18 Uhr von nochmals fast zwölf Prozent. Nach Feierabend noch kurz auf Schnäppchenjagd im Netz zu gehen, ist hingegen unbeliebter geworden. Die nächtlichen Bestellungen von Mitternacht bis vier Uhr morgens gingen um zehn Prozent zurück, von vier bis zehn Uhr nochmals um acht Prozent.

Shoppen ist auch im Homeoffice nicht erlaubt

Eines sollten Beschäftigte im Homeoffice allerdings beachten: Es gelten in der Regel dieselben Arbeitszeiten wie im Büro. „Während der Arbeitszeit sind private Tätigkeiten tabu“, sagt Simon Fischer, Professor für Wirtschaftsrecht an der SRH Fernhochschule. Wer sich daran nicht hält, könne sogar gekündigt werden.

„Allerdings hat man genauso wie im Büro auch Zuhause das Recht, die Arbeit im Rahmen von Pausen zu unterbrechen“, sagt Fischer. Also auch für einen kurzen Blick auf Shoppingportale. Derjenige, der flexible Arbeitszeiten hat, könne die Zeit auch einfach hinten dranhängen, erklärt der Experte. Hinzu kommt: Noch gebe es keine gesetzliche Pflicht, die Arbeitszeit ab der ersten Minute zu dokumentieren. Eine Arbeitszeitüberwachung dürfte ebenso nicht zulässig sein. „Ich werde jedoch nicht verhindern können, dass mein Vorgesetzter sich hin und wieder telefonisch bei mir meldet und auch meinen Arbeitsstand einer Plausibilitätsprüfung unterzieht“, sagt Fischer.

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Neben den veränderten Shoppingzeiten zeigt die Auswertung, dass die Deutschen seit Ausbruch der Coronakrise insgesamt häufiger im Netz bestellen. So kauften die Klarna-Nutzer in der Woche vom 16. bis zum 23. März online etwa 75 Prozent mehr Elektronikartikel als in der Vorwoche. Auch die Onlinebestellungen von Kinderartikeln, Lebensmitteln sowie Dingen für Haus und Garten sind um mehr als 40 Prozent angestiegen. Vor allem die Jüngeren zeigten sich kauffreudig. So schlugen die 18- bis 25-Jährigen fast doppelt so häufig bei Smartphones und Spielekonsolen zu wie noch in der Vorwoche.

Online-Shopping auf dem Land beliebter

Ähnlich stark ist bei der sogenannten Generation Z die Onlinenachfrage nach Lebensmitteln und Getränken per Lieferdienst gestiegen. Die Millennials – im Alter von 26 bis 35 Jahren – griffen deutlich häufiger bei Kinderspielzeug sowie Heim- und Gartenartikeln zu. Selbst die über 76-Jährigen trugen zum sprunghaften Anstieg bei den Bestellungen im Netz bei. Sie ließen sich fast 50 Prozent mehr Essen und Trinken liefern. Außerdem bestellten sie ein Viertel mehr Spielzeug für ihre Enkel als zuvor.

Auffällig dabei ist: „Insgesamt sehen wir, dass besonders im ländlichen Raum Online-Shopping immer beliebter wird.“, sagt Klarna-Deutschlandchef Robert Bueninck. So ist die Zahl der Internetbestellungen von Landbewohnern in der dritten Märzwoche nochmals mehr als doppelt so stark gewachsen wie die von Städtern.

Als ländlicher Raum gelten hier alle Städte und Gemeinden mit weniger als 100.000 Einwohnern. Aus Sicht von Buenick könnte die gestiegene Vorliebe zum Online-Shopping nach der Coronakrise bestehen bleiben. „Vielleicht werden wir am Ende der Krise ein nachhaltig verändertes Bild des Einkaufverhaltens in Deutschland sehen, das am Ende noch digitaler ist als bisher“, sagt er.

Offenbar nutzen die Deutschen die Isolation auch noch für einen schöneren Zeitvertreib: Sie bestellten im Internet zuletzt deutlich häufiger Erotikartikel als noch vor Beginn der Coronakrise. So schlugen die 18- bis 25-Jährigen hier 14 Prozent häufiger zu. Der Trend macht allerdings auch vor älteren Generationen keinen Halt. Sogar die über 76-Jährigen kauften in der dritten Märzwoche immerhin drei Prozent mehr Sexspielzeug als zuvor.

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