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Der Wirtschaft geht es gut, auch in diesem Jahr brauchen die Unternehmen zusätzliches Personal.

© Inga Kjer / dpa

Die Arbeitslosenquote ist so niedrig wie seit langem nicht mehr, auch die Befürchtungen, dass der Mindestlohn viele Arbeitsplätze vernichten würde, hat sich nicht bewahrheitet. Die Aussichten sind gut - doch es gibt große Unterschiede zwischen den EU-Ländern.

Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg: Im vergangenen Jahr verdankten sich rund zwei Drittel des Wachstums der Wirtschaft (1,5 Prozent) dem privaten Verbrauch. Wachstum schafft Arbeitsplätze, und Arbeitsplätze sind wiederum gut für den privaten Verbrauch und das Wachstum. In diesem Jahr setzt sich das fort. Der Arbeitsmarkt ist nicht allein wegen des milden Winters in einer so guten Verfassung wie seit zweieinhalb Jahrzehnten nicht mehr. Der weiterhin niedrige Ölpreis, die ordentlichen Tarifabschlüsse der vergangenen Wochen und die Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro – der rund 3,7 Millionen Beschäftigten seit Januar ein höheres Einkommen bringt – stärken den privaten Verbrauch, die Konjunktur und den Arbeitsmarkt.

Zurzeit sind hierzulande gut 2,9 Millionen Erwerbstätige bei den Arbeitsagenturen arbeitslos gemeldet. Das sind 85 000 weniger als im Februar und 123 000 weniger als vor einem Jahr. Für das gesamte Jahr war die Bundesagentur für Arbeit (BA) bislang gedämpft optimistisch gewesen, indem sie einen Rückgang der Arbeitslosenzahl um 25.000 erwartet hatte. Nach dem überaus guten ersten Quartal rechnet sie nun im Jahresdurchschnitt mit 2,8 Millionen Arbeitslosen, das wären dann 100 000 weniger als 2014.

Der neue Optimismus der BA hängt womöglich auch zusammen mit der bislang geschmeidigen Einführung des Mindestlohns. Arbeitgeberverbände und manche Ökonomen hatten den Verlust von hunderttausenden Arbeitsplätzen vorausgesagt. Davon ist nichts zu sehen. „Wir haben bislang noch keine harten Fakten“, sagte BA-Vorstand Heinrich Alt am Dienstag in Nürnberg. Auch in Berlin sind derlei Entwicklung bislang nicht aufgefallen: „Mit Blick auf die gemeldeten Stellen gibt es in den ersten drei Monaten keine Hinweise auf Einbrüche infolge des Mindestlohns“, sagte die Berliner Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD).

Allerdings fällt die Zahl der Minijobber (bis 450 Euro im Monat). „Es kann sein, dass ein Teil der weggefallenen Minijobs in sozialversicherungspflichtige Stellen umgewandelt wurden“, sagte Alt. Vor allem im Einzelhandel seien zuletzt viele solche Stellen geschaffen worden. Und ein großer Teil der Minijobber habe für weniger als 8,50 Euro/Stunde gearbeitet. Wenn diese Beschäftigten nun den Mindestlohn bekommen, überspringen sie womöglich die 450-Euro-Grenze und werden ganz normal sozialversicherungspflichtig.

Die Zeichen stehen weiter auf Personalaufbau

In Berlin spricht Jutta Cordt, Chefin der Regionaldirektion der BA, von einer „anhaltenden Wirtschaftsdynamik“. Mit gut 202 000 Personen gab es hier im März rund 8000 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr. 1,285 Millionen Berlinerinnen und Berliner waren Anfang des Jahres sozialversicherungspflichtig beschäftigt, das waren gut 41 000 mehr als vor einem Jahr. „Mit dieser Steigerung von 3,3 Prozent liegt die Region 1,3 Prozentpunkte über dem bundesdeutschen Durchschnitt“, freute sich die Berliner BA. Die Unternehmensverbände Berlin- Brandenburg betonten den überdurchschnittlichen Rückgang der Arbeitslosenzahlen in Brandenburg um fast zehn Prozent. „Das liegt nicht nur an der beginnenden Frühjahrsbelebung - auch strukturell hat sich hier einiges verbessert“, meinte UVB-Geschäftsführer Alexander Schirp.

In Berlin sei die „noch immer zu hohe Jugendarbeitslosigkeit der wunde Punkt des Arbeitsmarktes“. Immerhin: Mit 16 100 Arbeitslosen unter 24 Jahren lag diese Zahl um gut elf Prozent unter dem Vorjahr. Arbeitssenatorin Kolat zufolge „kommt die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt auch den Jugendlichen und den Langzeitarbeitslosen zugute“.

Engpässe gibt es weiterhin in der Berufsausbildung: Seit Oktober meldeten sich auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz 13770 Berliner Jugendliche bei den Arbeitsagenturen, das waren 1000 mehr als vor einem Jahr. Gleichzeitig meldeten die Firmen 9400 freie Ausbildungsplätze, fast genauso viel wie vor einem Jahr. Alles in allem liegt die die Arbeitslosigkeit in der Hauptstadt nun auf dem niedrigsten März-Stand seit 1992. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen war in den letzten zwölf Monaten um 4800 auf 68 200 gefallen. Und für die Industrie- und Handelskammer (IHK) „stehen die Zeichen weiter auf Personalaufbau“.

Das gilt auch für die deutsche Wirtschaft insgesamt. Trotz der ungelösten Finanzkrise Griechenlands und des Ukraine-Konflikts seien keine Abwärtstendenzen erkennbar, sagte BA-Chef Weise. Es gebe positive Entwicklungen in Südeuropa, von denen deutsche Unternehmen profitierten. „In Spanien und Portugal bewegt sich die Volkswirtschaft in eine gute Richtung“, sagte Weise.

Das Niveau ist aber noch immer erbärmlich, wie anhand der neuesten Zahlen der EU-Statistikbehörde Eurostat erkennbar wird. Danach lag die Arbeitslosenquote im Februar im Euro-Raum bei 11,3 Prozent, immerhin ist das der niedrigste Wert seit drei Jahren. In Griechenland lag die Quote zuletzt bei 25 und in Spanien bei gut 23 Prozent. Viel dramatischer noch ist die Situation der Jugendlichen. Sowohl in Spanien als auch in Griechenland ist etwas mehr als die Hälfte der jungen Leute zwischen 15 und 24 Jahren ohne Arbeit.

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