Vor der Hauptversammlung : Neue Probleme bei der Deutschen Bank

Kurz vor der Hauptversammlung muss die Deutsche Bank erneut eine IT-Panne einräumen. Auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner steht unter Druck.

Rolf Obertreis
Schon wieder eine Panne bei der Deutschen Bank - diesmal bei Überwachungssoftware für Konten.
Schon wieder eine Panne bei der Deutschen Bank - diesmal bei Überwachungssoftware für Konten.Foto: dpa

Die Probleme bei der Deutschen Bank reißen nicht ab. Erst waren da Anfang der Woche die Vorwürfe, dass das Geldinstitut 2016 und 2017 Verdachtsfälle im Blick auf Bewegungen auf Konten Richtung Russland und von US-Präsident Trump beim Institut nicht an die US-Behörden weitergegeben habe. Dann wurde bekannt, dass es offenbar seit Jahren IT-Probleme bei der Überwachung von Zahlungen von Großkunden gegeben hat. Die Bank räumt den Fehler ein. Man stehe im engen Austausch mit den Regulatoren, also offenbar der Finanzaufsicht Bafin und den US-Behörden.

Kurz vor der Hauptversammlung am heutigen Donnerstag in der Frankfurter Festhalle wächst zudem die Kritik an Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

Bereits seit sieben Jahren ist Paul Achleitner Aufsichtsratschef bei der Deutschen Bank.
Bereits seit sieben Jahren ist Paul Achleitner Aufsichtsratschef bei der Deutschen Bank.Foto: picture alliance / Boris Roessle

Angeblich drängen Großaktionäre auf die vorzeitige Ablösung des umstrittenen Österreichers. Anträge auf Nicht-Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrats liegen ohnehin vor. Achleitners Vertrag läuft noch bis zur Hauptversammlung 2022. Er führt den Aufsichtsrat der Bank seit sieben Jahren.

Vor allem in den USA könnten Schwierigkeiten drohen

Die Bank will den Fehler in der IT „schnellstmöglich“ beheben. „Die Deutsche Bank hat mehrere IT-Anwendungen, um den Zahlungsverkehr hinsichtlich verschiedener Risiken zu überwachen“, sagt Bank-Sprecher Christian Streckert. „Bei einer Anwendung sind zwei von 121 Parametern nicht korrekt definiert. Dabei ging es darum, Transaktionen im Nachhinein zu analysieren. Dieser Fehler ist Mitarbeitern der Abteilung gegen Finanzkriminalität aufgefallen, nachdem die Bank ihre Prozesse im Herbst vergangenen Jahres entschieden verbessert hat.

Die Fehler in der Überwachungssoftware könnten dazu geführt haben, dass auch Zahlungen mit Geldern aus fragwürdigen oder gar illegalen Quellen an wiederum fragwürdige oder gar von Sanktionen betroffene Empfänger durchgelaufen sind, vermuten Beobachter. Kreditinstitute sollen nach dem Prinzip „Know your Customer – Kenne deinen Kunden“ die Kunden ebenso zu prüfen wie die Herkunft des Geldes. Wenn dies nicht gewährleistet ist, kann das vor allem in den USA zu großen Problemen führen. Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin schaut sehr genau hin.

Die Bafin hat bereits einen Sonderbeauftragen geschickt

Die Behörden haben in der Vergangenheit die Systeme der Bank deutlich kritisiert. Die Bafin hat der Bank im Herbst vergangenen Jahres einen Sonderbeauftragten verordnet, der Fortschritte bei der Verbesserung der IT und Maßnahmen gegen Geldwäsche und mögliche Terrorismusfinanzierung überwachen soll. Der Bank wurde auferlegt, „angemessene interne Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen und allgemeine Sorgfaltspflichten einzuhalten“. Bis dahin hatten die Aufseher einer Bank in Deutschland noch nie einen Sonderaufseher zur Seite gestellt. Der frühere Deutsche Bank-Chef John Cryan hatte die IT der Bank 2015 als „lausig“ bezeichnet. Die für IT zuständige Vorstandsfrau Kim Hammonds musste nach ebenfalls kritischen Bemerkungen über das angeblich unfähigste Unternehmen, für das sie je gearbeitet habe, das Institut verlassen. Kritisch sind die neuen Probleme auch mit Blick auf die mögliche Verwicklung der Deutschen Bank in den Geldwäscheskandal der dänischen Dankse Bank. Als Korrespondenzbank soll sie umstrittene Zahlungen in Höhe von 200 Milliarden Euro verantwortet haben.

Seit Sewings Antritt ist der Aktienkurs um 45 Prozent gefallen

Der seit April 2018 amtierende Vorstandschef Christian Sewing hat neben weiteren Kosteneinsparungen weitere Investitionen in die Digitalisierung und die IT angekündigt und zum Teil auch schon umgesetzt.

Christian Sewing ist nicht der erste Vorstandschef, der den Auftrag bekommen hat, bei der Deutschen Bank aufzuräumen.
Christian Sewing ist nicht der erste Vorstandschef, der den Auftrag bekommen hat, bei der Deutschen Bank aufzuräumen.Foto: REUTERS

Auch das Personal im Kampf gegen Finanzkriminalität wurde aufgestockt. Trotzdem kommt die Bank nicht vom Fleck. Gewinn und Rendite sind nach wie vor mehr als überschaubar. Die Bank hat nicht einmal mehr einen Börsenwert von 14 Milliarden Euro. Seit Sewings Amtsantritt ist der Kurs über mehr als 45 Prozent abgerutscht, seit dem Amtsantritt von Achleitner um mehr als 70 Prozent. Beobachtern zufolge steht der Kurs, Kapitalerhöhungen ausgeklammert, so tief wie seit 45 Jahren nicht mehr.

Zu Wochenbeginn hatte die schweizerische UBS eine neue, höchst kritische Studie zur Deutschen Bank veröffentlicht und den Verkauf der Aktie empfohlen. Kursziel nur noch 5,70 Euro. Der Grund: die mauen Gewinnaussichten. Während Sewing in diesem Jahr eine Eigenkapitalrendite von vier Prozent anpeilt, traut der Analyst der UBS dem Konkurrenten allenfalls 2,7 Prozent zu, weil unter anderem die Erträge im Investmentbanking weiter zurückgehen würden. Er hat die Gewinnerwartungen für das Institut gleich für die nächsten drei Jahre nach unten gesetzt. Die Deutsche Bank habe nur noch wenige strategische Optionen. Der UBS-Analyst schließt nicht aus, dass die Bank eine weitere Kapitalerhöhung braucht. Dabei hat das Institut seit 2010 in mehreren Schritten fast 30 Milliarden Euro an frischem Geld eingesammelt.

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