Vorsprung beim Klimaschutz : So viel CO2 stößt ein Bahnfahrer aus

Wie groß ist der Öko-Bonus der Bahn gegenüber Auto und Flugzeug? Das zeigen neue Zahlen des Umweltbundesamtes.

Gegenüber anderen Verkehrsmitteln konnte die Bahn ihren Umwelt-Vorsprung ausbauen.
Gegenüber anderen Verkehrsmitteln konnte die Bahn ihren Umwelt-Vorsprung ausbauen.Foto: picture alliance/dpa

Mehr Schienenverkehr schützt Umwelt und Klima – eine Binsenweisheit, die kaum noch jemand bestreitet, der ernst genommen werden will. Wie groß der Öko-Bonus der Bahn tatsächlich ist, zeigen neue Zahlen des Umweltbundesamts (UBA), die kürzlich veröffentlicht wurden. Demnach hat der Schienenverkehr seinen Vorsprung gegenüber Auto, Flieger und Lkw sogar noch weiter ausgebaut. Der Grund: der wachsende Anteil von Ökostrom und energiesparenden Bahnen.

Besonders im Güterverkehr ist der Zug in Sachen Nachhaltigkeit unschlagbar. Pro Tonne und Kilometer erzeugt der Transport auf der Schiene nur noch 18 Gramm Treibhausgase. Das seien weniger als je zuvor, betont die Allianz pro Schiene. Allein in den vergangenen vier Jahren sei die Klimabelastung um ein Viertel verringert worden. Gerade dem Ausbau und der Digitalisierung im Schienengüterverkehr müsse die Bundesregierung daher höchste Priorität einräumen, fordert der Geschäftsführer des Lobbyverbands, Dirk Flege.

Tatsächlich zeigen die neuen UBA-Zahlen, die für das Jahr 2018 gelten, noch eindrucksvoller als bisher den Klimavorsprung der Bahn gegenüber dem Straßenverkehr. So erzeugt ein Lkw mit 112 Gramm Treibhausgasen eine sechs Mal höhere Klimabelastung. Bei anderen Schadstoffen sieht es noch schlimmer aus. Bei den Stickoxiden ist der Lkw-Emission sieben Mal größer, beim Kohlenmonoxid fast acht Mal. Auch beim Feinstaub schneidet die Schiene viel besser ab als Lkw und Binnenschiffe.

Die Vergleichswerte basieren auf komplizierten Berechnungen. Das UBA erfasst für die verschiedenen Verkehrsmittel umweltrelevante Daten und hat zur Ermittlung und Aufbereitung das Computerprogramm TREMOD entwickeln lassen. Mit diesem Modell sind Trend- und Szenario-Berechnungen im Zeitraum 1960 bis 2030 möglich. Das Verfahren ist anerkannt, die Daten werden von der Bundesregierung ebenso genutzt wie von den Autoherstellern und der Deutschen Bahn.

Im Personenverkehr fällt der Vorsprung der Bahn kaum geringer aus. Wer möglichst klimaschonend unterwegs sein will, ist auf der Schiene richtig. Auf langen Strecken erzeugt der Zug pro Person und Kilometer nur 32 Gramm Treibhausgase. Im Auto sind es mit 147 Gramm fast fünf Mal mehr, beim Inlandsflug sogar 230 Gramm und damit mehr als das Siebenfache.

Nichts ist umweltschädlicher als das Flugzeug

Fliegen ist die mit weitem Abstand umweltschädlichste Art des Reisens, das zeigt auch der neue Vergleich. So belastet ein Flug die Atemluft 24 Mal mehr mit Kohlenmonoxid als bei einer Zugfahrt, bei den Stickoxiden ist es das 25-fache. Auch der Feinstaub-Ausstoß ist pro Person und Kilometer weit größer als beim Auto oder der laut UBA-Zahlen in dieser Hinsicht emissionsfreien Zugfahrt.

Nur der Fernbus kann im Öko-Vergleich mithalten und liegt bei den Treibhausgasen sogar mit 29 Gramm vorn. Hier profitiere der Fernbus aber von den Berechnungsmethoden, heißt es bei der Allianz pro Schiene. Denn das UBA nehme als Basis den allgemeinen Strom-Mix in Deutschland. Dort sei der Anteil der erneuerbaren Energien aber noch deutlich geringer als bei den Bahnunternehmen. So bezieht die Deutsche Bahn erhebliche Teile ihres Stroms bereits aus Wind- und Wasserkraft und ist im Fernverkehr mit ihren ICE nach eigenen Angaben schon klimaneutral unterwegs. In der Realität sei der Schienenverkehr daher noch umweltfreundlicher, so Flege.

UBA zieht unterschiedliche Auslastungen heran

In den Pro-Kopf-Berechnungen unterstellt das UBA unterschiedliche Auslastungen der Verkehrsmittel. Beim Pkw werden 1,5 Personen angesetzt, beim Flieger 71 Prozent, bei der Bahn auf längeren Strecken 56 Prozent und beim Fernbus 55 Prozent. Bei der Ermittlung der Schadstoffbelastungen sind auch die Emissionen eingerechnet, die bei der Erzeugung und Bereitstellung von Strom, Benzin und Kerosin entstehen.

Der Nahverkehr wird gesondert untersucht. Auch hier kann die Eisenbahn mit 58 Gramm Treibhausgasen punkten, besonders im Vergleich zum Linienbus (80 Gramm). Entscheidend ist hier die bessere Auslastung der Regionalzüge, die mit 28 Prozent zwar viel niedriger ist als im Fernverkehr, aber immer noch besser als in den Linienbussen (19 Prozent). Deren Klimabilanz fällt deutlich schlechter aus, weil sie vor allem außerhalb des Berufs- und Schülerverkehrs oft fast leer durch die Gegend fahren.

ÖPNV profitiert vom wachsenden Ökostrom-Anteil

Allerdings gilt das außerhalb der Spitzenzeiten ebenso für viele Straßen-, Stadt- und U-Bahnen, deren Auslastung im UBA-Vergleich auch nur mit durchschnittlich 19 Prozent angesetzt wird. Da die ÖPNV-Bahnen aber zum allergrößten Teil längst elektrifiziert sind und so vom wachsenden Ökostrom-Anteil profitieren, fällt ihre Klimabelastung mit 58 Gramm pro Fahrgast und Kilometer nicht höher aus als bei den Regionalzügen und viel niedriger als bei einer Autofahrt.

Für Flege jedenfalls zeigt der UBA-Vergleich deutlich, was jeder Einzelne für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz tun kann: „Wer sich für den öffentlichen Verkehr statt für den Pkw entscheidet, vermeidet in erheblichem Umfang Treibhausgas-Emissionen.“ Einfach gesagt: Umweltschutz heißt,  das Auto stehen zu lassen, wo und so oft es nur geht.

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