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Wind, Wasser und Solar : Produktion von Ökostrom steigt auf Rekordhoch

Der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch ist kräftig gestiegen. Das liegt unter anderem am starken Wind.

Christian Schaudwet
Bei Nachbarn unbeliebt und bald weniger rentabel: die Windkraft.
Bei Nachbarn unbeliebt und bald weniger rentabel: die Windkraft.Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Der Ökostrom-Anteil in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2019 auf ein Rekordhoch geklettert. Vor allem das windige Wetter führte dazu, dass die erneuerbaren Energien 44 Prozent des Stromverbrauchs deckten, wie der Energieverband BDEW am Mittwoch auf Basis vorläufiger Berechnungen mitteilte. Im Vorjahreszeitraum waren es erst 39 Prozent. Am meisten Ökostrom produzierten demnach  Windräder an Land, sie lieferten 18 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2018.  Windkraft auf dem Meer legte sogar um 30 Prozent  zu.

 BDEW-Chef Stefan Kapferer mahnte, trotz der eindrücklichen Zahlen sei die Lage schwierig. „Der Ökostrom-Rekord ist eine erfreuliche Momentaufnahme, darf aber nicht über die tieferliegenden strukturellen Probleme hinwegtäuschen“, sagte er. Die Bundesregierung will den Anteil Erneuerbarer Energien bis 2030 auf 65 Prozent steigern. Kapferer meint jedoch:  Wenn der Ausbau weiter laufe wie bisher, käme man allenfalls auf 54 Prozent.

  Der Ökostrom-Anteil könnte wieder zurückgehen

Dabei kann es sogar sein, dass der Erneuerbaren-Anteil am Strommix in den kommenden Jahren stagniert oder sogar sinkt. Ab dem Jahr 2021 nämlich laufen die EEG-Förderspannen für alte Windkraftanlagen aus, die vor 20 Jahren aufgestellt wurden – bereits zum ersten Januar betrifft das Anlagen mit einer Kapazität von 4000 Megawatt. In vielen Fällen dürfte der Weiterbetrieb dann unwirtschaftlich werden, es droht Abschaltung. Stattdessen neue, leistungsstärkere Windräder aufzustellen, kommt vielerorts nicht infrage, da inzwischen Vorschriften verschärft wurden, die regeln, wie nah eine Anlage an einem Wohngebiet stehen darf.

 Ohnehin rutscht die Onshore-Windkraft-Branche gerade in eine tiefe Krise. Denn wegen strenger Umweltverträglichkeitstauflagen, wachsender lokaler Widerstände und entsprechend vieler Gerichtsprozesse ist der Ausbau dieser Art von Energieerzeugung im Frühjahr praktisch zum Erliegen gekommen. Das Belegen Zahlen der Fachagentur Wind an Land. Es werden auch immer weniger neue Windparks geplant: Aufgrund der schwierigen Bedingungen hielt sich das Interesse der Windenergie-Unternehmen an der jüngsten staatlichen Windenergie-Auktion im Mai in engen Grenzen. Ausgeschrieben waren 650 Megawatt - Zuschläge gab es lediglich für 270 Megawatt.

 Die Hoffnungen der Erneuerbaren-Befürworter in Deutschland richten sich jetzt auf die Windenergie auf See und auf Freiflächen-Solaranlagen, gegen die es bisher weniger Widerstand gibt als gegen die Windmühlen auf Wiesen und in Wäldern. Jüngste Äußerungen aus dem Bundeswirtschaftsministerium lassen darauf schließen, dass die Bundesregierung ihre Ausbauziele für Offshore-Windenergie und Photovoltaik bald erhöht. Christian Schaudwet (mit dpa)

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