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Franziska Giffey sitzt nachdenklich an ihrem Platz im Plenum des Deutschen Bundestages.
© imago images/Political-Moments

Plagiatsexperte schreibt an OSI-Ausschuss: Appell, Giffeys Arbeit diesmal genauer zu untersuchen

Bei der ersten Prüfung hat die Freie Universität Giffeys Dissertation nur auf direkte Plagiate untersucht. Jetzt müsse sie weiter gehen, fordert VroniPlag Wiki.

Der Plagiatsexperte „Robert Schmidt“ hat den Promotionsausschuss am Otto-Suhr-Institut (OSI) der Freien Universität zu einer umfassenden Überprüfung der Doktorarbeit von Bundesfamilienminister Franziska Giffey aufgerufen.

In einer Mail, die der anonyme Aktivist der Plagiats-Plattform VroniPlag Wiki am Sonntagabend an Mitglieder des Promotionsausschusses sowie auch an verschiedene Medien verschickte, fordert er, bei der erneuten Begutachtung nicht nur die offensichtlichen Plagiate, sondern auch die „willkürlichen Referenzierungen“ in den Blick zu nehmen.

Der unter dem Pseudonym Robert Schmidt agierende Plagiatsexperte hatte den Fall Giffey bei VroniPlag Wiki eingebracht und maßgeblich zur Untersuchung für die Plattform beigetragen. Die Ergebnisse der Plagiatsprüfung führten zur offiziellen Überprüfung der Arbeit an der FU.

Täuschung auch bei falschen Quellenangaben

Allerdings setzte sich die Kommission am OSI lediglich mit von VroniPlag Wiki beanstandeten Plagiaten auseinander, wobei die FU-Prüfer eine „objektive Täuschung“ an 27 Stellen sahen. Das aber reichte aus Sicht der Kommission und des Präsidiums nicht für einen Titelentzug. Die im Herbst 2019 alternativ erteilte „Rüge“ zog die FU nach massiver Kritik im November dieses Jahres zurück – und lässt die Arbeit derzeit erneut prüfen.

„Robert Schmidt“ gibt nun zu bedenken, dass auch dann eine Täuschung vorliege, wenn in einer Dissertation „in einer Vielzahl von Fällen willkürliche und unzutreffende Quellenangaben“ gemacht werden. Es gebe in Giffeys Arbeit „mehr als 70 Textstellen, bei denen ein begründeter Verdacht auf willkürliche Referenzierung besteht“.

"Massenhafte Blindzitate"

Gerhard Dannemann, Juraprofessor am Großbritannien-Zentrum der Humboldt-Universität und ebenfalls aktiv bei Vroniplag Wiki, kommentierte auf Anfrage des Tagesspiegels die Mail seines Mitstreiters: „Das ist ein mir bekanntes Anliegen von ,Robert Schmidt’, das ich auch teile.“

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Die Freie Universität habe sich bisher nicht „für die massenhaften Blindzitate und offenbar auch immer wieder eingestreuten willkürlichen Belege interessiert“. Auch medial hätten sie „bisher sehr wenig Aufmerksamkeit erfahren“, kritisiert Dannemann.

Der Tagesspiegel gehörte allerdings zu den Medien, die von Anfang an umfassend über die Vorwürfe gegen Giffey berichtet haben; einen Bericht über den abschließenden Befund von VroniPlag Wiki finden Sie hier.

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