Corona-Studie aus Südkorea : Teenager mit erhöhtem Ansteckungsrisiko bei Covid-19

Eine koreanische Covid-19-Studie stellt die Sicherheit des Schulbetriebs infrage: Infizierte Teenager könnten ansteckender sein als Erwachsene.

In Mecklenburg-Vorpommern öffneten Schulen nach sechswöchiger Schließung bereits im April. Infektionsschutz im Unterricht ist eine neue Herausforderung.
In Mecklenburg-Vorpommern öffneten Schulen nach sechswöchiger Schließung bereits im April. Infektionsschutz im Unterricht ist eine...Foto: dpa

Infizierte Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 19 Jahre könnten ihre Haushaltsmitglieder häufiger mit Covid-19 anstecken als Erwachsene. Das Ansteckungsrisiko im Kontakt mit jüngeren Kindern ist dagegen deutlich geringer, zeigt eine groß angelegte Studie zur Verbreitung des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 in Südkorea.

Ein Forschungsteam um Young Joon Park von der südkoreanischen Gesundheitsbehörde und Young June Choe von der südkoreanischen Hallym University in Chuncheon hat mehr als 59.000 Kontakte von 5706 Covid-19-Patienten analysiert, bei denen als erste innerhalb ihrer Kontaktgruppe eine Infektion im Labor bestätigt worden war.

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Wie das Team in der Fachzeitschrift „Emerging Infectious Diseases“ berichtet, wurden innerhalb von zehn Tagen rund 12 Prozent der mit diesen Indexpatienten im gleichen Haushalt lebenden Personen infiziert.

Unter den Haushaltsmitgliedern von Indexpatienten im Alter von zehn bis 19 Jahren wurden fast 19 Prozent angesteckt. Das ist die höchste in allen Altersgruppen beobachtete Übertragungsrate. Kinder im Alter von null bis neun Jahre steckten dagegen nur etwa fünf Prozent ihrer Haushaltsmitglieder an, was in etwa der Hälfte der Übertragungsrate von Erwachsenen entspricht.

Wissenschaftliche Begleitung angemahnt

In der Studie wurde nicht erfasst, ob die Kinder und Jugendlichen Kontakt untereinander hatten. Neuansteckungen sämtlicher Kontaktpersonen könnten auch außerhalb des Haushalts aufgetreten sein, sagen die Forscher.

Dennoch zeigten die hohen Raten innerhalb von Haushalten, dass die Wiederaufnahme des Schulbetriebs und das Lockern von Infektionsschutzmaßnahmen wissenschaftlich begleitet werden sollten. Die Forschenden empfehlen auch zu untersuchen, ob das Tragen von Mund-Nase-Bedeckungen zuhause Risikogruppen vor Infektionen schützen kann.

Die Ausbreitung des Virus wurde in der Zeit von Januar bis März untersucht, als in Südkorea soziale Kontakte außerhalb der Haushalte eingeschränkt und Schulen geschlossen waren. Von den rund 49.000 Kontaktpersonen außerhalb der Haushalte wurden innerhalb der Untersuchungszeit nur zwei Prozent angesteckt.

Wenige Familienansteckungen in Baden-Württemberg

In bisher veröffentlichten Studien zur Rolle von Kindern und Jugendlichen im Infektionsgeschehen in Deutschland war das von ihnen ausgehende Ansteckungsrisiko gering eingeschätzt worden, obwohl bei ihnen ähnliche Viruslasten auftreten wie bei Erwachsenen. Die Uniklinik Dresden berichtete zuletzt, dass an sächsischen Schulen nach ihrer Wiedereröffnung keine Häufungen von Neuinfektionen auftraten.

Die Universitätskliniken Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm hatten Kinder im Alter bis zehn Jahre und jeweils einen Elternteil auf Ansteckungen untersucht. Kinder waren insgesamt seltener infiziert als Erwachsene und Erkrankungen führten „nicht zwingend“ zu einer Ansteckung innerhalb der Familie, teilte die Uniklinik Heidelberg mit.

Eine Studie des Uniklinikums Eppendorf in Hamburg hatte gezeigt, dass 10- bis 18-jährige Kinder und Jugendliche häufiger infiziert waren als jüngere. Bei allen Studien war der Anteil positiv getesteter Teilnehmer jedoch gering. Die Rolle von Kindern und Jugendlichen als Überträger von Sars-CoV-2 könnte stärker zum Tragen kommen, falls die Fallzahlen in Deutschland insgesamt ansteigen.

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