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2025 war das drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen – nur minimal kühler als 2023 und 2024, dem bisherigen Rekordjahr. Damit setzt sich ein alarmierender Trend fort: Die vergangenen elf Jahre waren die elf wärmsten seit Messbeginn.

© NASA

„Die Atmosphäre sendet uns eine Botschaft“: Die 1,5‑Grad‑Marke könnte zehn Jahre früher fallen als gedacht

Neue Daten zeigen: 2025 war das drittwärmste Jahr seit Messbeginn. Die 1,5-Grad-Grenze des Pariser Abkommens rückt immer näher. Was steckt hinter den Rekordwerten – und was heißt das fürs Klima?

Stand:

In weiten Teilen Europas fühlt sich das Wetter derzeit ungewöhnlich kalt an – auch hierzulande. Selbst die Berge rund um Barcelona waren zuletzt eingeschneit, ein seltenes Bild. Da liegt für manche der Eindruck nahe, die Erderwärmung könnte ins Stocken geraten.

Doch das ist ein Trugschluss. Kühle Wetterphasen sind Momentaufnahmen; erst im größeren Bild zeigt sich der tatsächliche Trend, sagt Carlo Buontempo, Direktor des EU‑Klimadienstes Copernicus. „Man muss aus den Details herauszoomen.“

Und dann wird klar: 2025 war das drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Nach den nun veröffentlichten neuesten Daten des EU-Klimadienstes Copernicus lag das Jahr nur 0,01 Grad unter 2023 und 0,13 Grad unter 2024 – dem bislang wärmsten Jahr überhaupt. Damit bestätigt sich ein beunruhigender Trend: Die vergangenen elf Jahre waren zugleich die elf wärmsten seit Messbeginn.

06.01.2026, Spanien, Pamplona: Menschen gehen durch die verschneiten Straßen von Pamplona. Foto: Eduardo Sanz/EUROPA PRESS/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Selbst in Spanien, hier in Pamplona, hat es Anfang Januar geschneit, ein seltenes Bild.

© dpa/Eduardo Sanz

Die Temperaturen über den Landflächen der Erde machten 2025 zum zweitwärmsten Jahr überhaupt, während die Antarktis sogar ihren bislang höchsten Jahreswert erreichte. Zugleich war 2025 ein Jahr voller Extremereignisse – von Rekordhitze und schweren Stürmen in Europa, Asien und Nordamerika bis zu Waldbränden in Spanien, Kanada und Südkalifornien.

Hinzu kam ein weiterer alarmierender Rekord: Im Februar 2025 schrumpfte die Meereisbedeckung an beiden Polen auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Satellitenmessungen in den späten 1970er‑Jahren.

El Niño könnte zurückkehren

Doch was bedeutet es nun, dass 2025 geringfügig unter den beiden Vorjahren lag? Geht die Erwärmung nach zwei Rekordjahren nun zurück?

Keineswegs. Der leichte Knick ist vor allem eine Folge natürlicher Schwankungen. Der starke El Niño, der 2023/24 die Temperaturen zusätzlich nach oben getrieben hatte, ist inzwischen abgeklungen – doch wie Buontempo zur Präsentation der neuen Copernicus-Daten sagte, könnte das Wetterphänomen El Niño schon Ende dieses Jahres oder in den darauffolgenden Monaten zurückkehren.

Überdurchschnittlicher Hitzestress 2025 auf mehr
als der Hälfte der Erde

© ERA5/CSS/ECMWF I Stand: Januar 2026 I Tagesspiegel/Rita Böttcher

El Niño ist ein regelmäßig wiederkehrendes Klimaphänomen im tropischen Pazifik, das weltweit Wetterextreme auslösen kann. Es hat einen zusätzlich erwärmenden Effekt auf die globalen Temperaturen und verstärkt damit die langfristige, menschengemachte Erderwärmung.

Doch entscheidend bleibt der Einfluss der Treibhausgase: Und solange die weltweiten Emissionen nicht spürbar sinken, bleibt der Trend eindeutig: Mit dem nächsten El Niño stehen uns erneut Rekordjahre ins Haus.

Wie sich nun 2026 entwickeln wird, sei derzeit noch offen, sagte Samantha Burgess, stellvertretende Direktorin des Copernicus‑Klimadienstes. „Dazu muss man die Frühjahrsmonate abwarten – das hängt auch von der natürlichen Variabilität ab.“

Ein ungewollter Meilenstein

Die globalen Temperaturen der letzten drei Jahre (2023–2025) lagen nach Copernicus-Daten im Durchschnitt um mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau (1850–1900). Das aktuelle Niveau der langfristigen Erwärmung wird inzwischen auf rund 1,4 Grad geschätzt.

August 10, 2023, Isle Of Palms, SC, United States: A family stands in the ocean as they watch the sunrise over the Atlantic Ocean on another record hot and muggy day in the Charleston area, August 10, 2023 in Isle of Palms, South Carolina. A persistent heat wave across the southern United States continues to bring extremely hot, humid weather to the region. Isle Of Palms United States - ZUMAe02_ 20230810_zaf_e02_001 Copyright: xRichardxEllisx
El Niño sorgte 2023/24 weltweit für Wetterextreme. In Kombination mit steigenden Emissionen treibt das Wetterphänomen die Temperaturen regelmäßig nach oben.

© IMAGO/ZUMA Wire/IMAGO/RICHARD ELLIS

„Der Dreijahresdurchschnitt, der um mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegt, ist ein Meilenstein, den keiner von uns erreichen wollte“, sagte Mauro Facchini, Leiter der Abteilung Erdbeobachtung der Europäischen Kommission.

Und die Dynamik ist hoch: Bleibt die derzeitige Erwärmungsrate bestehen, könnte die 1,5‑Grad‑Marke bereits in diesem Jahrzehnt erreicht werden. Das wäre mehr als zehn Jahre früher, als zur Zeit der Unterzeichnung des Pariser Abkommens erwartet wurde.

Carlo Buontempo warnt, dass sich die Erde rasant der im Pariser Abkommen festgelegten Temperaturgrenze nähert. „Wir werden sie zwangsläufig überschreiten“, sagt der Copernicus‑Direktor. „Die Frage, die sich uns nun stellt, ist, wie wir mit der unvermeidlichen Überschreitung und ihren Folgen für Gesellschaften und natürliche Systeme am besten umgehen können.“

Das dauerhafte Überschreiten der 1,5-Grad-Marke hätte massive Folgen: Weltweit verdoppeln sich Hitzewellen, mit bis zu 20.000 zusätzlichen Hitzetoten pro Sommer allein in Europa. Extremwetter wie Dürren und Starkregen nehmen zu und treiben Millionen Menschen in die Flucht. Der Meeresspiegel steigt um weitere 10 Zentimeter, was zehn Millionen Menschen zusätzlich bedroht. Zudem könnten langfristige Kipppunkte wie tauender Permafrost und schmelzendes Arktiseis erreicht werden.

Auch die Sonne spielt eine Rolle

Die außergewöhnlich warme Phase von 2023 bis 2025 hat zwei Hauptursachen: Zum einen steigen die Konzentrationen von Treibhausgasen weiter, während natürliche Senken – Ozeane, Böden, Vegetation – weniger Kohlendioxid aufnehmen. Zum anderen erreichten die Meeresoberflächentemperaturen seit 2023 Rekordwerte, begünstigt durch ein ausgeprägtes El‑Niño‑Ereignis und andere Formen ozeanischer Variabilität.

Hinzu kamen weitere Verstärker: eine stärkere Sonneneinstrahlung an der Erdoberfläche infolge sinkender Luftverschmutzung (also weniger kühlende Aerosole), Veränderungen der niedrigen Wolkenbedeckung sowie natürliche Schwankungen der atmosphärischen Zirkulation.

Auch der aktuelle Sonnenzyklus spielte eine Rolle – die Sonnenaktivität hat von 2023 bis 2025 deutlich zugenommen und 2025 ihren Höhepunkt erreicht, trägt aber insgesamt nur einen „winzigen Teil“ zur außergewöhnlichen Wärme bei, wie Burgess sagte.

Wildfire Rages in Topanga People watch while smoke from the Palisades Fire rises over the hills in Pacific Palisades, California, on January 7, 2025. The fast-moving brushfire scorched more than 200 acres, prompting evacuations as strong winds fueled its spread. Toponga California United States Copyright: xSamxGhazix
2025 war ein Jahr extremer Wetterereignisse – von Waldbränden in Südkalifornien (Foto) über Rekordhitze und schwere Stürme in Europa, Asien und Nordamerika bis hin zu Bränden in Spanien und Kanada.

© IMAGO/Middle East Images/IMAGO/Sam Ghazi

Wie schon 2023 und 2024 war auch 2025 ein großer Teil der Erde deutlich wärmer als im Durchschnitt. Zwar lagen die Luft‑ und Meeresoberflächentemperaturen in den Tropen etwas unter den beiden Rekordjahren. Doch viele Regionen außerhalb der Tropen verzeichneten weiterhin außergewöhnlich hohe Werte – mit neuen Jahresrekorden im nordwestlichen und südwestlichen Pazifik, im nordöstlichen Atlantik, in Teilen Europas und in Zentralasien.

In den Polarregionen zeigte sich der Trend besonders deutlich: Die Antarktis erreichte 2025 ihren bislang höchsten Jahresmittelwert, die Arktis den zweithöchsten. Diese starke Erwärmung glich die leicht kühleren tropischen Bedingungen weitgehend aus, erklärt Burgess.

Die physikalische Ursache hinter dem anhaltenden Trend zu außergewöhnlich warmen Jahren sehen die Copernicus‑Expertinnen und ‑Experten in den weiter steigenden Konzentrationen der erwärmenden Treibhausgase.

„Menschliche Aktivitäten sind nach wie vor der dominierende Treiber dieser außergewöhnlichen Temperaturen“, sagt Laurence Rouil vom Copernicus‑Dienst. „Die Atmosphäre sendet uns eine Botschaft – und wir müssen darauf hören.“

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