• Doktorarbeit des CDU-Abgeordneten: Was an den Plagiatsvorwürfen gegen Frank Steffel dran ist

Doktorarbeit des CDU-Abgeordneten : Was an den Plagiatsvorwürfen gegen Frank Steffel dran ist

"Es war mir schnell klar, dass es sich bei Steffels Arbeit um ein umfangreiches Plagiat handelt": Wie der Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder die Doktorarbeit der CDU-Abgeordneten untersuchte.

Der CDU-Politiker Frank Steffel.
Der CDU-Politiker Frank Steffel.Foto: imago/photothek

Die Doktorarbeit von Frank Steffel? Der Bibliothekar an der Freien Universität (FU) war vorgewarnt: „Hat keinen sonderlichen Tiefgang, da sind manche Diplomarbeiten wissenschaftlich anspruchsvoller“, sagte er 2001 auch einem Reporter des Tagesspiegels, als dieser im Vorfeld der Abgeordnetenhauswahl nach der Dissertation des damaligen CDU-Spitzenkandidaten fragte. Das strenge Urteil des Bibliothekars bestätigte sich bei der Lektüre – von Plagiatsvorwürfen war damals aber nicht die Rede.

Die erhebt jetzt der Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder: Steffel soll mehrere Passagen seiner Arbeit, mit der er 1999 bei den Wirtschaftswissenschaftlern der FU promoviert wurde, abgeschrieben haben, ohne seine Quellen ausreichend zu kennzeichnen. „Für mich ist die Sache klar, sonst hätte ich sie gar nicht der FU angezeigt“, sagt Heidingsfelder.

Heidingsfelder hat die Vorwürfe vor Monaten schon geprüft

Über die Vorwürfe berichtete als erstes die „Berliner Zeitung“. Heidingsfelder hat die Arbeit schon vor Monaten geprüft. Er meint ein Muster in Steffels Vorgehen zu erkennen. Steffel gebe zwar meist seine Quelle an, verschleiere aber, wie umfangreich die Textübernahme war. Manchmal fehlt ein Hinweis auf die Quelle auch ganz.

Heidingsfelder wurde 2011 als Plagiatsjäger bekannt. Damals gründete er die Plattform „VroniPlag Wiki“, benannt nach der Stoiber-Tochter Veronica Saß, der er Plagiate in ihrer Doktorarbeit nachwies. Es folgte die Aufdeckung von Plagiaten bei der Dissertation der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin.

Bald kam es jedoch zu einem Zerwürfnis zwischen Heidingsfelder und seinen Mitstreitern. Heidingsfelder betreibt heute unter den Namen „VroniPlag“ und „PolitPlag“ kommerzielle Plagiatsprüfungen. „Wir bieten die Überprüfung der Dissertationen aller promovierten Parlamentskandidaten und Abgeordneten des Europaparlaments, des Bundestages und der Landtage zu besonders günstigen Konditionen an“, heißt es unter „PolitPlag“. Unter „VroniPlagWiki“ sind dagegen vor allem Wissenschaftler unterwegs, die sich auf Plagiate von Forschern konzentrieren.

Er nimmt sich zehn Stunden Zeit für eine Arbeit

Weil Heidingsfelder oft im Auftrag von Kunden prüft, verzichtet er anders als die Wiki-Wissenschaftler auf eine öffentlich einsehbare Online-Dokumentation. Meistens nimmt sich Heidingsfelder zehn Stunden Zeit für eine Arbeit: „Danach kann man in der Regel sagen, ob es sich um einen so schweren Fall handelt, dass man ihn bei der betreffenden Universität anzeigen kann.“ Auch bei Steffel sei für ihn schnell klargewesen, dass es sich um ein umfangreiches Plagiat handele.

Als Beleg schickt er dem Tagesspiegel neun Fundstellen, die fünf Seiten von Steffels Arbeit betreffen, die in der Buchfassung 327 Seiten umfasst (hier finden Sie die entsprechenden Stellen). Auffällig ist ein Kapitel, in dem sich Steffel mit dem US-Psychologen David McClelland und dessen Persönlichkeitsstudien des Geschäftsmannes beschäftigt. Steffel übernimmt mehrere Passagen McClellands praktisch wortwörtlich – ohne jedoch Anführungszeichen zu setzen, und mit einer einzigen Fußnote, die nicht klarmacht, wie weitreichend McClelland zitiert wird.

Wer ist der Auftraggeber zur Prüfung von Steffels Arbeit?

Auch für die Untersuchung von Steffels Dissertation hatte ein Interessent Geld zur Verfügung gestellt. Wer der Auftraggeber ist, sagt Heidingsfelder nicht. Die FU prüft die Arbeit inzwischen. Steffel hat bereits erklärt, er habe "volles Vertrauen in die Gremien der FU". Sein Doktorvater hat sich vor ihn gestellt: Die Zitierweise sei so im Fachbereich üblich gewesen. Heidingsfelder hält das für einen „Witz“: „Er kann nicht ernsthaft behaupten, dass die Wirtschaftswissenschaftler in Berlin eigene Zitierregeln haben, die wissenschaftlichen Standards widersprechen.“

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