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HI-Viren (gelb) befallen vor allem T-Zellen (blau), können ihre Baupläne aber auch ins Genom vieler anderer Zellen schreiben und dort „schlummern“.
© Imago/Stock Trek Images

Mit Hilfe von Stammzellen aus Nabelschnurblut: Dritter Mensch von HIV-Infektion geheilt

Nach einer Transplantation von Stammzellen aus Nabelschnurblut ist eine Frau jetzt wohl frei von dem Aids-Erreger. Der Therapie-Ansatz ist vielversprechend.

Medikamente können die Folgen einer HIV-Infektion minimieren, aber erst bei zwei Menschen gelang es bislang, die Viren gänzlich aus dem Körper zu vertreiben, zuerst in Berlin. Nun ist es in New York bei einer dritten Person, einer Frau mittleren Alters, gelungen. Die dabei von der behandelnden Ärztin JingMei Hsu vom Weill Cornell Medicine Center eingesetzte Stammzelltherapie könnte anders als bei den bisherigen Versuchen schonender sein und für mehr HIV-Infizierte infrage kommen.

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Die Frau war seit 2013 mit den Retroviren infiziert. Medikamente verhinderten bei ihr den Ausbruch der tödlichen Immunschwäche Aids. Doch 2017 entwickelte die Patientin Blutkrebs. Daraufhin verabreichte ihr Hsus Team Stammzellen aus Nabelschnurblut von einem Spender, der jene Mutation trägt, die resistent gegen HIV-Infektion macht:CCR5.

Gefährliche Transplantationsphase entschärft

Diese Mutation verschließt gewissermaßen die Tür, durch die HIV in Zellen gelangt. Beim „Berliner Patienten“ Timothy Ray Brown hatten Ärzte Stammzellen aus dem Knochenmark eines solchen resistenten Spenders transplantiert.

Allerdings sind Knochenmarkstammzelltransplantationen sehr gefährlich und belastend, da zunächst die eigenen, infizierten Stammzellen abgetötet werden müssen, um Platz für die neuen zu schaffen. Die ohnehin geschwächten Patienten können dabei auch sterben, denn die neuen brauchen mehrere Wochen, um sich anzusiedeln.

HIV (blau coloriert) und Leukämieviren (HTLV, türkis) beim Befall einer Zelle (grau, unten).
HIV (blau coloriert) und Leukämieviren (HTLV, türkis) beim Befall einer Zelle (grau, unten).
© mauritius images / Scott Camazine / Alamy / Alamy Stock Photos

Um diese kritische Phase zu überbrücken, gaben die Ärzte zusätzlich Blutstammzellen eines engen Verwandten. Sie bilden Immun- und andere Blutzellen und halten die Körperabwehr solange aufrecht, bis die neuen, aus den Nabelschnurstammzellen gebildeten Knochenmarkstammzellen diese Aufgabe übernehmen können.

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„Das Transplantat des Verwandten ist wie eine Brücke, die sie bis zu dem Punkt getragen hat, an dem die Nabelschnurzellen übernehmen konnten“, sagte Marshall Glesby, einer der Ärzte im Team der „New York Times“.

Der Berliner Patient blieb zwölf Jahre lang HIV-frei, musste keine antiviralen Medikamente mehr einnehmen, bis er 2020 an einer erneuten Krebserkrankung starb. Die jetzt behandelte Frau setzte ihre antiviralen Medikamente 37 Monate nach der Transplantation ab. Seitdem, nunmehr 14 Monate, finden JingMei Hsus Team keine HI-Viren mehr in ihrem Körper.

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