• Kürzer schulfrei, um Lernstoff nachzuholen: Kritik an Schäubles Vorschlag, die großen Ferien zu verschieben

Kürzer schulfrei, um Lernstoff nachzuholen : Kritik an Schäubles Vorschlag, die großen Ferien zu verschieben

Die Sommerferien verkürzen, um in der Schule aufzuholen? Bildungsministerinnen und Lehrerverbände widersprechen - auch mit touristischen Argumenten.

Ungenutzte Strandkörbe stehen auf einer Holzterrasse am Strand von St. Peter Ording.
Nicht nur Strandkorbvermieter an der Nordsee - hier in St. Peter Ording - warten auf Feriengäste.Foto: Carsten Rehder/dpa

Der Vorschlag von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), die Sommerferien wegen der Corona-Krise zu verkürzen, stößt auf Widerstand. Alle an Schule Beteiligten bräuchten jetzt vor allem hohe Verlässlichkeit - "und keine neuen Planungsunsicherheiten", erklärte etwa der Verband Bildung und Erziehung (VBE) am Freitag.

Ablehnend äußerte sich auch der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Statt verkürzter Ferien sei ein Gesamtkonzept gefragt, "wie der Lernstoff bestmöglich zu vermitteln" sei, sagte Meidinger im Deutschlandfunk.

Und das unter den gegenwärtigen Bedingungen, in denen eben nicht alle Schüler gleichzeitig in der Schule unterrichtet werden können und weiterhin verstärkt auf das Lernen zu Hause gesetzt werden müsse.

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) lehnt eine Verkürzung der Sommerferien ab, weil sie mit den privaten Pläne von Familien und Lehrkräften kollidieren würden. Schäubles Idee würde "viele Diskussionen und Unruhe auslösen und letztlich mehr Probleme schaffen als lösen", erklärte Eisenmann.

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Auch SPD-Vize Kevin Kühnert plädiert für Ferien in voller Länge. Erholung sei "ein ganz wichtiger Faktor in so einem Stressjahr", sagte er den den Sendern RTL und n-tv.

Der Bundestagspräsident hatte damit argumentiert, verkürzte Sommerferien böten die Gelegenheit, den durch die Corona-Pandemie versäumten Unterrichtsstoff nachzuholen. Zudem hätten viele Eltern ihr Urlaubskonto für diese Jahr ohnehin schon aufgebraucht, sagte er der "Augsburger Allgemeinen" (Freitagsausgabe). Sie würden sich sicher fragen, "wie sie da noch sechs Wochen Sommerferien organisieren sollen".

Berichte zu Schulschließungen und Homeschooling

In diesem Punkt widerspricht Susanne Eisenmann ebenfalls. Eine Verkürzung der Sommerferien auch aus touristischen Gesichtspunkten nicht sinnvoll. Vielmehr bestehe Hoffnung, dass in diesem Sommer Urlaub zumindest in Deutschland möglich sein könnte. Dabei sei die Hotel- und Gastronomiebranche "aber ganz klar auf die vereinbarten Ferienzeiten angewiesen". Schon im Voraus Einschränkungen ins Spiel zu bringen, nehme Hotels und Gaststätten die dringend benötigte Perspektive.

Eisenmann weist Schäuble zudem darauf hin, dass Schüler und Lehrkräfte keinesfalls durch Corona nun wochenlang Ferien gehabt hätten: „Die Schulschließungen bedeuten ja keine Corona-Ferien. Die Schülerinnen und Schüler lernen und arbeiten mit ihren Lehrkräften von zu Hause aus, und alle machen das Bestmögliche aus dieser ungewöhnlichen Situation“, erklärte die Ministerin.

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Vordringlich sei jetzt ein gutes Konzept für Schülerinnen und Schüler, die in der aktuellen Situation benachteiligt werden. Baden-Württemberg arbeite an entsprechenden Zusatzangeboten. Nachhaltige Lösungen für "Kinder, die zu Hause nicht ausreichend unterstützt werden können", fordert auch der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann. Dies könne am besten durch individuelle Förderung erreicht werden.

Die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, Stefanie Hubig (SPD), hatte einer Ferienverschiebung schon vor Ostern eine Absage erteilt. Zentral sei vielmehr, dass das Schuljahr 2020/21 planmäßig starten kann. Denkbar sei aber, in Ländern mit frühen Ferienterminen einzelne Abiturprüfungen auf den Beginn der Ferien zu verschieben. (mit dpa, AFP, Reuters)

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