Nach kombinierter Therapie : Aids-Erreger vollständig aus Mäuse-Erbgut entfernt

Wer sich einmal mit dem HI-Virus ansteckt, wird es in der Regel nie mehr los. Nun zeigen Forscher, dass das kein Dogma ist – und lassen Infizierte hoffen.

Eine östliche Hausmaus sitzt auf einer Hand im Labor des Max-Planck-Instituts in Plön. (Symbolbild)
Eine östliche Hausmaus sitzt auf einer Hand im Labor des Max-Planck-Instituts in Plön. (Symbolbild)Foto: Bodo Marks/dpa

US-Forscher haben den Aids-Erreger HIV aus dem Erbgut lebender Tiere entfernt. Gelungen sei das mit einer Kombination moderner Medikamente und der Genschere CRISPR/Cas9, berichten sie im Fachjournal "Nature Communications".

Bei fünf von 13 behandelten Mäusen war das Virus demnach bis zu fünf Wochen nach der Behandlung nicht mehr nachweisbar. Mit der Therapie wurden somit auch jene Viren erreicht, die inaktiv im Erbgut der Körperzellen ruhen – die bisher beim Menschen eingesetzten Mittel schaffen das nicht.

HI-Viren ließen sich bislang nur eindämmen, aber nicht bekämpfen

Lange galt eine HIV-Infektion als Todesurteil. Das Kürzel steht für Humanes Immundefizienz-Virus. Über Jahre wird das Abwehrsystem der Betroffenen durch den Erreger geschwächt. In der Folge kommt es ohne Behandlung zu weiteren Infektionen mit Bakterien, Pilzen oder anderen Viren, gegen die sich ein gesunder Körper normalerweise wehren kann.

Inzwischen lässt sich der Aids-Erreger mit Medikamenten, sogenannten antiretroviralen Arzneimitteln, gut in Schach halten. Studien haben zudem belegt, dass eine HIV-Infektion unter wirksamer Therapie nicht ansteckend ist. Die Mittel müssen allerdings lebenslang genommen werden und können gerade bei langer Einnahmedauer Nebenwirkungen haben.

Eine Heilung von der HIV-Infektion ist bisher durch die Standardtherapie nicht möglich. Die Behandlung kann die Erregerlast bei Patienten zwar unter die Nachweisgrenze senken. Allerdings erreichen die Mittel nicht jene Viren, die inaktiv in Zellen des Körpers ruhen. Solche Reservoire gibt es in verschiedenen Organen, etwa im Darm oder im Gehirn. Setzen Patienten ihre Arzneien ab, breitet sich das Virus wieder aus. Ziel von Wissenschaftlern ist es, diese Reservoire mit neuen Verfahren anzugreifen.

Eine Kombination von Therapien könnte echte Heilung bringen

Die Forscher um Kamel Khalili von der Temple University in Pennsylvania und Howard Gendelman von der University of Nebraska kombinierten zwei Ansätze. Zum einen erhielten die Mäuse ein Mittel, das die Aktivität der HI-Viren für mehrere Tage verminderte – "Laser ART" genannt.

Laser steht dabei nicht für den gebündelten Lichtstrahl, sondern für "long acting slow effective release" und "ART" für "antiretroviral therapy", also eine antiretrovirale Therapie durch langsame, langanhaltende Freisetzung des Wirkstoffs. Ergänzend wurde mit der Genschere CRISPR/Cas9 das Virenerbgut aus der DNA befallener Zellen geschnitten.

Bei wiederholter Behandlung sank das Viruslevel bei etwa einem Drittel der Tiere auf ein nicht mehr nachweisbares Niveau. In Mäusen, die jeweils mit nur einer der Methoden behandelt wurden, blieb das Virus hingegen weiter vorhanden. "Diese Studie markiert einen wichtigen Schritt hin zur Entwicklung eines möglichen Heilmittels für die HIV-Infektion beim Menschen", hieß es von der Temple University.

Die Ergebnisse der Kombi-Therapie seien vielversprechend, es brauche allerdings noch weitere Forschung. "Wir haben jetzt einen klaren Pfad zu Versuchen an Affen und möglicherweise klinischen Studien bei Menschen binnen eines Jahres", so Khalili.

86.000 HIV-Infizierte leben in Deutschland

Es handle sich um eine "sehr wichtige Studie", sagte Ruth Brack-Werner, Virologin am Helmholtz-Zentrum in München, die nicht an der Studie beteiligt war. Im Hinblick auf die Entwicklung eines Heilmittels für Menschen mahnte sie zur Geduld. "Es ist ein Schritt, aber wir sind noch lange nicht da."

Die Zahl der untersuchten Mäuse sei sehr gering. Zunächst müsse die Effizienz des Ansatzes verbessert werden, anschließend seien Tests an weiteren Tierarten nötig, so die Virologin. "Indirekt ist es ein Hoffnungsschimmer, direkt anwendbar am Menschen ist es aber noch nicht, da muss noch viel Entwicklungsarbeit geleistet werden."

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin leben rund 86.000 Menschen in Deutschland mit dem HI-Virus. Zunehmend genutzt wird die Möglichkeit, sich als gesunder Mensch mit Medikamenten vor einer HIV-Infektion zu schützen. Vor allem schwule Männer verwenden die HIV-Prophylaxe "PrEP" (Prä-Expositions-Prophylaxe). Experten hoffen darauf, dass sich dadurch die Zahl der Neuansteckungen deutlich vermindert. (sde/dpa)

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