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Craig war eine der größten Celebrities im Amboseli-Nationalpark in Kenia.

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Stoßzähne, fast bis zum Boden: Wie die letzten Super-Tusker leben und sterben

Über den natürlichen Tod eines Elefanten mit riesigen Stoßzähnen wurde weltweit berichtet. Artgenossen ähnlich imposanter Gestalt ergeht es oft anders.

Patrick Eickemeier
Eine Kolumne von Patrick Eickemeier

Stand:

Wenn man sich einmal richtig klein fühlen möchte, sollte man sich in die Nähe eines alten Elefantenbullen begeben. Es müsste nicht mal so ein großer sein wie Super-Tusker „Craig“, der wahrscheinlich 54 Jahre lang im Gebiet des Amboseli-Nationalparks in Kenia gelebt hat und kürzlich starb. Aber man sollte möglichst nah ran und am besten ohne Gitter oder Betongraben dazwischen.

Sicher für Leib und Leben ist die Annäherung an die gelegentlich übelgelaunten Tiere mit über drei Meter Schulterhöhe und rund fünf Tonnen Gewicht zum Beispiel in den offenen Geländewagen der Safari-Anbieter in afrikanischen Nationalparks. Möglich ist sie aber auch zu Fuß, mit orts- und tierkundigen Führern und mit einem großkalibrigen Gewehr.

In designierten Jagdgebieten, oft in direkter Nachbarschaft zu Nationalparks, dürfen Savannenelefanten (Loxodonta africana) von zahlungskräftigen Jagdtouristen geschossen werden. Die Prämien variieren je nach Land und Anbieter und können für Tiere mit eindrucksvollen Stoßzähnen bei etwa 60.000 US-Dollar liegen.

Afrikanischen Wildtierbehörden bringt die Lizenzvergabe substanzielle Einnahmen, die auch den Nationalparks zugutekommen. Jagdgebiete sind zudem Pufferzonen zwischen landwirtschaftlich genutztem Gemeindeland und Naturschutzgebieten. In gut überwachten Jagdrevieren sind Elefanten und weitere Wildtiere auch vergleichsweise sicher vor Wilderern, die es nicht nur auf Super-Tusker anlegen.

HANDOUT - 03.01.2026, Kenia, Amboseli: Dieses vom Kenya Wildlife Service (KWS) zur Verfügung gestellte Foto zeigt den toten Elefantenbullen Craig, der für seine außergewöhnlich großen und schweren Stoßzähne bekannt ist. Der Elefantenbulle starb im Amboseli-Nationalpark im Süden Kenias im Alter von etwa 54 Jahren, wie die kenianische Parkbehörde Kenya Wildlife Service mitteilte. Foto: -/Kenya Wildlife Service/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Craig starb wahrscheinlich daran, dass seine Backenzähne zu stark abgenutzt waren und er Nahrung nicht mehr gut verwerten konnte.

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Zwischen 1964 und 2016 ist die Zahl der Elefanten in Afrika um im Durchschnitt 77 Prozent zurückgegangen, zeigte eine Modellierungsstudie auf Basis von Zählungsdaten. Hauptursachen sind der Schwund natürlicher Lebensräume und die Wilderei für Elfenbein.

Im Gorongosa-Nationalpark in Mosambik wurden zwischen 1977 und 1992 wahrscheinlich 90 Prozent der Elefanten geschossen. Im Genpool der Tiere hat das deutliche Spuren hinterlassen: Als sich die Population erholte, wurden mehr Weibchen ganz ohne Stoßzähne geboren. „Selektion durch Wilderei“, schlossen Forschende.

Die genetischen Anlagen für besonders große Stoßzähne bei Bullen, jeder bei „Super-Tuskern“ über 45 Kilogramm schwer, könnten ebenso aus den verbliebenen Populationen getilgt werden: durch Wilderei, aber auch durch Jagdtourismus, in dem die größten Stoßzähne als attraktivste Trophäen die größten Einnahmen bringen. Elefantenschützer machen Jäger für die gezielte „Entnahme“ von Super-Tuskern aus verbliebenen Herden verantwortlich.

„Craig“ hat all das sein langes Elefantenleben lang überstanden. Er wurde zum lebendigen Naturdenkmal und auch nach seinem natürlichen Tod zum Symboltier für erfolgreichen Naturschutz. Den Fahrern der Fotosafari-Geländewagen war er zudem als besonders umgänglich bekannt.

Er verweilte oft lange in der Nähe der knipsenden Touristen, ohne sich aggressiv zu zeigen. Bis jeder zu Hause ein Bild von einem Super-Tusker zeigen konnte. Und bis jeder der Anwesenden sich einmal so richtig klein fühlen konnte.

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