Umweltverschmutzung belastet auch Insekten : Dreckige Luft macht Bienen krank

An Orten mit hoher Feinstaubbelastung besuchen Riesenhonigbienen weniger Blüten, ihre Körperfunktionen werden beeinträchtigt und ihre Sterberate steigt.

Riesenhonigbienen produzieren mehr als 80 Prozent des indischen Honigs.
Riesenhonigbienen produzieren mehr als 80 Prozent des indischen Honigs.cC (www.elephantcorridorfilms.com)

Luftverschmutzung schädigt die Gesundheit von Bienen und anderen Insekten. Das berichtet ein Forschungsteam um Geetha Thimmegowda vom National Centre for Biological Sciences in Bangalore im Fachblatt „PNAS“.

Schon mittlere Feinstaubkonzentrationen reduzieren bei Riesenhonigbienen die Zahl der Blütenbesuche, beeinträchtigen etliche Körperfunktionen und steigern die Sterberate.

Versuche an Fruchtfliegen bestätigen die Beobachtungen und deuten darauf hin, dass sie auch für andere Insekten gelten. In Indien, einer der wichtigsten Obst- und Gemüseproduzenten der Welt, verortete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2019 neun der zehn weltweit am stärksten verschmutzten Städte.

1800 Bienen untersucht

Die Forscher untersuchten drei Jahre lang mehr als 1800 Riesenhonigbienen an vier unterschiedlich stark belasteten Orten der 13-Millionen-Einwohner-Metropole.

Diese Bienenart, Apis dorsata, lebt auch in Städten, produziert mehr als 80 Prozent des indischen Honigs und bestäubt rund 700 verschiedene Pflanzen. Das Team konzentrierte sich auf vier unterschiedlich stark mit Feinstaub belastete, aber sonst vergleichbare Orte.

Die gering belasteten Areale hatten mittlere Konzentrationen von Feinstaub einer Korngröße unter 10 Mikrometern von 28 und 34 Mikrogramm pro Kubikmeter. Am mäßig belasteten Ort waren es 46 Mikrogramm und am stark belasteten 99 Mikrogramm. Der Grenzwert liegt in Indien bei 60 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Schäden schon bei mittlerer Feinstaubbelastung

An den jeweiligen Arealen sammelten die Forscher die Hornissen-großen Bienen stets morgens an den Blüten von Gelben Trompetenblumen (Tecoma stans), die ganzjährig blühen und von Riesenhonigbienen bestäubt werden.

An den mäßig und stark belasteten Orten registrierten die Forscher weniger Blütenbesuche der Bienen und die dort eingesammelten Bienen starben deutlich schneller als die Tiere aus Gegenden besserer Luftqualität.

Untersuchungen von Beinen, Flügeln und Antennen belegten, dass die Tiere dort tatsächlich wesentlich stärker mit Feinstaub, Arsen, Blei, Wolfram und Aluminium belastet waren, was die Atmung, die Zahl der Blutzellen, die Immunreaktionen sowie die Genaktivität veränderte.

Da die Luftverschmutzung auch bei Fruchtfliegen ähnliche Spuren hinterließ, gehen die Forscher davon aus, dass auch andere Insekten betroffen sind – und zwar schon bei mäßiger Feinstaubbelastung von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter. (Walter Willems, dpa)

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