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Ein Corona-Patient wird auf der Intensivstation in der Universitätsklinik Köln künstlich beatmet. (Archiv)
© dpa/Oliver Berg

Pulsoximeter und Atemfrequenz: Wie sich schwere Corona-Verläufe schon zu Hause besser erkennen lassen

Nicht immer erkennen Corona-Infizierte, dass sich ein schwerer Verlauf anbahnt. Ein Pulsoximeter und ein Blick auf die Atemfrequenz können helfen.

Von Thomas Sabin

Eine Corona-Erkrankung ist tückisch. Sie verläuft in zwei Phasen. Zuerst überkommt die meisten ein Schwächegefühl. Grippeähnliche Symptome treten auf, manche schmecken nichts mehr, manche verlieren den Geruchssinn und manche verlieren zeitweise beides.

Was für die meisten oft jedoch weniger spürbar ist, findet in der zweiten Phase der Erkrankung statt. Im Körper entwickelt sich eine Lungenentzündung. Man fühlt sich zwar krank, die Körpertemperatur steigt, doch seltener verspüren Corona-Infizierte auch Atemnot. Und diese lässt einen sich anbahnenden schweren Verlauf vermuten.

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Und hier liegt die Gefahr. Der Besuch beim Arzt bleibt aus und die Infektion schreitet unbehandelt voran. In der Folge kann es zu schweren Schäden an der Lunge kommen. Mithilfe eines Pulsoximeter kann man dem Vorbeugen, sagen Experten.

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Richard Levitan ist Professor am Dartmouth College in Hanover/New Hampshire und US-amerikanischer Notfallmediziner. Bereits 2020 erkannte er, als er sich freiwillig meldete, um gegen die März-Corona-Welle im Bellevue Hospital in New York City auszuhelfen, dass eine möglicherweise tödliche Lungenentzündung, die das Virus verursacht, häufig nicht früh genug erkannt wird und dass man mehr tun könne, um Patienten vor ganz schweren Verläufen zu schützen. Seine Eindrücke beschrieb er damals in einem viel diskutierten Gastbeitrag für die „New York Times“.

Das Phänomen „stille Hypoxämie“

Bei zahlreichen Untersuchungen von Patienten, die wegen anderer Verletzungen ins Bellevue kamen, erkannten die Ärzte Entzündung des Lungengewebes (Pneumonie) verursacht durch eine Corona-Infektion – auch bei Patienten ohne Atemwegsbeschwerden. Die Experten nennen das Phänomen „stille Hypoxämie“. „´Still´ wegen ihrer heimtückischen, schwer zu erkennenden Natur“, schreibt Levitan.

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Das bedeutet, Coronainfizierte merken nicht, dass ihre Sauerstoffwerte alarmierend niedrig sind. Die normale Sauerstoffsättigung beträgt für die meisten Menschen 94 bis 100 Prozent. Niedrige Sauerstoffwerte sind ein Alarmsignal.

Levitan empfiehlt eine Art Frühwarnsystem. Das Pulsoximeter. Mit dem kleinen Gerät kann jeder zu Hause die Sauerstoffsättigung im Blut überwachen und selbst einen schweren Verlauf erkennen.

Wie funktioniert ein Pulsoximeter?

Die Funktionsweise von Pulsoximeter ist einfach. Das Gerät misst die arterielle Sauerstoffsättigung und den Puls. Die Sauerstoffsättigung gibt an, wie viel Prozent des Hämoglobins im Blut mit Sauerstoff beladen sind – ein wichtiger Parameter, um die Atemfunktion zu beurteilen.

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Um die Messung durchzuführen, legt man einen Finger in das Gerät. Zwei Lichtstrahlen unterschiedlicher Wellenlängen, die auf den Finger treffen, messen die Werte. Die arterielle Sauerstoffsättigung wird ausgerechnet und angezeigt.

Vom Gerät ist abzulesen, wie gut Sauerstoff an die roten Blutkörperchen gebunden ist. Liegt der Wert unter den Normalwerten, sollte man ins Krankenhaus. Covid-Patienten mit Pneumonie, die Levitan beobachtete, hatten teilweise sogar nur eine Sauerstoffsättigung von 50 Prozent.

Atemfrequenz als Indikator

Kritischer blickt Jens Geiseler, Chefarzt der Pneumologie am Klinikum Vest in Marl, auf die Verwendung von Pulsoximeter zu Hause. Die Geräte für den Heimgebrauch seien zu ungenau, so der Pneumologe auf der Internetseite „Lungenärzte im Netz“. „Sie sind nicht für medizinische Zwecke gedacht, sondern für Fitness.“ Das gelte auch für Smartwatches und Smartphones.

Geiseler rät, die Atemfrequenz (Anzahl Atemzüge pro Minute) im Blick zu behalten. „Sie ist für uns der viel empfindlichere und bessere Parameter in solchen Fällen.“ Normalerweise atme man zwölf bis 16-mal pro Minute. „Die Patienten, die in der Frühphase einer solchen Lungenentzündung zu uns kommen, haben häufig eine Atemfrequenz von 22 bis 24 Zügen pro Minute, aber keine Luftnot.“

Corona-Infizierte sollten stets wachsam bleiben. Insbesondere dann, wenn die ersten Symptome nach einigen Tagen abgeklungen sind, rät Geiseler. „Ich würde aber nicht dazu aufrufen, dass jeder sich als Kontrollgerät so ein Pulsoximeter zulegt, das eigentlich nur für Sport da ist“, schreibt der Pneumologe.

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