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Happy im Hörsaal. Ein halbes Jahr nach dem Abi sind 72 Prozent schon an der Uni oder wollen ein Studium aufnehmen.

© Mathias Heyde/HU Berlin

Umfragen unter Studierenden: Zufrieden mit der Uni, Hoffnung auf gute Jobs

Trotz voller Hochschulen und Finanzkrise sehen Studierende und Abiturienten ihre Lage positiv: Mit den Studienbedingungen sind zwei Drittel zufrieden. Und Schulabgänger rechnen nach dem Studium mit guten Gehältern.

Über vieles könnten sich Studierende in Deutschland beschweren. Sie könnten beklagen, dass die Hörsäle immer voller werden. Sie könnten mit der Finanzkrise hadern und um ihren Einstieg ins Berufsleben bangen. Doch jetzt zeigt sich: Das alles scheint ihnen wenig auszumachen. Zwei aktuelle Umfragen zeichnen das Bild von zufriedenen und zuversichtlichen Studierenden. Sie loben überwiegend ihre Studienbedingungen. Und sie schauen optimistisch auf die spätere Jobsuche.

Vor allem der verstärkte Andrang von Studierenden scheint sich anders als erwartet nicht allzu negativ auszuwirken. 520 000 Erstsemester schrieben sich im vergangenen Jahr ein. Ein Rekord: Wegen doppelter Abiturjahrgänge und wegen des Aussetzens der Wehrpflicht waren das 70 000 mehr als zuvor. Vor einem Jahr sagte deswegen in einer Allensbach-Umfrage die Hälfte der an den Hochschulen Befragten, sie fürchteten eine Verschlechterung der Studienbedingungen.

Doch als die Demoskopen zu Beginn dieses Sommersemesters gut 2000 Studierende erneut befragten, haben sich die Befürchtungen nicht bewahrheitet. Denn bei der Frage nach den Studienbedingungen kamen sie zu fast identischen Ergebnissen. Wie im Jahr 2011 bewerteten auch 2012 zwei Drittel der Befragten die Bedingungen mit „gut“ oder „sehr gut“. „Es sind keine dramatischen Veränderungen festzustellen“, sagt Rüdiger Schulz vom Allensbach-Institut, der die Umfrage im Auftrag des Reemtsma-Begabtenförderungswerkes leitete und sie am Donnerstag in Berlin vorstellte.

57 Prozent der Befragten erklärten demnach, die Bedingungen hätten sich im Vergleich zum vorangegangenen Semester „wenig verändert“. 16 Prozent hielten sie für „eher verschlechtert“, allerdings fanden auch 14 Prozent, das Studium habe sich „eher verbessert“. Selbst in Bayern und Niedersachsen, den beiden Ländern mit doppeltem Abiturjahrgang, berichteten die Befragten nicht häufiger von Verschlechterungen.

Positiv auf die Ergebnisse wirkte sich aus, dass inzwischen auch Baden-Württemberg und NRW keine Studiengebühren mehr nehmen. In diesen Ländern erklärten 17 Prozent, die Lage an den Unis habe sich verbessert. Das mag Befürworter von Gebühren überraschen. Schulz führt das darauf zurück, dass sich die Studierenden finanziell entlastet fühlten, was die Zufriedenheit mit dem Studium erhöhe. Man dürfe die Gebührenfrage ohnehin nicht „überbewerten“. Für die Ausstattung der Unis seien die Mittel aus dem Hochschulpakt von Bund und Ländern „viel entscheidender“.

Wenn es um Jobaussichten geht, „strahlen die meisten Studierenden vor Optimismus“, sagt Schulz. Die Hälfte der Befragten rechnet sich „gute“ Chancen aus, nach dem Abschluss rasch einen passenden Job zu bekommen, 21 Prozent sogar „sehr gute“ Chancen. Eine Rolle spielt, dass Fachkräfte derzeit gesucht werden. Sorgen machen sich die Studierenden dagegen über die langfristige wirtschaftliche Perspektive, wozu die Krise in den europäischen Nachbarstaaten beiträgt. Frauen sind hier pessimistischer (48 Prozent denken, der Arbeitsmarkt könnte sich längerfristig für sie verschlechtern, Männer: 35 Prozent). Sie fürchten, Familie und Beruf nicht vereinbaren zu können und nur befristete Arbeitsverträge zu bekommen. „Wenn die Wirtschaft noch mehr Optimismus wecken will, muss sie bereit sein, längerfristige Arbeitsverträge einzugehen“, sagt Schulz.

Von welchen Gehältern Abiturienten träumen

Die Zuversicht, dass sich derzeit ein Studium lohnt, bringen schon die Abiturienten mit an die Uni. Ein halbes Jahr nach dem Schulabschluss waren 72 Prozent der Studienberechtigten des Abschlussjahrgangs 2010 bereits eingeschrieben oder hatten die feste Absicht zu studieren. Damit hat sich die „Studierquote“ auf dem Stand von 2008 stabilisiert. Das geht aus dem aktuellen Studienberechtigtenpanel des HIS-Instituts für Hochschulforschung hervor. Sechs Prozent waren unentschieden, ob sie studieren möchten. Gegen ein Studium entschieden sich überdurchschnittlich viele Frauen und Abiturienten aus bildungsfernen Familien.

Doch auch wer sich vor der Uni erst einmal eine Auszeit nimmt, bleibt nicht untätig: Drei Prozent nahmen eine feste Arbeit an, fünf Prozent machen ein Praktikum und 18 Prozent absolvieren ein freiwilliges soziales Jahr oder gehen ins Ausland. Wegen des Wegfalls der Wehrpflicht und des Zivildienstes rechnen die Hochschulforscher mit einer weiter steigenden Tendenz.

Große Erwartungen haben Abiturienten an die Vorteile, die ihnen ein Studium bringen wird. Gute Karrierechancen, eine einflussreiche Position und gesellschaftliche Anerkennung und eine eigenverantwortliche Tätigkeit werden am häufigsten genannt. Laut der Allensbach-Studie wünscht sich die Hälfte der Befragten eine Arbeit, die sich gut mit Familie und Privatleben vereinbaren lässt.

Von einer Berufsausbildung erwarten die Abiturienten zwar eine schnellere finanzielle Unabhängigkeit. Aber die Gehaltsvorstellungen mit Studienabschluss übertreffen die an einen Ausbildungsberuf bei Weitem. Dabei haben die Abiturienten optimistische Vorstellungen von der Höhe ihrer späteren Nettogehälter. Im Schnitt rechnen sie mit 3500 Euro im Monat. Eine Berufsausbildung könnte dagegen „nur“ knapp 2500 Euro netto bringen, glauben die Schulabgänger. Trotz der in der Regel zu hohen Gehaltserwartungen zeigten die Studienberechtigten doch „ein gutes Gespür“ für die Einkommenschancen, die ein Studium eröffnet, erklären die Hochschulforscher.

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