zum Hauptinhalt
Lukoil-Öl fließt weiter nach Indien.

© AFP/MIKHAIL MORDASOV

Ukraine-Invasion, Tag 1419: Russland nutzt offenbar bemerkenswerte Lücke in US-Sanktionen

Verheerende russische Angriffe sorgen für Blackouts in der Ukraine, rund 1400 Afrikaner kämpfen wohl für Russlands Armee, Anklage wegen Sabotageplänen gegen Ukrainer erhoben. Der Überblick.

Stand:

Seit Ausbruch des Ukraine-Krieges ist Indien zum weltweit zweitgrößten Abnehmer von russischem Rohöl geworden. Auch, weil der Preis aufgrund westlicher Sanktionen stark gesunken ist. Zuletzt verhängten die USA Ende November Sanktionen gegen alle Unternehmen und Raffinerien, die Öl der größten russischen Exporteure Rosneft und Lukoil kauften.

Einem Bericht des „Guardian“ zufolge hatte das auch Auswirkungen: Indiens Importe von russischem Öl gingen um rund ein Drittel zurück. Doch auch jetzt werden demnach vier der sieben größten Ölraffinerien Indiens weiterhin hauptsächlich mit russischem Öl betrieben. Und es gibt Anzeichen, dass sich das nicht ändern wird – im Gegenteil.

Russland hat dem „Guardian“-Bericht zufolge damit begonnen, seine Lieferkette umzustrukturieren, um Ländern wie Indien die Umgehung der US-Sanktionen zu ermöglichen. Eine bemerkenswerte Lücke besteht demnach darin, dass die Raffinerie nicht den US-Sanktionen unterliegt, solange das Rohöl nicht von Rosneft oder Lukoil geliefert wird.

Aus den Exportdaten geht hervor, dass bis Dezember mehrere neue russische Ölexporteure aufgetaucht sind, die wahrscheinlich als Schattenvermittler fungieren sollen. „Es ist offensichtlich, dass die Russen nicht tatenlos zusehen, sondern versuchen werden, sie so weit wie möglich zu umgehen“, erklärt Homayoun Falakshahi, Chefanalyst für Rohöl bei Kpler, im „Guardian“.

Der niedrige Preis für russisches Öl macht es Ländern wie Indien, das 90 Prozent seines Öls importiert, offensichtlich schwer, sich davon abzuwenden. „Für die Unternehmen, die noch zum Kauf von russischem Öl bereit sind, ist es ein lohnenswertes Risiko, da es Einsparungen von fast vier Milliarden Dollar pro Jahr bedeuten würde“, sagt Falakshahi dem „Guardian“. „Wir gehen davon aus, dass die indischen Ölimporte bald wieder das altbekannte Niveau erreichen werden.“

Die wichtigsten Nachrichten des Tages

  • Russland schickt auch Menschen aus dem Ausland auf die Schlachtfelder der Ukraine. Der britische „Telegraph“ berichtet jetzt von Afrikanern, die nach Russland und dann in den Krieg gelockt worden sein sollen. Um die 1400 Afrikaner kämpfen demnach derzeit für Russland, Hunderte sollen bereits gestorben sein. Mehr dazu hier.
  • Acht Monate nach der Festnahme von drei Ukrainern, die Sabotageplänen in russischem Auftrag zugestimmt haben sollen, hat die Bundesanwaltschaft Anklage gegen zwei von ihnen erhoben. Daniil B. und Vladyslav T. sollen vorgehabt haben, Pakete mit Sprengsätzen aufzugeben. Diese hätten sich in Deutschland oder auf dem Weg in die Ukraine entzünden sollen. Mehr dazu hier.
  • Infolge eines neuen massiven Raketen- und Drohnenangriffs auf die Energieinfrastruktur sind die Stadt Kiew sowie sieben Regionen der Ukraine weitgehend von der Stromversorgung abgeschnitten worden. Dies erklärte der stellvertretende Energieminister Oleksandr Wjasowtschenko. In der Ukraine herrschen aktuell eisige Temperaturen von bis zu minus 20 Grad. Mehr dazu im Newsblog.
  • In der ukrainischen Stadt Dnipro werden Mehrfamilienhäuser, die seit dem russischen Angriff vom 7. Januar ohne Strom sind, direkt über mobile Generatoren versorgt. Das berichtet Bürgermeister Borys Filatow auf Telegram. Nach den jüngsten Angriffen auf die Energieinfrastruktur seien die Versorgungsunternehmen nicht in der Lage, in mehreren Stadtteilen am linken Ufer des Dnipro die Stromversorgung wiederherzustellen.
  • Bei einem russischen Angriff am Stadtrand von Charkiw im Nordosten der Ukraine sind nach ukrainischen Angaben mindestens zwei Menschen getötet worden. Bei dem Angriff seien zudem drei weitere Menschen verletzt worden, erklärte der Gouverneur der Region Charkiw, Oleh Synehubow, am Dienstagmorgen im Onlinedienst Telegram.
  • Die Europäische Union plant offenbar, bis zum 24. Februar ein 20. Sanktionspaket gegen Russland zu beschließen. Darüber berichtet „Euractiv“ unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten Diplomaten. Ziel sei es, den politischen Druck auf Moskau zum Jahrestag des Kriegsbeginns weiter zu erhöhen.
  • In sozialen Netzwerken kursieren derzeit Videos und Fotos, die eine Gruppe russischer Soldaten in ungewöhnlichen, vertikal stehenden Einzelunterkünften zeigen. Diese erinnern stark an tragbare Dusch- oder Toilettenzelte, scheinen jedoch zur Tarnung und zum Schutz vor Aufklärung und Angriffen aus der Luft eingesetzt zu werden. Darüber berichtet die ukrainische Plattform „Militarnyi“.
  • Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union streiten über die Verwendung eines Kredits in Höhe von 90 Milliarden Euro für die Ukraine. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht die Frage, ob Kiew diese Mittel für den Kauf von Waffen aus den USA einsetzen darf. Dies berichtet „Politico“ unter Verweis auf eine Quelle in europäischen diplomatischen Kreisen.
  • Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachtungsmission der Vereinten Nationen kamen im Jahr 2025 insgesamt 2514 Zivilisten in der Ukraine durch russische Angriffe ums Leben, weitere 12.142 Menschen wurden verletzt. Das entspricht einem Anstieg von 31 Prozent im Vergleich zu 2024. Rund 63 Prozent aller Todesfälle wurden demnach in frontnahen Gebieten registriert.
  • Der Gesamtumfang der iranischen Militärhilfe für Russland beläuft sich seit Ende 2021 auf mehr als vier Milliarden US-Dollar. Das berichtet die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten westlichen Sicherheitsbeamten. Demnach erhielt Russland allein ballistische Raketen sowie Flugabwehrraketen im Wert von rund 2,7 Milliarden Dollar.

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
false
isPaid:
console.debug({ userId: "", verifiedBot: "false", botCategory: "" })