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Umstrittenes Comeback: Xavier Naidoo: Sechs Konzerte in Berlin, für die es noch Karten gibt
Erst Deutschlands erfolgreichster Soulsänger, dann wirrer Verschwörungstheoretiker. Und heute? Xavier Naidoo ist zurück. Dies sind die wichtigsten Konzerte in der kommenden Woche.
Stand:
Sehr vielen Menschen stößt dieses Comeback übel auf. Mit Protesten ist zu rechnen. Doch was soll man sagen: Die Auftritte von Xavier Naidoo in Berlins größter Konzerthalle sind – trotz horrender Ticketpreise – fast ausverkauft.
Zum Glück gibt es Alternativen, in den nächsten Tagen hauptsächlich aus dem Deutschrap-Bereich. Dazu ein gediegener Songwriter-Abend und Berlins beständigste Stoner-Rock-Band.
1 T-Low

© Trinity/Promo
Thilo Panje alias T-Low, 24, hat schon einiges mitgemacht. Aufgewachsen im schleswig-holsteinischen Kleinstadtmilieu, führte ihn sein adoleszentes Aufbegehren nicht nur zum Hip-Hop, sondern auch in die Drogen- und Tablettenabhängigkeit.
Vielleicht war die pädagogisch fragwürdige Reaktion seiner Eltern, die ihn in einem abrissreifen Haus einquartierten, genau der heilsame Schock, den seine Karriere benötigte.
Jedenfalls schrieb T-Low in der Bruchbude einige seiner späteren Hits wie „Crashen“. Stilistisch orientierte sich T-Low dabei an Autotune-Rappern aus dem US-Süden wie Future oder Gucci Mane.
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Sein bislang größter Erfolg gelang ihm 2022 mit „Sehnsucht“, einer Zusammenarbeit mit dem Produzentenduo Miksu/Macloud. Das Video zum Song wurde bis heute mehr als 18 Millionen Mal aufgerufen.
2 Yung Pepp

© Zeitfang
Für Nachwuchs im deutschsprachigen Hip-Hop ist gottseidank gesorgt.
Young Pepp etwa ist ein 17 Jahre junger Leipziger, der in sommerlich groovenden, zielgruppengerecht betexteten Tracks wie „Wassereis“ das prickelnde Lebensgefühl des ersten Aufbruchs in neue Welten jenseits des familiären Behütetseins einfängt.
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Dass er seine erste Reise durch fremde Städte selbstironisch „die noch nicht ganz so große kleine Tour“ betitelt hat, spricht für eine gesunde Distanz zum Business, in dem schon mancher angehende Star unter die Räder geriet.
3 Pothead

© Andreas Torneberg
Die 1991 gegründete Berliner Band Pothead hat geschafft, was sonst nur großen Rock-Acts wie ZZ Top oder AC/DC gelingt: Sie ist zur Marke geworden – zumindest in ihrer gar nicht mal so kleinen Blase.
Längst abgekoppelt von den üblichen Vermarktungszyklen zeitgenössischer Rockmusik, ziehen die Seattle-Exilanten Bradley Kok und Jeffery Moore alias Brad und Jeff Dope, zum Powertrio Schlagzeuger Robert Puls, stoisch ihre Stoner-Rock-Nummer durch.
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Neue Platten? Fehlanzeige. Pothead sind der rockende Ruhepol im hektischen Wandel der Zeiten. Gut so.
4 Marcus Wiebusch & Craig Finn

© Loft/Promo
Zum winterlichen Liedermachergipfel treffen zwei hochkarätige Vertreter ihrer Zunft aufeinander. „Songs & Stories“ ist der Abend überschrieben, bei dem Craig Finn und Marcus Wiebusch ihr Können demonstrieren.
Zumindest für Marcus Wiebusch ist der Auftritt im Lido eine Erinnerung an ruhigere Zeiten, bevor er als Sänger von Kettcar in die Beletage des deutschen Indierocks aufstieg.
Der gebürtige Heidelberger hatte seit dem Umzug nach Hamburg in Punkbands wie ...But Alive oder Rantanplan gespielt, ehe er 2001 mit Bassist Reimer Bustorff Kettcar gründete.
Und, fast noch wichtiger, ein Jahr später mit Bustorff und Tomte-Sänger Thees Uhlmann das Plattenlabel Grand Hotel van Cleef aus der Taufe hob, das zur Top-Adresse für gehaltvollen Indiepop in Deutschland wurde.
Kettcar und Tomte waren als Klassenbeste der zweiten Generation der Hamburger Schule die Aushängeschilder von GHvC und wurden im Windschatten von Tocotronic immer populärer.
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Wiebusch konnte sich als erstklassiger Songwriter und charismatischer Sänger in Szene setzen. Mit „Gute Laune ungerecht verteilt“ erreichten Kettcar 2024 erstmals die Spitze der deutschen Albumcharts, vorläufiger Höhepunkt einer erstaunlichen Bandkarriere.
Vergleichbares, nur auf die USA übertragen, hatte man auch Craig Finn und seiner Band einmal zugetraut. The Hold Steady, gegründet 2003 in New York, waren Hoffnungsträger der US-Indie-Szene.
Vor allem das dritte Hold-Steady-Album „Boys and Girls in America“ aus dem Jahr 2006 katapultierte Finn an die Spitze einer an Bruce Springsteen orientierten Songwriter-Generation.
Der kommerzielle Durchbruch schien unmittelbar bevorzustehen. Doch auch wenn The Hold Steady bis 2014 verlässlich die US-Top 40 erreichten, schloss sich das Zeitfenster für Aufsteiger vom Indierock in den Mainstream langsam wieder.
Der unverzagte Finn indes, 1971 in Minnesota geboren, blieb auch mit seinen seit 2012 erschienenen sechs Soloalben eine verlässliche Größe.
Seine Texte, oft auf wenige Strophen eingedampfte Short Stories, sind eine Klasse für sich. Doch auch musikalisch spielt der Mann, der vor seiner Rockerlaufbahn als Börsenmakler in Minneapolis gearbeitet hat, in der Songwriter-Champions-League mit.
5 Xavier Naidoo

© imago images/POP-EYE/imago images/POP-EYE
Gern würde man zurückspulen in unschuldigere Zeiten: ans Ende der Neunziger, als ein junger Sänger aus Mannheim zum Höhenflug ansetzte.
Xavier Naidoo, damals Mitte zwanzig, erreichte mit spirituell bepuderten Soulballaden ein Millionenpublikum. Sein Debütalbum hielt sich über 100 Wochen in den Charts. In den Nullerjahren war Naidoo neben Herbert Grönemeyer der größte deutsche Popstar.
Doch dann ging irgendwas fürchterlich schief. Spätestens ab 2010 driftete der bereits zuvor durch irrlichternde Statements aufgefallene Sänger in Richtung verschwörungstheoretischer, rassistischer und antisemitischer Echokammern ab.
Doch der daraus resultierende Karriereknick war womöglich nur temporär. Denn so kritisch Naidoos Rechtfertigungsversuche in den Medien bewertet wurden, so wenig beeinträchtigte die Kontroverse offensichtlich seine Popularität.
Seine aktuelle Tour durch die größten Konzerthallen offenbart, so der „Rolling Stone“, die „riesige Kluft zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung in weiten Teilen der Gesellschaft“.
6 Das Bo

© Roman Dachsel
Und noch’n Rapper: Seit 30 Jahren zählt Mirko Alexander Bogojević, geboren 1976 in Hamburg, unter dem Künstlernamen Das Bo zur hanseatischen Hip-Hop-Aristokratie.
Gemeinsam mit Tobias Schmidt war er in den Neunzigern als Der Tobi & Das Bo ganz vorn dabei an der Spaßrapfront von der Waterkant.
Die beiden bildeten auch eine Hälfte von Fünf Sterne deluxe, die alberne Reime, Funkyness und Milieustudie in skurrilen Hits wie „Ja, Ja… Deine Mudder!“ bannten und damit das Nuller-Jahre-Phänomen Deichkind vorbereiteten.
Bos kommerzielle Sternstunde war im Jahr 2000 der Hit „Türlich, türlich (sicher, Dicker)“ mit dem legendären Partykampfruf „Bass, Bass, wir brauchen Bass!“.
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