Aktion vor Innenministerium : Feministinnen kämpfen für den Kommunismus

Anlässlich des Weltfrauentages am Donnerstag hat eine Gruppe von Aktivisten das Bundesinnenministerium umbenannt. Sie wehren sich gegen das neue Ministerium für Heimat.

Aktionisten von "Nika - Nationalismus ist keine Alternative" am Mittwochmittag vor dem Bundesinnenministeriums.
Aktionisten von "Nika - Nationalismus ist keine Alternative" am Mittwochmittag vor dem Bundesinnenministeriums.Foto: Robert Klages

Mit der Großen Koalition wird der Aufgabenbereich des Bundesinnenministeriums ergänzt: Die Behörde soll künftig auch für "Heimat" zuständig sein. Horst Seehofer (CSU) soll damit nicht nur Bundesinnenminister, sondern auch "Bundesheimatminister" werden. Eine umstrittene Entscheidung: Denn nicht alle verbinden mit dem Begriff ein Gefühl der Geborgenheit, sondern ein überkommenes Konzept. Zu letzteren Gruppe gehören die Aktivisten von "Nika" - ein Akronym für "Nationalismus ist keine Alternative". Sie haben dem "falschen Heimatbegriff" den Kampf erklärt: Am Mittwochmittag haben sie das Innenministerium in Berlin kurzerhand umbenannt in: "Ministerium für Heimat und Rape Culture". Ein entsprechender Banner wurde von etwa 15 Aktivistinnen und Aktivisten für rund fünf Minuten vor dem Eingang des Ministeriums gezeigt. Am Donnerstag sind anlässlich des Weltfrauentages bundesweit weitere Aktionen geplant, es ist "Frauenkampftag".

Nika wehrt sich gegen den Heimatbegriff, denn die Vergangenheit von Deutschland sei keineswegs nur positiv gewesen, auch hinsichtlich der Gleichstellung von Frau und Mann. Noch vor 60 Jahren konnten Frauen keine Bankkonten eröffnen, ohne die Erlaubnis ihrer Ehemänner eingeholt zu haben. Vor 40 Jahren durften sie nicht ohne die Erlaubnis dieser arbeiten gehen. Und noch vor 20 Jahren konnten Ehemänner noch straffrei ihre Frauen vergewaltigen. Das erläutert eine Nika-Sprecherin, die sich "Ulrike Sommer" nennt. Das Gesetz, das Vergewaltigungen in der Ehe zur Straftat machte, trat erst 1997 in Kraft; im Bundestag angenommen mit 470 zu 138 Stimmen bei 35 Enthaltungen. Horst Seehofer stimmte auch dagegen.

Die Frau sei auch heutzutage immernoch das Gegenteil vom Mann, sagt Sommer. Seehofer könne nicht alle Frauen dieses Landes vertreten. "Wir müssen solange kämpfen, bis Geschlechter keine Rolle mehr spielen - also bis zum Kommunismus." Was sie unter Kommunismus versteht? "Die Loslösung vom Zwang, seine Arbeitskraft verkaufen zu müssen." Im Kommunismus werde die Produktion kollektiv bewältigt und eine Teilung von Mann und Frau bestehe nicht mehr.

"Ulrike Sommer", Sprecherin der Aktion.
"Ulrike Sommer", Sprecherin der Aktion.Foto: Robert Klages
Die Aktivisten brachten ein Schild "Ministerium für Heimat und Rape Culture" vor dem Innenministerium an.
Die Aktivisten brachten ein Schild "Ministerium für Heimat und Rape Culture" vor dem Innenministerium an.Foto: Robert Klages
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