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Mit Corona vor der Tür kann Weihnachten eintönig werden - muss aber nicht, wenn Gesprächsstoff vorhanden ist.
© Stefan Jacobs

Kleine sprachliche Unterschiede mit großer Sprengkraft: „An“ Weihnachten oder „zu“ Silvester?

An den Festtagen ist alles zu – nur nicht der Duden; damit wir am Ende des Stollens wissen, ob es „an“ oder „zu“ oder ganz anders heißt. Eine Glosse.

An Weihnachten ist alles zu. Aber vieles andere ist offen in diesen unsicheren Zeiten. Worüber reden in diesem Advent, in dem man vor lauter Homeoffice und beschlagener Brille kaum noch etwas mitbekommt von der Welt da draußen? Gesprächsstoff muss her, damit es nicht langweilig wird am Ende des Stollens und dessen holden Weibes, der Stolle, deren Herkunft nicht gänzlich geklärt ist.

Sie kam wohl irgendwann aus Alt- oder Mittelhochdeutschland zu uns Rosinenpickern; das Gebäck ist m/w/d, also auf der Höhe der Zeit.

Mehr Zündstoff als in der Kalorienbombe steckt in der alle Jahre wieder aktuellen Frage, ob es „an“ oder „zu Weihnachten“ heißt. Mit dem Jahreswechsel wird sich diese Frage erneut in den Raum stellen, explosiv wie ein Knallfrosch. Weiter wollen wir gar nicht denken und belassen es deshalb bei folgendem Allgemeinplätzchen, in dem sich übrigens die Lösung versteckt: „Ostern und Pfingsten sind die Geschenke am geringsten.“

Die Sprachberatung des Duden-Verlages erklärt, dass „an“ eher süd- und „zu“ eher norddeutsch sei, aber auch österreichisch, worauf man sich keinen Reim machen kann, zumal sich darauf wirklich nichts reimt. Beim Stichwort „Heiligabend“ steht „an/am/(seltener:)zu“.

Ist norddeutsch seltener als süddeutsch? Und verhöhnt diese Hierarchie nicht den Schmerz sprachsensibler Urberliner, die immer selbstverständlicher das von Rheinhessen und Schwaben eingeschleppte „an“ lesen und hören müssen?

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Würde man Politiker zu diesem Dilemma befragen, bekäme man wohl zur Antwort: „Es gibt kein Allheilmittel.“ Das sagen sie nämlich gern, wenn es ein Mittel gibt, das zumindest wirkt, aber ihnen gerade nicht in den Kram passt.

Das von der Duden-Redaktion empfohlene Allheilmittel lautet: Präposition weglassen! „Weihnachten bin ich zu Hause“ wäre sprachlich demnach am elegantesten. „Silvester bin isch Neukölln“ wäre noch authentischer, aber das führt jetzt zu weit.

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