Ausstellung zur Popmusik in Deutschland : Berlins Beitrag zur Popgeschichte

Eine Ausstellung zur deutschen Popgeschichte zeigt deren Spuren in Berlin. Schon während der deutschen Teilung war West-Berlin eine kreative Insel.

Jana Weiss
Feiern können die Berliner: Die Loveparade 1999.
Feiern können die Berliner: Die Loveparade 1999.Foto: imago/Müller-Stauffenberg

Eine selbst gebaute „Disco-Box“ mit bunten Aufklebern von Chiquita und Milky Way: So sah Punk also in der DDR aus. Musik war immer auch Ausdruck gesellschaftlichen Wandels, Politik im Kleinen. Das will die aktuelle Ausstellung „Oh Yeah! Popmusik in Deutschland“ im Museum für Kommunikation zeigen, mit einer Reise durch die letzten 90 Jahre deutscher Musikgeschichte. Dabei gibt es nicht nur Musik zu hören, es werden auch Relikte wie Abspielgeräte oder Bühnenkostüme gezeigt.

Unter Pop verstehen die Ausstellungsmacher alles, was populär ist, auch Subkulturen wie Punk und Techno. Helene Fischer und Tim Bendzko kommen auch vor. Der Rundgang beginnt mit einer großen Leinwand, auf der gleichzeitig verschiedene Musikvideos der 2000er gezeigt werden.

In der einen Ecke singen die mit Strasssteinen beklebten No Angels „Daylight“, daneben laufen Fettes Brot durch die Straßen und warnen vor „Emanuela“. Danach geht es an verschiedenen Stationen weiter mit den Prinzen, Udo Lindenberg, Nena, der Beat Generation bis zu den Comedian Harmonists.

Berlins Rolle in der Popgeschichte

Auch Berlin spielt eine wichtige Rolle in der Popgeschichte. Wilde Partynächte und Drogenexzesse sind keine Erfindung des Berghains, die gab es hier bereits in den Roaring Twenties. Allerdings tanzte man da zu Swing in der Kolibri Bar. Während der deutschen Teilung war West-Berlin eine kreative Insel. Die Einstürzenden Neubauten spielten auf Schrottinstrumenten im U-Bahn-Schacht, zahlreiche Künstler aus aller Welt genossen die kreative Freiheit. Gleichzeitig versuchten immer wieder Künstler aus dem Westen wie Udo Lindenberg oder Depeche Mode, auch im Osten der Stadt aufzutreten.

Nena, Markus & Co - auch um die Neue Deutsche Welle geht es in der Ausstellung.
Nena, Markus & Co - auch um die Neue Deutsche Welle geht es in der Ausstellung.Foto: Axel Thünker

Um die Wendezeit entstand dann das, wofür Berlin bis heute weltberühmt ist: Techno. Im Sommer 1989 rief der Dr. Motte die erste Loveparade ins Leben. Unter dem Motto „Friede, Freude, Eierkuchen“ zogen 150 Menschen mit einem VW-Bus und Musik durch die Stadt. Heute wird mit dem wilden Partyleben Berlins um Touristen geworben – bei gleichzeitigem Clubsterben.

Künstlerinnen unterrepräsentiert

Nicht alles davon erfährt man in der Ausstellung, aber sie bietet Anreize, sich näher mit Popgeschichte zu beschäftigen. Weil diese eben nicht nur etwas über die Künstler und ihre Musik erzählt, sondern auch über die Verhältnisse, die sie hervorgebracht haben. Um die Geschichte deutscher Popmusik nur annähernd komplett abzuhandeln bräuchte man mindestens zwei ganze Museen.

Und so kennt man hier doch die meisten Künstler und Geschichten, die ausgewählt wurden. Sowohl ost- als auch westdeutsche Musikgeschichte werden gezeigt, weniger ausgeglichen ist das Verhältnis von Männern und Frauen. Dass Künstlerinnen in der Ausstellung unterrepräsentiert sind, spiegelt aber die Situation im Musikbusiness wieder. Zum Ausgleich veranstaltet das Museum das Rahmenprogramm „Berlin.Pop.Women.“ mit Konzerten und Vorträgen.

„Oh Yeah“ ist eine amüsante Reise in die (eigene) Vergangenheit, zu schrägen Trends, die einem heute wie absurde Geschmacksverirrungen vorkommen; eine Erinnerung an Dinge, die man fast vergessen hatte, wie selbstgebastelte Cover für selbstgebrannte CDs.

Mitte der 90er Jahre hatte sich die Loveparade zur größten Party der Stadt gemausert – Plateauschuhe waren ein Muss.
Mitte der 90er Jahre hatte sich die Loveparade zur größten Party der Stadt gemausert – Plateauschuhe waren ein Muss.Foto: Promo/Martin Luther


Museum für Kommunikation, Leipziger Straße 16. Öffnungszeiten, Eintrittspreise, weitere Infos unter www.mfk-berlin.de

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