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BASF baut wie Tesla eine Fabrik bei Berlin : Der nächste große Coup für Brandenburg

Die Ansiedlung einer neuen Batteriefabrik in Schwarzheide war ein offenes Geheimnis in Potsdam. Nun will BASF hier rund eine halbe Milliarde Euro investieren.

Industrieanlage des BASF-Verbundstandorts in Freeport, Texas (Symbolbild).
Industrieanlage des BASF-Verbundstandorts in Freeport, Texas (Symbolbild).Foto: Pressefoto BASF/pa/dpa

Es geht Schlag auf Schlag. Wenige Wochen nach dem Tesla-Coup kann Brandenburg erneut eine Großinvestition an Land ziehen: Der BASF-Konzern will an seinem Standort Schwarzheide (Oberspreewald-Lausitz) für rund eine halbe Milliarde Euro eine Fabrik errichten, die Kathoden herstellt, die für Autobatterien verwendet werden.

Nachdem die EU-Kommission in Brüssel jetzt beihilferechtlich ein 3,2-Milliarden-Paket für den Aufbau einer europäischen Batteriezellenproduktion genehmigt hat, ist für die Ansiedlung in der Lausitz eine entscheidende Hürde genommen. Die „Bild-Zeitung“, die zuerst darüber berichtet hat, zitiert Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) so: „Das ist ein großer Durchbruch.“

Und: „Wir werden in wenigen Jahren die erste industrielle Fertigung von Batteriezellen mit mehreren tausend Arbeitsplätzen erleben. BASF hat eine enorme Kompetenz im Bereich von Kathoden-Materialien.“ Das sind spezielle Metalle, etwa Nickel, Cobalt und Mangan, die Eigenschaft haben, die zur Stromspeicherung nötig sind. Das Bundeswirtschaftsministerium ist für solche Notifizierungen zuständig.

Nach Tagesspiegel-Informationen will BASF 400 Millionen Euro in das geplante Lausitzer Batteriewerkwerk investieren, in dem Kathoden für 300.000 Elektroautobatterien hergestellt werden sollen.

In Schwarzheide hat BASF bereits 3000 Jobs. Wieviel jetzt hinzukommen, ist bisher nicht bekannt. Die Größenordnung dürfte zwischen 500 und 1000 liegen.

Eine offizielle Bestätigung des BASF-Konzerns für den Standort der geplanten Kathoden-Fabrik in Deutschland gibt es zwar noch nicht. Nach Tagesspiegel-Informationen hängt dies auch von verbindlichen Fördermittel-Zusagen ab, ohne die ein solches Projekt nicht möglich wäre.

Projekt noch nicht unter Dach und Fach

Offiziell erklärte eine BASF-Sprecherin, der Vorstand des Chemiekonzerns wolle im nächsten Jahr über den Standort für eine mögliche Batteriefabrik entscheiden. „Es ist noch keine Entscheidung zu Schwarzheide gefallen.“

Das Unternehmen habe sich an der Beantragung des IPCEI für Batterien (Important Project of Common European Interest) beteiligt und begrüße die beihilferechtliche Genehmigung der Kommission. Man setze sich für eine wettbewerbsfähige Wertschöpfungskette für Batterien für Elektrofahrzeuge in Europa ein und beabsichtige, Produktionsanlagen für Batteriematerialien in Europa zu bauen.

„BASF hat bereits die Absicht einer Investition in eine Produktionsanlage für Vorprodukte von Kathodenmaterialien in Harjavalta/Finnland bekanntgegeben“, so die Sprecherin weiter. „Eine endgültige Entscheidung zu einer weiteren Produktionsanlage, die darauf aufbauend die Kathodenmaterialien herstellen würde, ist noch nicht gefallen.“

Doch hatte die Bundesregierung erst kürzlich entschieden, dass ein neues Fraunhofer-Institut zur Batteriezellenforschung in der Lausitz angesiedelt wird. Da war das Schwarzheide-Projekt sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene schon in der Pipeline.

Auch aus Brandenburgs Regierung kommt noch keine Bestätigung. Demnach ist das Projekt noch nicht unter Dach und Fach. „Wir sind mit der BASF in guten Gesprächen“, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Dienstag dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) in Potsdam.

„Ich hoffe sehr, dass die Entscheidung für den Standort Schwarzheide fällt, er bietet alles, was gebraucht wird, aber ich kann nicht bestätigen, dass die Entscheidung schon gefallen wäre.“

Regierungssprecher Florian Engels erklärte: „Selbstverständlich ist Brandenburg daran interessiert, dass der erfolgreiche Standort BASF Schwarzheide weiter ausgebaut wird und einen Beitrag zur Elektromobilität leisten kann. Dies würde der Lausitz einen weiteren starken Impuls geben.“ Jedoch gebe es hierzu von BASF „noch keine Standortentscheidung“, teilte der Sprecher mit und Verwies an den Konzern.

Doch hatten Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und sein Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (beide SPD) im Sommer in der Konzernzentrale in Ludwigshafen eine entsprechende Absichtserklärung zu dem Vorhaben unterzeichnet. Und Woidke hatte in den letzten Wochen mehrfach öffentlich angedeutet, dass noch vor Weihnachten ein Ansiedlungserfolg für Schwarzheide in der Lausitz verkündet werden kann.

„Signal für die Lausitz“

Dass es um eine neue Batteriefabrik in Schwarzheide geht, ist längst ein offenes Geheimnis in Potsdam. So wertete Brandenburgs Vize-Ministerpräsident Michael Stübgen (CDU) die Nachricht umgehend als „Signal für die Lausitz“, das Bund und Land ihre Zusagen zum Strukturwandel einhalten würden.

Das Güterverkehrszentrum (GVZ) Freienbrink in der Gemeinde Grünheide östlich von Berlin.
Das Güterverkehrszentrum (GVZ) Freienbrink in der Gemeinde Grünheide östlich von Berlin.Foto: Patrick Pleul/dpa

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Überhaupt häufen sich in Brandenburg gute Wirtschaftsnachrichten, die mit Elektromobilität zu tun haben: Wie berichtet will der Tesla-Konzern eine Gigafactory für Elektrofahrzeuge am Standort Grünheide südöstlich von Berlin errichten, bis 2021, eine Vier-Milliarden-Investition, bei der am Ende rund 8000 Jobs entstehen sollen.

Brandenburg hatte sich gegen Konkurrenten aus ganz Europa und innerhalb Deutschlands durchgesetzt. Kurz darauf hatte der US-Batteriehersteller Microvast verkündet, dass er in Ludwigsfelde südlich von Berlin eine Fabrik errichten will, um dort Batteriesysteme für Transporter, LKW, Sport- und Geländewagen zu fertigen. Außerdem verlagert Microvast seine Europa-Zentrale von Frankfurt/Main nach Ludwigsfelde.

Das Unternehmen will in der ersten Ausbaustufe 41 Millionen Euro investieren, spricht aber auch von einem dreistelligen Millionenbetrag. Und nun legt die BASF in Schwarzheide, schon jetzt ein industrieller Leuchtturm-Standort in Brandenburg, noch kräftig nach. (mit dpa)

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