Bauboom in Berlin : In Reinickendorf entstehen die wenigsten Wohnungen

Berlin baut, doch zwischen den Bezirken gibt es große Unterschiede. Die Spitzenreiter befinden sich im Osten der Stadt.

Baustellen wie diese gibt es in Berlin an jeder Ecke. Dem Bedarf an Wohnungen hinkt der Neubau dennoch hinterher.
Baustellen wie diese gibt es in Berlin an jeder Ecke. Dem Bedarf an Wohnungen hinkt der Neubau dennoch hinterher.Foto: dpa/Sven Hoppe

Der Berliner Bezirk Reinickendorf bleibt Schlusslicht beim berlinweiten Vergleich der fertiggestellten Wohnungen. Das geht aus der Antwort des Wohnstaatssekretärs Sebastian Scheel auf eine Schriftliche Anfrage des CDU-Abgeordneten Florian Graf hervor, die dem Tagesspiegel exklusiv vorliegt.

Demnach lag die Zahl von 436 gebauten Wohnungen im Bezirk 2018 deutlich unter dem berlinweiten Schnitt von rund 1400 neuen Wohnungen pro Jahr und Bezirk. An zweit- und drittletzter Stelle lagen Tempelhof-Schöneberg (630) und Steglitz-Zehlendorf (634).

Spitzenreiter unter den Bezirken waren 2018 mit deutlichem Abstand Treptow-Köpenick (2545), Mitte (2406) sowie Pankow (2152). Im Langzeitvergleich stiegen die Neubauzahlen aller Bezirke deutlich an. Den größten Anstieg konnte zuletzt Spandau vorweisen.

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Dort hat sich die Zahl der fertiggestellten Wohnungen im Vergleich der Jahre 2014 und 2018 versechsfacht. Im Schnitt waren 2014 pro Bezirk 730 Wohnungen fertiggestellt worden. Auch dieser Wert hat sich im Langzeitvergleich demnach verdoppelt.

Berlinweit wiederum stieg die Zahl der fertiggestellten Wohnungen zuletzt nur noch schwach an. Zwar hat sich der Wert im Vergleich der Jahre 2014 und 2018 verdoppelt, zuletzt stagnierte die Zahl jedoch bei knapp über 15.000 Wohnungen pro Jahr. Das erklärte Ziel von Lompscher, pro Jahr 20.000 Wohnungen in der Stadt bauen zu lassen, konnte nicht erreicht werden. Experten fürchten, der geplante Mietendeckel könnte den Neubau von Wohnungen in Berlin weiter bremsen.

Genehmigungszahlen sinken

Hinzu kommt: Die Zahl der erteilten Genehmigungen für den Bau neuer Wohnungen auf dem überhitzten Immobilienmarkt der Stadt ist rückläufig. Bereits im März durch das Statistische Landesamt Berlin-Brandenburg veröffentlichte Zahlen hatten gezeigt, dass die Zahl der Baugenehmigungen 2018 zum zweiten Mal in Folge gesunken war. Von 24743 im Jahr 2017 ging ihre Zahl auf 24218 im Vorjahr zurück. Der vorläufige Höchstwert von 25052 erteilten Baugenehmigungen aus dem Jahr 2016 ließ sich demnach nicht wieder erreichen. Die Senatsverwaltung für Wohnen unter Leitung der Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) sprach damals dennoch von einer "erfreulichen Nachricht". Kritik kam aus der Opposition und vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen.

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