• Begegnung zwischen den Religionen: Jüdisches Puppenspiel wird in Neuköllner Moschee verlegt

Begegnung zwischen den Religionen : Jüdisches Puppenspiel wird in Neuköllner Moschee verlegt

Tage vor dem Auftritt stand die Gruppe Bubales ohne Bühne da. Die vom Verfassungsschutz beobachtete Dar-as-Salam-Moschee springt jetzt ein.

Das jüdische Puppentheater Bubales spielt zu Weihnachten für muslimische Kinder in der Da-as-Salam-Moschee in Neukölln.
Das jüdische Puppentheater Bubales spielt zu Weihnachten für muslimische Kinder in der Da-as-Salam-Moschee in Neukölln.Foto: Bubales/promo

Es klingt wie eine ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte. Die Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) der Dar-as-Salam-Moschee, bekannt unter anderem durch die Beobachtung durch den Verfassungsschutz, lädt zu Weihnachten ein jüdisches Puppentheater in die Moschee, nachdem ein anderes arabisches Zentrum dem Theater die Türen verschlossen hatte. Stattfinden wird der Auftritt des jüdischen Puppentheaters Bubales nun vor rund 100 Kindern in der Moschee anstelle des üblichen Koranunterrichts am kommenden Sonntagvormittag. Der Weg dahin war jedoch lang.

Zunächst hatten sich Bubales und das Deutsch-Arabische Zentrum (DAZ) in Neukölln darauf geeinigt, das zweisprachige Stück „Isaak und der Elefant Abbas“ in den Räumen des DAZ aufzuführen. Es soll eine Annäherung zwischen jüdischen und muslimischen Familien ermöglichen und neu ankommenden Geflüchteten ein positives Bild der jüdischen Kultur vermitteln, so Puppenspielerin Shlomit Tulgan, Leiterin von Bubales. „Wir wollten auf die Angst vor importiertem arabischen Antisemitismus reagieren“, erklärte sie weiter. Ausgerechnet jener könnte jedoch dafür gesorgt haben, dass die Aufführung des Stücks im DAZ abgesagt wurde.

Tulgans Aussage, fadenscheinige Ausreden und Gerüchte über einen möglichen antisemitischen Shitstorm gegen den Vorsitzenden hätten zur Absage durch das DAZ geführt, bestreitet die Evangelische Kinder- und Jugendfürsorge, Träger des DAZ, jedoch vehement. Zwar habe man auch dort von „Diskussionen im Internet, in denen die Veranstaltung zum Teil sehr kritisch bewertet wurde“ gehört, deshalb sei die Veranstaltung aber nicht abgesagt worden. Ausschlaggebend sei gewesen, dass das DAZ über wenig Personal verfügt „und wir fürchteten, nicht sicherstellen zu können, dass die Veranstaltung so abläuft, wie wir uns das wünschen und wie es für ein Puppentheater passend ist“, so Katrin Wilcken, Sprecherin der EJF. Sie betonte, das DAZ stehe für interkulturellen und interreligiösen Austausch, „entsprechend passte die Idee eines jüdischen Puppentheaters mit einem Stück in Deutsch und Arabisch gut in das Konzept des Hauses“.

Imam wünscht sich mehr Begegnungen zwischen den Religionen

Ermöglicht wird der interreligiöse Austausch nun durch Mohamed Taha Sabri, Imam der Dar-as-Salam-Moschee. Sabri, der sich seit Jahren im Spannungsfeld zwischen liberalem Islam und Kontakten zur Muslimbruderschaft bewegt und gegen die Beobachtung der NBS durch den Verfassungsschutz kämpft, will aus der Bubales-Einladung keine große Sache machen. „Das ist kein Problem für uns“, sagte Sabri im Gespräch mit dem Tagesspiegel, den vielen Kindern der Gemeinde müsse schließlich auch etwas geboten werden. Kritische Stimmen gebe es auch in seiner Gemeinde, so der Imam, genau deshalb sei es umso wichtiger, Projekte wie Bubales zu unterstützen. „Wir müssen viel Arbeit leisten, damit diese Begegnungen zwischen den Religionen Alltag werden“, so Sabri.

Das Stück scheint dafür durchaus geeignet. Es erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen Freundschaft: Jene des jüdischen Handelsmannes Isaak, der im Mittelalter den weißen Elefanten Abul Abbas als Geschenk des Kalifen Harun al-Raschid an Karl den Großen von Bagdad nach Aachen gebracht haben soll. Zwei Jahre soll die gefährliche Reise über Jerusalem, die Wüstengebiete Nordafrikas, das Mittelmeer und die Alpen gedauert haben. Das Puppenspiel entstand als Kooperation von jüdischen und syrischen Künstlern, Fluchterfahrungen der Beteiligten fließen in die Geschichte ein.

Shlomit Tulgan sieht die Einladung der NBS pragmatisch: „Egal, welche Einstellung manche Beter der Neuköllner Begegnungsstätte haben mögen, man lässt uns zu dem wertvollsten Gut ihrer Gemeinde: zu ihren Kindern.“

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