Berlin ist Zentrum des Terrorismus : Zahl der Salafisten steigt weiter an

Die Szene ist zunehmend im Verborgenen tätig. Während früher noch offen in Moscheen geworben wurde, ziehen sich die Anhänger weiter ins Private zurück.

Die Salafistenszene wächst, arbeitet zugleich unauffälliger. In der Donaustraße gab es Anfang Mai eine Razzia.
Die Salafistenszene wächst, arbeitet zugleich unauffälliger. In der Donaustraße gab es Anfang Mai eine Razzia.Foto: dpa / Paul Zinken

Die Zahl der Salafisten in Berlin steigt weiter, auch wenn die radikalen Muslime zunehmend im Verborgenen aktiv sind. Das berichtete Verfassungsschutzchef Michael Fischer am Mittwoch im Verfassungsschutzausschuss des Abgeordnetenhauses den Parlamentariern bei der Vorstellung des jüngsten Verfassungsschutzberichts.

"Der Trend zum Rückzug ins Private hat sich fortgesetzt", so Fischer. "Damit hat sich auch die Rolle der salafistischen Moscheen deutlich verändert. Anders als noch vor drei oder vier Jahren wird seltener offen salafistische Propaganda betrieben. Offen djihadistische Agitation ließ sich im Berichtsjahr überhaupt nicht mehr wahrnehmen."

Die Moscheen fungierten eher als Trefforte und dienten zur Vernetzung. Insgesamt stuft der Bericht 2170 Menschen in Berlin als Islamisten ein - 180 mehr als 2018, wie Fischer betonte.

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Dabei habe mit 1140 die Zahl der Salafisten deutlich zugenommen. 2018 wurden 1020 gezählt. Auch im Vorjahr war die Zahl gestiegen. Sie seien nur noch an Informationsständen öffentlich sichtbar, wo es aber um verdeckte Anwerbungsversuche gehe, so Fischer.

Berlin ist das Zentrum des islamistischen Terrorismus

Islamisten aus den ostdeutschen Ländern verlagern demnach ihre Aktivitäten zunehmend nach Berlin. Die Demokratie sei weiter enorm bedroht. Berlin stehe weiter im Zentrum des islamistischen Terrorismus. Der Ausschuss für Verfassungsschutz des Abgeordnetenhauses diskutierte den Jahresbericht der Verfassungsschützer für 2019.

Laut Bericht sind zehn Prozent der etwa 100 Berliner Moscheen weiter Plattform für Vorträge und Treffpunkte, so etwa die Al-Nur-Moschee in Neukölln, die As-Sahaba-Moschee in Wedding und die Ibrahim al-Khalil-Moschee in Tempelhof.

Die As-Sahaba-Moschee sei derzeit ohne Räume; sie habe noch keinen neuen Mietvertrag und musste ihre alten Räume zum Jahresende verlassen.

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