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Berliner Bäderbetriebe : Schulschwimmen auf dem Trockenen

Aus und vorbei: Bereits drei Wochen vor Ferienbeginn endete für viele Berliner Kinder der Schwimmunterricht. Jetzt soll nachgebessert werden.

Es braucht Zeit, dass Kinder schwimmen lernen.
Es braucht Zeit, dass Kinder schwimmen lernen.Foto: Patrick Pleul/ dpa

Das Berliner Schuljahr ist offenbar schon drei Wochen vor Ferienbeginn in Auflösung begriffen. Darauf deutet zumindest das – für viele Lehrer, Eltern und Kinder – ebenso überraschende wie vorfristige Ende des Schwimmunterrichts an etlichen Berliner Schulen. Nach Protesten in den vergangenen Tagen soll nun nachgebessert werden.

Die Faktenlage blieb bis Montagnachmittag dünn, weil weder die Bäderbetriebe noch die Senatsverwaltung für Bildung – trotz mehrerer Anfragen seit Freitag – die genauen Ursachen des Problems benannten. Klar war zunächst nur, dass Schulleiter – etwa in Friedrichshain-Kreuzberg sowie Tempelhof-Schöneberg – vergangene Woche vom Ende des Schwimmunterrichts zum 15. Juni erfuhren, obwohl die Lehrer ihren Unterricht bis zum Schuljahresschluss am 5. Juli geplant hatten. Nach und nach stellte sich dann heraus, womit das abrupte Ende zusammenhängt: Senat und Bäderbetriebe hatten nur eine 35-wöchige Schwimmhallennutzung verabredet. Die 35 Wochen sind jetzt abgelaufen.

Ohne Bademeister geht es nicht

Um noch bis Schuljahresende mit den Klassen schwimmen gehen zu können, war zwischenzeitlich von Schulseite der Vorschlag aufgetaucht, bei der Nutzung der Bäder auf die Anwesenheit von Bademeistern zu verzichten. Im Gegenzug wollten die Schwimmlehrer eigenverantwortlich die „Wasseraufsicht“ übernehmen. Dies aber sei „aus haftungsrechtlichen Gründen laut Aussage der Berliner Bäderbetriebe kurzfristig nicht möglich“, teilte die Bildungsverwaltung den Schulen mit. „Offenbar stellte sich heraus, dass nicht genügend Lehrer über die notwendigen Lebensrettungsscheine verfügen“, vermutet ein Schulleiter. Die Folge: Das Schwimmen wurde abgesagt.

"Poker um Schließzeiten"

Es blieben Fragen. Etwa die, warum das Problem nicht in allen Bezirken gleichermaßen auftauchte. Und warum die Schulen nicht rechtzeitig informiert wurden. Die Bäderbetriebe selbst beharrten auch am Montag auf ihrer Darstellung, „dass alle Bäder in allen Bezirken so geöffnet sind, dass das Schulschwimmen weiterhin stattfinden kann“. Ein Schwimmobmann hingegen äußerte sich in einer Mail an die Schulen dahingehend, dass man es dieses Jahr mit einem nie dagewesenen „Poker um Schließzeiten“ zu tun habe. Die Kapazitäten werden immer knapper.
Die Grünen in Tempelhof-Schöneberg diagnostizierten am Montag, die Bildungsverwaltung habe mit ihrer Mitteilung, dass vom 15. Juni an nicht geschwommen werden könne, „ein Chaos ausgelöst, mit dem die Schulen und die Bezirke nun allein gelassen sind“ – so die Kritik der schulpolitischen Sprecherin Martina Zander-Rade. Die Verwaltung habe es wegen „Sprachunfähigkeit“ nicht verstanden, den Bäderbetrieben, Bezirken und Schulen rechtzeitig das auf sie zukommende Problem zu kommunizieren und nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen. Im Bezirk betroffen seien etwa die Gemeinschaftsschule Friedenau, die Spreewald- und die Nahariya-Grundschule, wo sich viele Familien „keinen Badeurlaub am Meer“ leisten könnten. Ein solches „Desaster“ dürfe sich nicht wiederholen, fordert die Grüne, die den Bezirksschulausschuss leitet.

Schulleiter sehen "fatalen Fehler"

Die betroffenen Schulen sind verärgert. Nach Informationen des Tagesspiegels intervenierten Schulleiter zwischenzeitlich bei der Bildungsverwaltung und wiesen darauf hin, dass sie die Zeit bis zu den Ferien noch unbedingt brauchen – für den Schwimmerfolg der Kinder und auch zur Überprüfung von Leistungen. Sie verwiesen auch auf das Problem, dass 35 Wochen in der dritten Klasse generell kaum reichen, um allen Kindern das Schwimmen beizubringen, zumal wenn – etwa wegen Wettkämpfen in den großen Sportbädern – der Unterricht ohnehin öfters ausfalle: Drei Wochen vor Schuljahresende bereits mit dem Unterricht aufzuhören und erst zwei Wochen nach Ferienende wieder zu beginnen, sei daher ein „fataler Fehler“.

„Egal, wo das Problem herkommt: Es muss gelöst werden“, stand am Montag für den sportpolitischen Sprecher der Linken im Abgeordnetenhaus, Philipp Bertram, fest. Vor allem müsse abgesichert werden, „dass alle Kinder ihre Schwimmprüfung ablegen können“, betonte er. Bertram war es auch gewesen, der am Randes des Sportausschusses am Freitag den Vertreter der Bäderbetriebe und der Bildungsverwaltung auf das Problem angesprochen hatte: Im Ausschuss selbst ging es auch indirekt um das Schulschwimmen - allerdings nicht um die beschriebene Fehlplanung, sondern um das gesamte "Bäderkonzept".

Neue Ansage: Schwimmen bis zum 29. Juni

Am Montagnachmittag dann die überraschende Wende: „Nach unseren Einwendungen und der Kritik vieler Schulen über die kurzfristige Vorverlegung der Hallenschließungen konnte inzwischen kurzfristig erreicht werden, dass in vielen Bädern nach Absprachen mit den regionalen Badleitern der Schwimmunterricht bis zum 29. Juni durchgeführt werden kann“, teilte die Sprecherin der Bildungsverwaltung, Beate Stoffers, dem Tagesspiegel mit. Welche Bezirke von dem Hin und Her betroffen seien, solle jetzt mit den Schwimmobleuten geklärt werden.
„Schwimmen muss gelernt sein und braucht Zeit, manchmal bis zur letzten Stunde“, twitterte eine betroffene Mutter. „Mathe wird doch auch nicht drei Wochen vor Schuljahresende beendet. Warum also Schwimmen?“ Die Schwimm-Bloggerin Bianca Tchinda nannte den ganzen Vorgang „hochgradig ärgerlich“.

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