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Mieter können mit Balkonsolaranlagen ihre Stromrechnung reduzieren.

© Ottmar Winter PNN/Ottmar Winter PNN

Balkonsolar wird nicht mehr gefördert: Berlin setzt den Fokus jetzt auf größere PV-Anlagen

Von der neuen Förderrichtlinie für das Programm SolarPlus profitieren vorwiegend Unternehmer und Eigentümer von Mehrfamilienhäusern. Die Grünen kritisieren, dass Mieter das Nachsehen haben.

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Die Berliner Solarförderung steigt in diesem Jahr von zehn auf 13 Millionen Euro. Das ist auch nötig, weil sich der politische Fokus inzwischen auf größere Anlagen mit entsprechend größeren Fördersummen richtet. „Im nächsten Schritt nehmen wir verstärkt die großen Dächer Berlins in den Blick: auf Gewerbehallen, Industriebauten und Mehrfamilienhäusern. Wir wollen damit eine größere Wirksamkeit der Solarförderung in Berlin erzielen“, erklärte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) am Montag im Abgeordnetenhaus.

Hintergrund ist, dass in den vergangenen Jahren zwar rund 20.000 kleine Balkonsolaranlagen gefördert wurden, aber der Anteil von Solarstrom an der gesamten Stromproduktion in Berlin nur leicht gestiegen ist, auf derzeit 5,9 Prozent, wie Staatssekretär Severin Fischer (SPD) im Wirtschaftsausschuss erklärte. Die Zielmarke liegt bei 25 Prozent, zu erreichen bis 2035.

Balkonsolaranlagen werden deshalb nicht mehr gefördert – auch wegen des relativ hohen bürokratischen Aufwands bei der Förderung kleiner Anlagen für das Team der Investitionsbank Berlin, die das Programm SolarPlus betreut.

2500
Euro Zuschuss gibt es für eine Solaranlage von zehn Kilowatt.

Das Förderprogramm wurde in zwei Segmente unterteilt: S für kleine Hausdachanlagen und L für größere Anlagen auf Industriehallen oder Wohnblöcken, ab einer Leistung von 20 Kilowatt.

Um Förderanträge zu vereinfachen, sollen jeweils pauschale Summen ausgezahlt werden, gestaffelt nach Leistung der Solaranlage. Auch neue Zählerschränke, die Modernisierung der Hauselektrik und höhere Aufwendungen für den Denkmalschutz können gefördert werden. Für eine normale Dachanlage mit Stromspeicher gibt es bei einer Leistung von 10 Kilowatt 2500 Euro Zuschuss.

Bei größeren Anlagen fallen auch Machbarkeitsstudien und Gutachten für Sonderlösungen in die Förderung, etwa wenn Fassaden-Anlagen oder die Kombination aus Gründach und Photovoltaik geplant sind. Gezahlt werden maximal 30.000 Euro für die Anlage nebst Stromspeicher und 15.000 Euro für die Modernisierung elektrischer Anlagen.

Wer eine Solaranlage mit Speicher hat, kann, wenn das Stromnetz ausfällt, auf den eigenen Solarstrom zurückgreifen und ist damit deutlich krisenresilienter.

Franziska Giffey (SPD), Wirtschaftssenatorin

Für Eigentümer von Einfamilienhäusern ist die Solarförderung besonders in Verbindung mit der Förderung für eine Wärmepumpe interessant. Unternehmer können mit einer großen Solaranlage ihre Stromrechnung reduzieren. In jedem Fall sollte eine Solaranlage künftig inselfähig sein, also im Falle eines großflächigen Stromausfalls wie zuletzt in Zehlendorf automatisch vom Netz abgekoppelt werden.

Solarpanels sind vor einem Pressetermin zum Bau von Berlins größter Photovoltaik-Anlage der Stadtwerke und Messe auf dem Dach der Messe Berlin vor dem Funkturm zu sehen. (zu dpa: «Brauchen «Sonnen-Turbo»: Solarausbau laut Umwelthilfe zu langsam») +++ dpa-Bildfunk +++
Die größte Berliner Solaranlage wurde auf den Dächern der Messehallen installiert.

© picture alliance/dpa/Christoph Soeder

Solche inselfähigen Solaranlagen liefern ihren Strom dann weiter in den Batteriespeicher, der zumindest vorübergehend den Energiebedarf decken kann. Solche Anlagen kosten etwas mehr, werden aber zunehmend nachgefragt. „Wer eine Solaranlage mit Speicher hat, kann, wenn das Stromnetz ausfällt, auf den eigenen Solarstrom zurückgreifen und ist damit deutlich krisenresilienter“, erklärt Giffey. Einen Förderbonus gibt es für inselfähige Anlagen allerdings nicht.

Die Investitionsbank hat die Plattform zur Beantragung verbessert und damit den Zugang zu den beiden Programmen erleichtert, erklärt Dirk Maass, Geschäftsführer der IBB Business Team GmbH.

AfD ist gegen die Förderung von Solarstrom

Die neuen Förderrichtlinien werden von der Opposition, also Grünen und Linken weitgehend begrüßt, die AfD ist strikt gegen jede Förderung von Solarstrom. Die Grünen kritisieren allerdings den Wegfall der Förderung von Balkonanlagen. Für Mieter sei es die einzige Möglichkeit, eigenständig Strom zu erzeugen, was auch das Verständnis für Energiesparen und Energieeffizienz fördere, sagte der Grünen-Abgeordnete Stefan Taschner im Ausschuss.

Die Linken fordern den Senat auf, die Ausbauziele für Solarstrom noch genauer festzulegen und das Ausbautempo besser zu kontrollieren.

Seit dem Start des Programms SolarPlus im Jahr 2022 wurden bis Ende 2025 insgesamt 36.846 Anträge mit einem Fördervolumen von rund 41,8 Millionen Euro eingereicht, wie die Senatsverwaltung für Wirtschaft mitteilt. Von diesen Anträgen seien bisher 29.050 bewilligt worden. Die finanziellen Zusagen belaufen sich auf 30,3 Millionen Euro.

Die installierte Leistung aller Solaranlagen in Berlin habe sich seit 2022 von 192 auf rund 485 Megawatt mehr als verdoppelt. Berlin kann damit nach Aussage von Staatssekretär Fischer den Titel der „deutschen Solar-Hauptstadt“ weiterhin für sich beanspruchen.

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